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Inflation und Umlaufgeschwindigkeit werden nicht richtig gemessen

9. Mai 2017 von in Allgemein | 4 Kommentare

Darüber bin ich mit Professor Schnabl von der Uni Leipzig einig, nachdem wir uns kurz über seinen jüngsten FAZ-Beitrag ausgetauscht haben.

Hier sein Beitrag:

Die Inflation wird nicht richtig gemessen

Und hier unser Austausch darüber:

Raimund Brichta:

Guten Tag, Herr Schnabl,

mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag in der FAZ gelesen, der sich im Prinzip mit Erkenntnissen deckt, die ich in meinem Buch „Die Wahrheit über Geld“ niedergeschrieben habe.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Idee, der herkömmlichen Quantitätsgleichung einfach eine zweite Gleichung an die Seite zu stellen? In dieser würde lediglich Y ausgetauscht durch eine Größe, welche die Summe aller an den Finanz- und Immobilienmärkten umgesetzten Einheiten enthält.

Gunther Schnabl:

Das ist ein interessanter Gedanke. Allerdings könnte es schwierig sein, die im Finanzsektor produzierten Güter- und Dienstleistungen real zu messen. Die hohen Produktivitätsgewinne in den USA nach der Jahrtausendwende waren insbesondere hohen „Produktivitätsgewinnen“ im Finanzsektor geschuldet, die sich als Blase herausstellten.

Alternativ könnte man den Preisindex um Vermögenspreise erweitern oder das Wachstum der Geldbasis am realen Wachstum ausrichten.

Raimund Brichta:

was die Messbarkeit anbelangt, gebe ich Ihnen vollkommen recht. Aber rein gedankenlogisch wäre es m. E. der richtige Ansatz.

Damit ließe sich vermutlich auch ein Teil der rückläufigen Umlaufgeschwindigkeit erklären. Denn der Teil der Transaktionen, der an den Finanzmärkten erfolgt, wird nach herkömmlicher Methode gar nicht gemessen. Das Resultat ist eine sinkende Umlaufgeschwindigeit, die in dieser Hinsicht zur statistischen Restgröße wird.

Gunther Schnabl:

Das ist der Tat so. Theoretisch ist die Umlaufgeschwindigkeit die Restgröße, mit der die Quantitätsgleichung immer erfüllt ist. Allerdings ist das auch banal (wie Sie richtig anmerken), insbesondere dann, wenn die Inflationsmessung auf willkürlichen Annahmen beruht.

Schöne Grüße

4 Kommentare

    • Hallo Herr Ahrens, was finden Sie an diesem Bericht so interessant? Ich halte ihn für eher mäßig interessant, da er die übliche Mischung aus verschiedenen Halbwahrheiten enthält, ohne dass der Autor den richtigen Durchblick hat. Zum Beispiel liegt die rückläufige Umlaufgeschwindigkeit weniger daran, dass die Notenbanken so viel Geld produzieren, sondern mehr daran, dass ein immer größerer Teil des Geldes an den Finanzmärkten umläuft und damit außerhalb der von der Quantitätsgleichung erfassten Größen. Die Umlaufgeschwindigkeit ist damit lediglich eine statistische Restgröße. Das Geld läuft tatsächlich um, dieser Umlauf wird aber nicht gemessen (siehe dazu meinen obigen Schriftwechsel mit Professor Schnabl).

      Und was die Buba-Stellungnahme zum 100-Prozent-Geld anbelangt, so habe ich diese ebenfalls schon als Nebelkerze bezeichnet: http://www.diewahrheituebergeld.de/ist-die-bundesbank-ernst-zu-nehmen/

  1. Die Einleitung des Artikels sprach mich indirekt an. “ „Bisher haben lediglich Verschwörungstheoretiker und Notenbankkritiker das Geldsystem in Frage gestellt. Jetzt jedoch beschäftigt sich auch die Bundesbank mit radikalen Ideen. Wie kommt das? “ Ich hoffe immer noch, dass dieses Thema den medialen Durchbruch schafft. Viele Grüße

    • Aber auch der Einleitungssatz ist falsch. Wir beide zum Beispiel sind weder Verschwörungstheoretiker noch explizite „Notenbankkritiker“ ?

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