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Schlaflose Nächte sind blöd

11. Juni 2008 von in Allgemein | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Mittwoch, den 11. Juni 2008

Die Börsenstimmung hat in den letzten Tagen einen Knacks bekommen. Die Frage ist: Renkt sich das wieder ein oder kann daraus mehr werden? Nun, fundamental sieht es zwar nach wie vor nicht schlecht aus, aber ich traue dem Braten momentan trotzdem nicht. Der Hauptgrund dafür liegt in den Bankaktien: In den USA sind viele von ihnen unter ihre Tiefststände vom März gefallen. Und in Europa hat ihnen das bereits die Deutsche Bank nachgemacht.

Dies ist ein Warnsignal erster Güte! Denn der gesamte Markt wird sich nur erholen können, wenn sich auch die Banken erholen. Ein weiteres Indiz: Die so genannten ABX-Indizes – eine Art Gradmesser für die Finanzkrise – sind ebenfalls auf neue Tiefststände gefallen. Was das bedeutet, lesen Sie bitte noch einmal in meiner Kolumne „Wer zuviel Fusel trinkt“ nach.

Ob ein neuer Knall in der Finanzbranche bevorsteht, weiß ich nicht. Aber Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht. Das heißt: Bankaktien unter verschärfte Beobachtung stellen, DAX und Dow-Jones-Index natürlich auch.

Wird der DAX seine Schwächephase deutlich über dem März-Tief von 6.200 Punkten beenden? Das wäre ein gutes Zeichen. Oder wird er noch einmal bis dorthin fallen, um erst danach wieder nach oben zu drehen? Letzteres würde zwar mehr Nerven kosten, wäre aber auch noch okay. Nur wenn die 6.200 Punkte nicht halten sollten, ginge es vermutlich in Richtung 5.000! Und dann wäre auch längerfristig Schaden angerichtet. Denn dann hätten wir eine Situation, in der der Dow Jones seinerseits wahrscheinlich nicht die 11.700 Punkte halten könnte. Das ist aber eine Marke, die er nachhaltig nicht mehr unterschreiten darf, ohne seine guten Perspektiven für die nächsten Jahre zu verspielen.

Wie Sie als Anleger mit diesem Szenario umgehen, müssen Sie natürlich selbst entscheiden. Ich meine, dass man momentan sicherheitshalber nicht voll investiert sein muss. Schließlich riet schon Thomas Mann, am Tage mit Lust bei den Geschäften zu sein, aber nur bei solchen, die des Nachts einen ruhigen Schlaf zulassen.

Bei den gängigen Alternativen zum Aktienmarkt sieht es unter dem Gesichtspunkt des gesunden Schlafes derzeit ebenfalls nicht besonders gut aus. Anleihen zum Beispiel bieten wegen der Inflationsgefahr ein enormes Rückschlagspotenzial, vor allem bei den lang laufenden Papieren.

Und Rohstoffe? Die bieten zwar riesige Chancen, sofern die Preisblase weiter aufgepumpt wird. Ihrer Nachtruhe aber dürften auch sie abträglich sein. Denn auch hier muss man jederzeit mit einem scharfen Preiseinbruch rechnen. Glauben Sie vor allem jenen Bauernfängern nicht, die behaupten, der Rohstoff-Preisanstieg sei nur auf fundamentale Gründe zurückzuführen. Das ist Unsinn. Am Ölmarkt zum Beispiel wird inzwischen jedes Fass, das aus dem Boden kommt, 500- bis 1000-mal gekauft und wieder verkauft, bevor es beim Verbraucher ankommt. Alles fundamentale Geschäfte? Hah ha! Eine gigantische Finanzblase ist das, die auf den realen Markt aufgepfropft ist. Man nennt sie auch Terminmarkt.

Ganz große Schlaumeier behaupten sogar Folgendes: Die Spekulation könne mit den Preissprüngen gar nichts zu tun haben, denn diese seien bei denjenigen Rohstoffen am größten, für die es gar keinen Terminmarkt gibt! Das ist dreist. Denn dabei verschweigen sie, dass die großen Finanzjongleure die besten Möglichkeiten haben, auch in diese Märkte einzugreifen. Sie schließen einfach Geschäfte mit fester Lieferverpflichtung für die Zukunft auch außerhalb von Börsen ab. Das nötige Geld als Sicherheit dafür bringen sie selbstverständlich mit. Und damit schaffen sie sich selbst eine Art Terminmarkt, der dem unbedarften Beobachter allerdings verborgen bleibt. Es gibt nichts, was es nicht gibt!

Passen Sie in nächster Zeit also besonders gut auf Ihr Geld auf, damit Sie stets beruhigt zu Bett gehen können.

Dies wünscht Ihr
Raimund Brichta

Quelle:
http://www.n-tv.de/deleteMe/migration/Schlaflose-Naechte-sind-bloed-article429859.html

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