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Gepostet by on März 17, 2014 in Gastbeitrag | 3 Kommentare

Irrtum, Herr Brichta!

Lieber Herr Brichta,

ich schätze Sie sehr, aber – unter uns Volkswirten – mit diesem letzten Artikel „Wer hat Angst vor Deflation?“ liegen Sie daneben. Und sind dabei in bester Gesellschaft. Aber dazu später.

Wie kann man allen Ernstes öffentlich verbreiten, die Deflation habe in der deutschen Geschichte keine besondere Rolle gespielt – und das auch noch als Volkswirt?

Zitat: „Wenn wir Deutschen uns vor etwas fürchten, dann eher vor dem Gegenteil, also vor Inflation. Denn damit mussten unsere Vorfahren schlechte Erfahrungen machen.“

Mit Deflation also nicht?

Da muss wohl Ihr Geschichtsbewusstsein etwas ausgeblendet haben: Deutschland hat in den Jahren 1930 bis 1933 massive Deflationserfahrungen gemacht. Die Massenarbeitslosigkeit vor 1933 ist ja schließlich nicht vom Himmel gefallen!
Während Roosevelt in den USA mit dem New Deal die Demokratie gerade noch retten konnte, kennen wir den weiteren Verlauf in Deutschland.

Erstaunlicherweise sind Sie mit dieser Geschichtsvergessenheit in bester Gesellschaft.
Über die letzen drei Jahre hatte ich Gelegenheit, im Rahmen von Bankcoachings über 300 Bankerinnen und Banker, zumeist mit akademischem Hintergrund, die einfache Frage zu stellen: „Hat Deflation in der deutschen Geschichte einmal eine größere Rolle gespielt?“
Nun die erschreckende Antwort: Über 95% (!) antworten, sie wüssten nichts von einer Deflationsphase.

Nun also auch Sie, geschätzter Kollege.
Mich hat insbesondere der sehr hohe Grad der Antworten nachdenklich gemacht. Wir haben es offenbar mit einem kollektiven Geschichtsbewusstsein zu tun, in das sich die Inflation der 20 iger Jahre tief eingebrannt hat. Natürlich kennen wir alle die Bilder von den Notenpressen und die Geschichten unserer Großeltern von der Inflation.
Und offenbar ist es so stark, dass selbst Akademiker, Ökonomen, die Deflation und Ihre gravierenden Folgen ausblenden.
Die gleiche Frage in den USA gestellt, würde ganz anders beantwortet.
Viel klarer ist vor diesem Hintergrund auch verständlich, weshalb auch die aktuelle Politik in Deutschland Deflationswarnungen aus den USA im Hinblick auf die Südeuropakrise weitgehend ausblendet. Wir sparen halt lieber.
Und ein letzter Gedanke: Deflation ist in der Wirkungsweise komplizierter zu erklären, der Schnitt ins Fleisch, statt die Steuer der kleinen Leute.

Anbei Ich schicke eine Graphik des stat. Bundesamtes zur Deflation.
Vielleicht schreiben Sie ja dann nächstens etwas zur Deflation mit anderem Wissenshintergrund.

Beste Grüße aus Berlin
Armin Liebchen

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Gepostet by on März 14, 2014 in Gastbeitrag | 3 Kommentare

Über Messprobleme und politische Korrektheit

Hallo Raimund,
Immer wieder schön von Ihnen zu lesen, da es nicht nur bei Volkswirten und Finanzwissenschaftlern sondern auch in Ihrer Medienbranche immer mehr en vogue zu sein scheint Informationen falsch, verkürzt und/oder polemisch darzustellen.

Insofern ist es immer schön wenn jemand das Wort Deflation richtig auf den Punkt bringt. Auf den verlinkten Artikel zum Thema Inflation jedoch möchte ich gerne mal Ihre Einschätzung hören (lesen) ob die Darstellung / Messung der Inflation überhaupt korrekt ist. Ich persönlich kann mit dem Warenkorb der als Grundlage dient de facto gar nichts anfangen. Vor allem bei Vermögenspreisen wie z.B. Immobilien sieht man aufgrund der niedrigen Zinsen und der hohen Geldmenge sehr hohe Preissteigerungen. Welche Möglichkeiten da bestehen dämpfend einzugreifen hat ja seinerzeit die Clinton Administration in den USA gezeigt.

LG
p.s. ich habe mir von meiner Schwester – die zwei kleine Kinder hat – berichten lassen, dass “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ heute w/ politischer Korrektheit nicht mehr gespielt werden darf. Der schwarze Mann wurde ersetzt vom bunten Hund.

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Gepostet by on März 14, 2014 in Gastbeitrag | 7 Kommentare

Wie lange reicht die Munition?

Hallo Herr Brichta, Sie schreiben:
„Solange diese also noch über genügend Munition verfügen, um mit ihren Geldkanonen schrumpfende Geldmengen abzuwehren – wie sie das in der letzten Finanzkrise getan haben -, so lange brauchen wir uns vor einer Deflation genauso wenig zu fürchten wie vorm schwarzen Mann.“

Genau das ist der Punkt. Wie lange reicht die Munition noch? Entscheidend ist doch, ob diese „Munition“ in Realwirtschaft investiert wird oder woanders. Siehe auch dazu den sehr treffenden Artikel von Markus Gaertner.

http://blog.markusgaertner.com/…/volle-fahrt-zuruck-in…/

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Gepostet by on März 14, 2014 in Gastbeitrag | 4 Kommentare

Antwort auf „Wer hat Angst vor Deflation“?

Guter Artikel. Da das Regelwerk in der Makroökonomie immer wieder durch „die, die nicht gewählt wurden“ geändert wird, kann man nicht prognistizieren ob eine Inflation oder Deflation eintreten wird. Eventuell kann man die Massenpsychologie der potentiellen Konsumenten abschätzen um eine Tendenz zu erkennen. Die größere Angst vor Deflation als vor Inflation ist berechtigt. Während in der Inflation Geldvermögen (also Papierzettelchen und Bits/Bytes) vernichtet werden, wird in der Deflation die industrielle Infrastruktur vernichtet.

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