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Gepostet by on Mai 31, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Geht der Euro unter?

Der Autor des heutigen Wirtschafts-Leitartikels in der FAZ könnte unser Buch gelesen haben. Denn er fasst die Konstruktionsfehler des Euro exakt so zusammen wie wir im Buch. Wörtlich schreibt er:

„Jede Reformüberlegung hat seit Beginn der Währungsunion ihren Ausgangspunkt in deren Konstruktionsfehlern. Die realwirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Eurostaaten sind zu groß; die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit lassen sich nicht mehr durch die Wechselkurse ausgleichen. Theoretisch wäre stattdessen ein Finanzausgleich nötig. Dieser lässt sich aber nicht legitimieren, da die Währungsunion – und das ist theoretisch der zweite Fehler – ohne politische Union konstruiert ist.“

Zum vollständigen Artikel geht es hier:
Wie geht es weiter mit dem Euro

Langsam, sehr langsam scheinen also die Zusammenhänge selbst in den Mainstream-Medien verstanden zu werden. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis daraus auch die richtigen Schlüsse gezogen werden. Diese lauten nämlich in letzter Konsequenz: Entweder der Euro geht unter, oder es werden die Vereinigten Staaten von Europa gegründet. Ich wette auf Ersteres.

Mehr dazu im Kapitel „Reif für die Goldene Zitrone“ in unserem Buch ab Seite 151.

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Gepostet by on Mai 09, 2017 in Allgemein | 4 Kommentare

Inflation und Umlaufgeschwindigkeit werden nicht richtig gemessen

Darüber bin ich mit Professor Schnabl von der Uni Leipzig einig, nachdem wir uns kurz über seinen jüngsten FAZ-Beitrag ausgetauscht haben.

Hier sein Beitrag:

Die Inflation wird nicht richtig gemessen

Und hier unser Austausch darüber:

Raimund Brichta:

Guten Tag, Herr Schnabl,

mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag in der FAZ gelesen, der sich im Prinzip mit Erkenntnissen deckt, die ich in meinem Buch „Die Wahrheit über Geld“ niedergeschrieben habe.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Idee, der herkömmlichen Quantitätsgleichung einfach eine zweite Gleichung an die Seite zu stellen? In dieser würde lediglich Y ausgetauscht durch eine Größe, welche die Summe aller an den Finanz- und Immobilienmärkten umgesetzten Einheiten enthält.

Gunther Schnabl:

Das ist ein interessanter Gedanke. Allerdings könnte es schwierig sein, die im Finanzsektor produzierten Güter- und Dienstleistungen real zu messen. Die hohen Produktivitätsgewinne in den USA nach der Jahrtausendwende waren insbesondere hohen „Produktivitätsgewinnen“ im Finanzsektor geschuldet, die sich als Blase herausstellten.

Alternativ könnte man den Preisindex um Vermögenspreise erweitern oder das Wachstum der Geldbasis am realen Wachstum ausrichten.

Raimund Brichta:

was die Messbarkeit anbelangt, gebe ich Ihnen vollkommen recht. Aber rein gedankenlogisch wäre es m. E. der richtige Ansatz.

Damit ließe sich vermutlich auch ein Teil der rückläufigen Umlaufgeschwindigkeit erklären. Denn der Teil der Transaktionen, der an den Finanzmärkten erfolgt, wird nach herkömmlicher Methode gar nicht gemessen. Das Resultat ist eine sinkende Umlaufgeschwindigeit, die in dieser Hinsicht zur statistischen Restgröße wird.

Gunther Schnabl:

Das ist der Tat so. Theoretisch ist die Umlaufgeschwindigkeit die Restgröße, mit der die Quantitätsgleichung immer erfüllt ist. Allerdings ist das auch banal (wie Sie richtig anmerken), insbesondere dann, wenn die Inflationsmessung auf willkürlichen Annahmen beruht.

Schöne Grüße

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Gepostet by on Mai 05, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Ist die Bundesbank ernst zu nehmen?

In ihrer jüngsten Stellungnahme zum Vollgeld bzw. 100-Prozent-Geld nicht. Warum, schreibe ich in meiner Antwort an Klaus Karwat von der Monetative, der mir die Reaktion der Monetative auf die Bundesbank geschickt hat.

Die Monetative selbst findet den Bundesbank-Kommentar natürlich auch nicht gut. Kein Wunder, denn die Buba wiederum findet das nicht gut, was die Monetative anstrebt. In diesem Fall gebe ich aber der Monetative recht, denn die Bundesbank-Argumentation ist sehr dürftig.

Ob das Vollgeld die Probleme unseres Geldsystem beheben würde, bezweifle ich zwar auch. Aber so leicht wie die Bundesbank sollte man es sich nicht machen. Gerade von einer Institution mit einem Heer an schlauen Geldexperten hätte ich mehr erwartet.

Aber der Reihe nach:

Hier geht’s zum Bundesbank-Kommentar.

Hier die Antwort der Monetative:

Lieber Herr Brichta,

anbei unsere Stellungnahme zum Monatsbericht 4/2017 der Bundesbank, der sich interessanterweise mit dem Thema Banken-Geldschöpfung befasst.

Viele Grüße
Klaus Karwat

Presseerklärung zum Monatsbericht der Bundesbank April 2017

Und hier meine Antwort:

Hallo Herr Karwat,

die Buba-Stellungnahme kommt mir wie eine Nebelkerze vor.

1. Fristentransformation
Selbstverständlich würde diese eingeschränkt, aber genau dies ist ja eines der Ziele des Vollgelds. Schließlich sind durch übermäßige Fristentransformation zahlreiche Probleme entstanden – z. B. die HRE-Pleite. Es müsste nun abgewogen werden, ob die volkswirtschaftlichen Nachteile einer Einschränkung die volkswirtschaftlichen Vorteile überwiegen würden – oder umgekehrt. Genau darum drückt sich die Buba, sondern sie verweist nur platt darauf, dass die Fristentransformation „volkswirtschaftlich wichtig“ sei.

2. Ausweichreaktionen
Ein weiteres zentrales „Argument“ der Buba haben Sie gar nicht erwähnt: So besteht laut Buba die Gefahr, dass es zu Ausweichreaktionen kommt. Wenn einem als Gegenargument für eine Maßnahme nur einfällt, dass der Maßnahme ausgewichen werden könnte, zeugt das nicht gerade von großem Einfallsreichtum. Denn schließlich ruft jede Maßnahme Ausweichreaktionen hervor.

Und wenn man – wie die Buba – die Maßnahme selbst nicht gut findet, wäre das allenfalls ein Gegenargument zur eigenen Argumentation. Aber einer solchen Dialektik ist die Buba vermutlich nicht gewachsen 😉

Herzlicher Gruß
Raimund Brichta

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Gepostet by on April 18, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Anleihe-Shortys auf der Flucht

Die Anleihe-Shortys ziehen sich immer mehr zurück. (Siehe auch meinen Beitrag vom 12. April.) Sie haben sich in den letzten Wochen auch genug blutige Nasen geholt.

Leser unseres Buches sind ohnehin darauf vorbereitet, dass es die nachhaltige Zinswende nach oben, die um die Jahreswende herum ausgerufen worden ist, nicht geben wird. Zumindest nicht, solange das System noch nicht gecrasht ist. Erst nach dem Crash werden Geldvermögens- und Schuldenmengen wieder auf einem Niveau sein, das höhere Zinsen erlaubt.

Aber das versteht tatsächlich nur jemand, der weiß, wie unser Geldsystem funktioniert. Dazu gehören glücklicherweise nur wenige Menschen. Glücklicherweise schreibe ich deshalb, weil man als Wissender einen entscheidenden Wissensvorsprung hat. Nach meiner Erfahrung ist es sogar so, dass die meisten Leute an diesem Wissen gar nicht interessiert sind. Selbst schuld also 😉

Hier ein Beispiel aus der aktuellen Actien-Börse für Shortys auf dem Rückzug:

„Wir planen den Rückzug aus der Short-Position im German Bund.

Die Grundlage hierfür ist die veränderte Haltung der Fed, die voraussichtlich als Lehrbeispiel dafür gilt, wie die Normalisierung der Zinslandschaft funktionieren könnte und dürfte. Dies ergibt sich aus dem jüngsten Protokoll der Fed und ist höchst aufschlussreich und wegweisend. Die EZB-Spitze dürfte diese Politik als Vorbild dafür nehmen, wie man die europäische Zinslandschaft anders steuert als mit Negativzins und Bondkäufen.“ (Quelle: Die Actien-Börse Nr. 15 vom 13.4.2017)

Allerdings reden die geschätzten Kollegen auch hier noch von einer „Normalisierung der Zinslandschaft“. Darunter kann sich jeder etwas anderes vorstellen. Sollte damit gemeint sein, dass die Zinsen wieder in früher gewohnte Höhen vorstoßen, wird dieser Traum vermutlich platzen (siehe oben). Mickerige Zinsen sind die neue Normalität,

meint Ihr
Raimund Brichta

P.S. Zur Klarstellung: Das bedeutet nicht, dass die Zinsen im laufenden Zyklus nicht noch weiter steigen könnten – was sie unter Schwankungen vermutlich auch tun werden. Aber sie werden nach meiner Erwartung eben nicht mehr in jene Höhen steigen, die früher als normal angesehen wurden. Und der laufende Zyklus wird spätestens dann zu Ende sein, wenn die nächste Krise kommt.

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