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Gepostet by on Juni 21, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Geld her für den Euro

Angela Merkel will das Scheckbuch für den Euro zücken. Zusammen mit Emmanuel Macron will sie für einen gemeinsamen Euroraum-Haushalt kämpfen. Der würde dann zu einem guten Teil mit Geld aus Berlin gespeist. Und Merkel sagt auch gleich, wofür sie das Geld hauptsächlich auszugeben gedenkt: für Geldspritzen an Länder in Not und für Investitionen in den ärmeren Euro-Ländern.

Damit trifft sie den Kern des Europroblems. Denn eine Währungsunion zwischen so unterschiedlichen Wirtschaftsräumen hat nur dann eine Überlebenschance, wenn die Schwachen Stütze kriegen von den Starken. Es muss also Geld fließen, solange es die wirtschaftlichen Unterschiede gibt. Sonst fällt der Euro. Das lernt man schon als Ökonomiestudent an der Uni.

Die wenigsten Politiker haben aber Ökonomie studiert. Deshalb sperren sich die ersten von ihnen schon gegen die gemeinsamen Haushaltspläne, wollen aber gleichzeitig den Euro erhalten. Das geht nicht. Man kann den Euro nicht behalten, ohne für ihn zu bezahlen.

Wenn der Euro sprechen könnte, würde er jetzt in Richtung Berlin rufen: Geld her, oder ich fall um. Gebt es ihm, oder lasst ihn fallen,

meint Ihr
Raimund Brichta

Quelle:

https://www.teleboerse.de/kolumnen/Geld-her-fuer-den-Euro-article20491057.html

 

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Gepostet by on Juni 11, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Auch Notenbanken können pleite gehen

Der folgende Dialog zwischen einem guten Bekannten und mir ergab sich aus einem Kommentar im heutigen „Wellenreiter“ des geschätzten Kollegen Robert Rethfeld.

Zuerst das Zitat:

„Die Bank of Japan hält etwa 50 Prozent der japanischen Staatsverschuldung, Tendenz weiter steigend. Im Jahr 2011 lag der Anteil bei 9 Prozent. Man muss kein Prophet sein, um bei einem unverminderten Tempo der Aufkäufe davon ausgehen zu können, dass die Staatsverschuldung Japans mehr und mehr aufs Eis gelegt wird. Forderungen von Gläubigern wird es bald nicht mehr geben. Schulden sind dann effektiv keine Schulden mehr, wenn es niemanden mehr gibt, der sie einfordern könnte. Sie werden lediglich eine Bilanzposition der Bank of Japan sein und nur noch auf dem Papier existieren.

Bei gleichbleibendem Tempo wird Japan seine Staatsverschuldung bis zur zweiten Hälfte der 2020er Jahre komplett abgebaut haben. Der JGB-Markt wird m öffentlichen Handel keine Rolle mehr spielen. De facto wird Japan schuldenfrei sein. Bitte gewöhnen Sie sich an diesen Gedanken. Diese Lösung dürfte einen Vorbildcharakter für die EZB haben, die spätestens in der nächsten Krise die Anleihekäufe wieder aufnehmen wird, sollte sie sie tatsächlich zum September einstellen.“ (Quelle: Wellenreiter-Frühausgabe vom 11.06.2018, Seite 3)

Martin:
Hallo Raimund, wird es in der Realität tatsächlich so einfach sein?

Das hieße, dass Volkswirtschaftler und auch alle „Österreicher“ komplett daneben liegen würden.

Ferner wäre der Beweis angetreten, dass ausufernde „Schuldenmacherei“ sogar gut und erfolgreich, sparen hingegen etwas für Idioten ist.

Und nicht zuletzt: die Marktteilnehmer besäßen kein Interesse daran, so ein Verhalten zu strafen, bzw. regulatorisch einzugreifen.

Ist es so einfach…was meinst Du?

Raimund:
In der Endphase wird es vermutlich so oder so ähnlich laufen. Dies wird dann aber dazu führen, dass das Vertrauen in die Notenbanken endgültig schwindet und diese pleite gehen. Also Währungsreform o.ä.

Martin:
Notenbanken können ja nur bilanztechnisch Pleite gehen, ansonsten kann z.B. die EZB negatives Eigenkapital fahren wie sie will, den Unterschied merkt nach außen eh niemand.

Doch wann schwindet das Vertrauen wirklich?

Eigentlich dürfte es bereits jetzt nicht mehr vorhanden sein, dass sich ja abzeichnet was läuft.

Doch das reicht wohl noch nicht aus, also wann dann?

Kollabiert der Yen tatsächlich wenn die BOJ 75 oder 90 oder gar 100 % der Staatsschuld aufgekauft hat?

Raimund:
Wie es läuft, habe ich doch schon in unserem Buch beschrieben.

Notenbanken können auf zwei Arten pleite gehen:

1. Gegenüber dem Ausland, wenn die Forderungen der Ausländer nicht mehr mit harten Assets bedient werden können (die eigene Währung nützt dann nix). Der isländischen Notenbank zum Beispiel hat eine solche Pleite in der Finanzkrise gedroht.

2. Aber auch gegenüber den Inländern, wenn das Vertrauen in die eigene Währung schwindet (z. B. Währungsreform 1948, die sich am Mittwoch nächster Woche zum 70. Mal jährt). Diese Art der Pleite wird nur anders genannt.

Die Finanzmärkte dürften in beiden Fällen schon im Vorfeld damit beginnen, gegen die betreffenden Notenbanken zu spekulieren, was derzeit für viele noch undenkbar ist („spekuliere niemals gegen die Zentralbank“).

Aber bis es soweit ist, wird es noch einige Jahre dauern. Ich persönlich rechne frühestens Ende des nächsten Jahrzehnts damit.

Martin:
Es erscheint mir doch weniger eine Frage der Zeit zu sein, als eine Frage der Erosion.

Denn sonst könnten ja tatsächlich alle Schulden eines Währungsraums durch die zuständige Notenbank zurückgekauft werden ohne Konsequenzen zu fürchten, weil es noch nicht an der Zeit ist…

Raimund:
Wo siehst Du da einen Widerspruch? Eine Erosion braucht immer Zeit, sonst wäre es ja keine Erosion 😉

Die beschriebenen Prozesse werden mit Sicherheit nicht von heute auf morgen – also schlagartig – passieren. In der Zwischenzeit kann sogar vorübergehend die Richtung gewechselt werden, wie derzeit schon in den USA zu beobachten (und demnächst möglicherweise sogar in Europa). Spätestens in der nächsten großen Krise aber werden die Netto-Käufe von Staatsanleihen zurückkehren und vermutlich das Ausmaß der letzten Käufe weit übertreffen.

Oder glaubst Du – wie Ex-Mrs. Moneymaker Yellen – daran, dass es zu unseren Lebzeiten keine solche Krise mehr geben wird?

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Gepostet by on Januar 24, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Hans Christoph Binswanger ist tot

Wir trauern um einen herausragenden Ökonomen, der ganz wesentlich zum Gelingen der „Wahrheit über Geld“ beigetragen hat. Professor Hans Christoph Binswanger hat unser Buch inhaltlich komplett lektoriert und uns viele wertvolle Hinweise und Tipps gegeben. Wir schätzen uns glücklich, einen solch kompetenten Lektor gehabt zu haben.

Jetzt ist Professor Binswanger im Alter von 88 Jahren gestorben. Hier geht es zu einem Nachruf in der Neuen Zürcher Zeitung.

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Gepostet by on Dezember 11, 2017 in Allgemein | 6 Kommentare

Bargeldverbot beim Finanzamt vor Gericht

Am 12. Dezember war es so weit: Meine Klage gegen das Bargeldverbot beim Finanzamt wurde vorm Hessischen Finanzgericht in Kassel verhandelt. Ich gab mich natürlich keinen Illusionen hin und rechnete damit, dass die Klage abgeschmettert wird. Und genauso geschah es dann auch. Interessant wird aber sein, mit welchen Begründungen die Rechtsausleger versuchen werden, sich herauszuwinden. Die Urteilsbegründung folgt nämlich erst im Januar.

Die Ausgangslage war klar: Die Abgabenordnung – das ist eine Art Steuergrundgesetz – sieht vor, dass das Finanzamt eine Bank oder Sparkasse zu ermächtigen hat, für die Finanzkasse Bargeld gegen Quittung anzunehmen. Dies sollte auch der Regelfall sein, wie das Finanzgericht Münster festgestellt hat (Az. 7 V 2897/15 AO).

So weit die Theorie. Die Praxis sieht leider anders aus: Meine Sparkasse weigert sich genauso wie andere, die Ermächtigung des Finanzamts umzusetzen. Es handele sich dabei nämlich nur um eine „einseitige Willenserkärung“, an die man sich nicht gebunden fühle. Was aber ist eine „Ermächtigung“ wert, an die sich der Ermächtigte nicht hält? Nichts!

Ob es sich mein Richter, der übrigens auch der Präsident des Hessischen Finanzgerichts ist, in der Begründung so einfach machen wird wie seine Kollegen vom Finanzgericht Münster? Diese hatten unter dem genannten Aktenzeichen nämlich beschlossen, dass das Finanzamt die Ermächtigung zwar im Regelfall zu erteilen hat, dass es damit aber aus der Verantwortung sei. Im Klartext: Es kann nichts dafür, wenn die Ermächtigung nicht befolgt wird. Dass damit aber die gesamte Ermächtigungsregelung ad absurdum geführt wird, scheint den Rechtsauslegern egal zu sein.

Denn wenn ein Finanzamt eine Vollmacht erteilt, steht es in der Amtspflicht, dafür zu sorgen, dass der Bevollmächtigte die Vollmacht auch ordnungsgemäß umsetzt.

Ein Beispiel: Wenn die Polizei als Behörde einen Schülerlotsen zu seiner Lotsentätigkeit ermächtigt, muss sie Sorge dafür tragen, dass der Lotse zum einen die Verkehrsregeln kennt, dass er insbesondere die Bedeutung einer roten Ampel von einer grünen unterscheiden kann und dass er sich zum anderen entsprechend verhält. Nehmen wir an, der Lotse sagt, „mir ist es egal, ob die Ampel rot oder grün zeigt, ich richte mich nicht danach“, hätte die Polizei als Vollmachtgeber ein Problem. Sie müsste sofort einschreiten, sobald es nur die leisesten Zweifel daran gibt, dass der Lotse die Vollmacht nicht zuverlässig ausführt.

Sie hat entweder dafür zu sorgen, dass der Lotse sein Verhalten ändert, oder sie muss den Lotsen austauschen. Sie kann sich nicht darauf zurückziehen, nach der Vollmachtserteilung nichts mehr damit zu tun zu haben, ob die Vollmacht ordnungsgemäß umgesetzt wird. Genauso ist es mit der Vollmacht, die das Finanzamt einem Kreditinstitut erteilt.

Jetzt warten wir aber erst mal die Urteilsbegründung des FG Hessen ab. Vielleicht erkennt das Gericht zwar die Vollmacht an, die mein Finanzamt (erst im Laufe des Verfahrens) an die Sparkasse erteilt hat, fordert das Finanzsamt gleichzeitig aber unmissverständlich auf, im Rahmen seiner Amtspflicht dafür zu sorgen, dass der Bevollmächtigte rechtskonform handelt und meine Bargeldzahlung fürs Finanzamt annimmt.

Das wäre genau in meinem Sinne, und dann wäre die Niederlage in Wahrheit sogar ein Sieg. Unwahrscheinlich, zugegeben, aber man wird ja noch träumen dürfen 😉 Stay tuned!

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Gepostet by on Oktober 01, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Zins bleibt im Abwärtstrend

Warum der Zins noch auf Jahre, möglicherweise sogar Jahrzehnte, im Abwärtstrend bleiben dürfte, haben wir in der „Wahrheit über Geld“ fundamental begründet. Damit unterscheiden wir uns deutlich vom Mainstream, der in den vergangenen Jahren bei jedem unteren Zins-Wendepunkt stets die „Zinswende“ nach oben ausruft.

Umso bemerkenswerter ist es, dass der von uns sehr geschätzte Chartexperte Wieland Staud nun ebenfalls Zweifel an der Zinswende bekommt und aus charttechnischer Sicht das untermauert, was ich seit Jahren fundamental begründe: Der Zins bleibt vermutlich noch sehr lange in seinem langfristigen Abwärtstrend.

Staud hat dazu in der FAZ einen interessanten Kommentar veröffentlicht, zu dem ich hiermit verlinke:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/geldanlage-renditen-beim-bund-future-bereiten-kummer-15222856.html

 

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