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Gepostet by on April 28, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Und sie dreht sich doch …

Es hat lange gedauert, bis sich Galileis Erkenntnis durchsetzte, dass die Erde keine Scheibe ist und dass sie sich um die Sonne dreht. Beim Geld dauert es ebenfalls lange, bis die Leute kapieren, dass die Banken bei einer Kreditvergabe nicht etwa vorhandenes Geld weiterverleihen, sondern neues Geld schöpfen.

Selbst Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain scheint es nicht zu kapieren. Oder er will uns für dumm verkaufen. Sehen Sie selbst:

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Wie jemand eine Bank gescheit führen will, wenn er nicht einmal die Grundlagen versteht (oder diese verleugnet), auf denen sein Geschäft basiert, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls kommen selbst Mainstream-Wissenschaftler inzwischen Leuten wie Jain auf die Schliche. Wir haben in unserem Buch bereits gezeigt, wie es funktioniert. Und auch Wissenschaftler scheinen es gelesen zu haben. Jedenfalls widmet das Handelsblatt diesem Thema jetzt eine ganze Seite:

Geldschöpfung im Handelsblatt

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Gepostet by on Oktober 05, 2014 in Allgemein | 5 Kommentare

Geld aus Vermögen statt aus Schulden?

Folgender Artikel ist ein „Must-Read“ für jeden, der sich für die Zukunft des Geldes interessiert.

Er stammt von Thomas Mayer, der von Anshu Jain einst als Chefvolkswirt der Deutschen Bank geschasst wurde, weil er zu „fundamental“ und zu wenig „am Markt“ orientiert sei. Leute wie ich schätzen Thomas Mayer dagegen genau wegen dieser Eigenschaft. Nur wer die Fundamente analysiert, weiß, wie sicher das darüber liegende Gebäude steht.

Es wundert mich deshalb nicht, dass Mayer zum gleichen Ergebnis kommt wie wir in unserem Buch: Die herrschende Geldordnung steuert unausweichlich auf den nächsten Zusammenbruch zu.

Und auch Mayers Forderung, endlich eine breite Diskussion über eine neue Ordnung unseres Geldwesens zu beginnen, deckt sich eins zu eins mit der Forderung, die in unserem Buch auf S. 222 nachzulesen ist.

Mayer liefert auch einen Denkansatz, der als Beitrag zu einer solchen Diskussion zu verstehen ist: Lieber ein Geld, das aus Vermögenswerten besteht, als ein Geld, das aus Schulden besteht, wie das zurzeit der Fall ist.

Welche Chancen auf Realisierung eine solche Idee hätte, sei einmal dahingestellt. Aber nur mit Beiträgen wie diesem kann die gewünschte breite Diskussion zustande kommen.

Leider zeigt gerade Mayers Beispiel, dass wir von einer solchen Diskussion noch weit entfernt sind. Denn wer sich daran beteiligt, ist entweder schon nicht mehr im Amt, oder er ist auf bestem Wege, aus einem solchen entfernt zu werden.

Wer in Politik und Wirtschaft tatsächlich etwas zu sagen hat, ist nicht daran interessiert, dass sich am bestehenden System fundamental etwas ändert. Freigeister sind nicht erwünscht.

Wir zitieren nun aus der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

SONNTAG, 05. OKTOBER 2014
GELD & MEHR

Wir brauchen ein neues Geldsystem!

Die Menschen machen sich oft wenig Gedanken darüber, was Geld eigentlich ist. Dabei hängen viele Probleme unserer Wirtschaft mit dem Geldsystem zusammen.

Von Thomas Mayer

Ob wir es wollen oder nicht: Geld spielt in unser aller Leben eine herausragende Rolle. Haben wir als Kinder die ersten Rechenfertigkeiten erlernt, dann dauert es nicht lange, bis wir diese auf Geld anwenden. Und manch einer verwendet noch seine letzten klaren Gedanken darauf, wer das Geld, das er zu Lebzeiten angesammelt hat, nach seinem Tod bekommen soll. Entsprechend seiner Bedeutung für unser Leben haben sich die meisten Sozialwissenschaften mit Geld befasst.

In den Wirtschaftswissenschaften nimmt die Geldtheorie und -politik einen prominenten Platz ein. Man sollte daher meinen, wir wüssten, was Geld ist. Doch das ist, so unglaublich es klingt, nicht der Fall. Es gibt zwei sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, was Geld eigentlich darstellt. Für die einen ist Geld eine besondere Ware, die durch gesellschaftliche Konvention zu einem Mittel für den Tausch wirtschaftlicher Güter geworden ist. Für die anderen ist Geld nur ein Maß für die Schuld, in der wir Mitmenschen gegenüber stehen, die uns ein wirtschaftliches Gut überlassen haben.

Ordnung bringt Walter Eucken in die Debatte. Unabhängig von ihrer konkreten historischen Ausgestaltung unterscheidet er drei reine Geldsysteme, sozusagen Bausteine historisch vorhandener Geldordnungen. Im ersten System entsteht Geld dadurch, dass eine Ware zu Geld wird. Dies entspricht der oben erwähnten Idee von Geld als Tauschmittel. Die Palette der Sachgüter, die als Geld dienen, reicht von Edelmetallen über Getreide zu Muscheln. Warengeld kann im Monopol (von einem Herrscher) oder in Konkurrenz (von Städten oder anderen Körperschaften oder sogar Privatpersonen, wie etwa von Münzmeistern im fränkischen Reich des 6. Jahrhunderts) erzeugt werden.

Im zweiten System entsteht Geld bei Lieferung einer Ware oder Leistung einer Arbeit als Schuldschein. Beispiel hierfür ist die Ausgabe staatlicher Schuldscheine gegen Warenlieferungen von Babylonien im 3. und 2. vorchristlichen Jahrhundert bis hin zum Deutschland des 18. Jahrhunderts.

Im dritten System schafft der Kreditgeber schließlich Geld, das bei der Rückzahlung des Kredits wieder vernichtet wird. Diese Art der Schaffung von Kreditgeld wird von Zentralbanken betrieben, wenn sie zum Beispiel Staatsanleihen in Offenmarktgeschäften kaufen, aber auch von Privatbanken, wenn sie Kredit gewähren und die Kreditsumme dem Schuldner auf seinem Konto gutschreiben.

Zum noch besseren Verständnis des Charakters von Geld können wir Euckens Klassifizierung der Geldsysteme einen Schritt weiter vereinfachen und zwischen Geld als „Aktivum“ und „Passivum“ unterscheiden. Hat Geld den Charakter einer Ware, stellt es in der Bilanz der geldschaffenden Institution einen Aktivposten dar. Eine Goldmine wird das geschürfte Gold in ihrer Bilanz auf der Aktivseite und die für die Produktion aufgewendeten Finanzmittel auf der Passivseite aufführen. Schuld- oder Kreditgeld, auch das wie Eigenkapital auftretende Geld der Zentralbanken stehen jedoch als Passivposten in der Bilanz der geldschaffenden Institutionen. Sie sind Finanzinstrumente. Dies gilt für Banknoten, die mit Forderungen an den Staat oder an andere Schuldner oder überhaupt nicht gedeckt sind, ebenso wie für das durch die Vergabe von Kredit durch die Banken geschaffene Giralgeld.

Aktivgeld entsteht durch gesellschaftliche Konvention als Teil der spontanen Ordnung, die ohne staatliche Macht auskommt. Aktivgeld ist mit dem Vertrauen der Nutzer ausgestattet, dass es von anderen Nutzern als Tauschmittel akzeptiert wird. Passivgeld ist dagegen ein Finanzinstrument, das den Charakter eines Schuld- oder Eigenkapitaltitels annehmen kann. Der Staat kann Passivgeld direkt ausgeben, um sich zu finanzieren. In diesem Fall handelt es sich um eine eigenkapitalähnliche Verbindlichkeit wie die Aktie eines Unternehmens, das damit sein Anlagevermögen finanziert. Der Staat kann aber auch private Banken dazu beauftragen, Passivgeld in Form von Kreditgeld zu schaffen. Dann handelt es sich um privates Schuldgeld.

In der Geschichte unserer Kultur stehen der liberale englische Philosoph John Locke für die Konzeption von Geld als „Aktivum“ und der Glücksspieler, Geldtheoretiker und Geldpolitiker John Law für die Konzeption als „Passivum“.

Die Entscheidung für die eine oder andere Konzeption hat weitreichende Folgen nicht nur für die Geldordnung, sondern auch für unsere Wirtschaftsordnung und unser politisches System. Entscheiden wir uns für Geld als Finanztitel, so ergibt sich daraus eine Geldordnung, in welcher der Staat eine tragende Rolle als Emittent, Lizenzgeber für private Emittenten, Rückversicherer für private Emittenten in Liquiditäts- und Solvenzkrisen und aktiver Manager des Geldangebots spielt. Die übermächtige Stellung des Staats im Geldwesen führt zu einer entsprechenden Vormachtstellung in der Wirtschaft und im Gemeinwesen.

Die Möglichkeit, Schuld mit Geld aus dem Nichts zu finanzieren, lädt zu privater und öffentlicher Verschuldung ein. Hohe Verschuldung wird durch Knappheit von Geld gefährlich.

Daher tendiert diese Geldordnung zur Ausweitung des Geldangebots und Monetisierung der Schuld durch die staatliche Zentralbank. Monetisierung ist wie ein „debt-equity-swap“ (Tausch von Schulden in Aktien): Ausstehende Schuld wird in Geld mit eigenkapitalähnlichem Charakter verwandelt. Daraus entsteht Inflation. Eine Entwertung des Geldes kommt einer Erleichterung der Schuldenlast gleich. Je höher die öffentliche und private Verschuldung ist, desto größer ist der politische Druck für eine solche Erleichterung.

Das Dilemma der Passivgeldordnung ist, dass die Verringerung der Schuldenlast durch Geldentwertung das Vertrauen in das Passivgeld schwinden lässt. Die Zentralbanken als staatlich beauftragte Verwalter des Passivgelds wandern daher einen Grat entlang, auf dessen einer Seite der Abgrund der Schuldendeflation und auf dessen anderer Seite der Absturz in den Verlust des Vertrauens in das von ihnen emittierte Passivgeld droht.

Damit diese Gratwanderung gelingt, brauchen die Zentralbanken die Unterstützung ihrer Staaten, die in zunehmendem Maß die Wirtschaft kontrollieren und steuern.

Die staatliche Passivgeldordnung stellt ein besonderes Problem für die Europäische Währungsunion dar. Da der für diese Geldordnung notwendige Staat in der Europäischen Währungsunion (EWU) nicht vorhanden ist, muss er durch einen Schattenstaat in Form von zwischenstaatlichen Abkommen ersetzt werden. Dieser Schattenstaat ist aufgrund seiner fehlenden demokratischen Legimitation unbeständig und kann daher kein verlässlicher Partner für die zur staatlichen Zentralbank gewordene EZB sein.

Durch die Garantie aller staatlichen Schuld durch die EZB ist die Schuldentragfähigkeit der EWU-Mitgliedsländer weit über die bestehende Schuldenlast angehoben und der bevorstehende Zusammenbruch der Europäischen Währungsunion zunächst abgewendet worden. Aber eine staatliche Zentralbank ohne Staat ist nicht in der Lage, Passivgeld auf Dauer stabil zu halten.

Letztendlich wird die EZB zur Beute der Einzelstaaten, in deren Auftrag sie den Geldwert sichern soll. Die ökonomische Theorie der Tragödie der Allmende liefert die Blaupause für die Tragödie des Euro, worauf Philipp Bagus hingewiesen hat. Deshalb stimme ich Jesús Huerta de Soto zu, dass der Euro nur als Aktivgeld erhalten werden kann.

Entscheiden wir uns für Geld als Aktivgeld, so ist staatliche Rückendeckung unnötig und das Geldangebot unflexibel. Da Geld nicht mit dem Ziel vermehrt werden kann, Schulden tragfähig zu machen, sind der Verschuldung enge Grenzen gesetzt. Wer die Zahlungsunfähigkeit vermeiden will, kann nur Schulden aufnehmen, die er aus seinem laufenden Einkommen bedienen kann. Dies gilt sowohl für staatliche als auch für private Schuldner.

Wenn aber die Verschuldung niedrig ist, dann ist auch das Risiko der Schuldendeflation gering und eine Erhöhung der Kaufkraft des Geldes, also Deflation der Konsumentenpreise, keine Bedrohung für das gesamte Geldsystem. Wir haben Geld, das nicht zur Finanzierung von Verbindlichkeiten geschaffen wird, Aktivgeld genannt. Aktivgeld ist idealerweise das Ergebnis gesellschaftlicher Übereinkünfte und die Aktivgeldordnung Teil der spontanen Ordnung, die sich mündige Bürger geben. In früheren Jahrhunderten gab es Aktivgeld in Form von Gold und Silber. Heute könnte virtuelles Aktivgeld im Wettbewerb von privaten und öffentlichen Zentralbanken herausgegeben werden. Geschäftsbanken könnten dieses Geld nicht schöpfen, sondern würden es nur verwahren.

Da Aktivgeld staatsfern ist, wäre es besonders als Gemeinschaftsgeld in einer Europäischen Union weiterhin weitgehend souveräner Nationalstaaten geeignet. Auf Europa angewendet heißt dies, dass nationale Währungen mit staatlichen und privaten supranationalen Gemeinschaftswährungen konkurrieren könnten. Um den Währungswettbewerb in Gang zu setzen, müssten Staaten den Bürgern freistellen, in welcher Währung sie ihre Steuern bezahlen und Transfers empfangen wollen. Banken wären verpflichtet, Sichtguthaben in der jeweiligen Währung mit Reserven beim jeweiligen Emittenten zu decken und alle anderen Finanzierungsinstrumente in einer festgelegten Rangfolge an Verlusten zu beteiligen.

Eine neue Aktivgeldordnung könnte sich schrittweise aus der bestehenden Passivgeldordnung entwickeln, wenn Banken zunächst als Alternative zu Finanzinstrumenten mit Verlustbeteiligung eine sichere Einlage anböten, die durch Reserven bei der Zentralbank vollständig gedeckt ist.

Ebenso könnte im Euroraum schrittweise Währungswettbewerb entstehen, wenn einzelne Staaten oder Staatengruppen ihre nationalen Zentralbanken anwiesen, eigene Währungen als Alternativen zum Euro anzubieten, und diese als Zahlungsmittel akzeptierten. Private Anbieter von Internetwährungen könnten das Angebot ergänzen.

Doch dürfte der politische Wille, am Passivgeldsystem im Allgemeinen und an der Einheitswährung im Euroraum im Besonderen festzuhalten, einem kontinuierlichen Übergang zu einer Aktivgeldordnung und einem Währungswettbewerb im Euroraum entgegenstehen. Genährt wird dieser politische Wille von den Interessengruppen, die vom Passivgeldsystem und von der Einheitswährung profitieren. Dies sind in erster Linie die privaten und öffentlichen Schuldner. In den angelsächsischen Ländern haben die Schuldner die Mehrheit der Wählerstimmen; im Euroraum haben die Schuldnerländer die Mehrheit der Stimmen in den europäischen Gremien.

Angesichts des politischen Widerstands gegen eine Aktivgeldordnung dürfte unsere Passivgeldordnung in der Zukunft um Instrumente der finanziellen Repression und staatlichen Umverteilung ergänzt werden.

Wenn die unterdrückte Inflation nicht offen ausbricht und die Passivgeldordnung wegfegt wie John Laws Passivgeldsystem in Frankreich im frühen 18. Jahrhundert, dann steht am Ende dieser Entwicklung Schumpeters bürokratischer Sozialismus.

Doch müsste letztendlich die Demokratie abgeschafft werden, um den aufkommenden Widerstand gegen diese Wirtschaftsform wegen der durch sie verursachten Wachstums- und Beschäftigungsverluste zu unterdrücken.

Wenn diese Verluste sichtbar werden, wäre die Chance wohl am größten, unsere Passivgeldordnung durch eine Aktivgeldordnung in Europa zu ersetzen. Diese Geldordnung stünde im Einklang mit den von John Locke aufgestellten Prinzipien einer liberalen Staatsordnung und dem politischen Modell eines konföderalen Europas in Form eines Staatenverbunds.

Ich habe versucht zu zeigen, dass dies im Rahmen einer Evolution unseres bestehenden Systems möglich ist. Ob wir diesen Weg gehen oder uns gegen Veränderungen so lange sperren, bis unsere Geldordnung in einer großen Geldkrise zusammenbricht, wird davon abhängen, ob wir die Scheuklappen ablegen und endlich eine breite Diskussion über eine neue Ordnung unseres Geldwesens beginnen.

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute und Senior Fellow am Center for Financial Studies der Universität Frankfurt. Für die F.A.S. schreibt er wöchentlich die Kolumne „Mayers Weltwirtschaft“.

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Gepostet by on Oktober 06, 2013 in Allgemein | 27 Kommentare

Der Euro wird auseinanderbrechen

Raimund Brichta im Interview„Der Euro wird auseinanderbrechen“

Seit Jahren wird – auch bei n-tv – über die Finanzkrise geredet. Doch wer versteht noch wirklich, worum es geht? Um Abhilfe zu schaffe, verrät Telebörse-Moderator Raimund Brichta in seinem neuen Buch nicht nur die „Wahrheit über Geld“, sondern erklärt ausführlich wie Geld überhaupt entsteht. Im Interview verrät er auch, wie man sein Geld vor einem Währungscrash schützen kann. 

n-tv.de: Herr Brichta, in Ihrem neuen Buch „Die Wahrheit über Geld“, das Sie gemeinsam mit dem Wirtschaftsjournalisten Anton Voglmaier geschrieben haben, steht im Klappentext ein Lob von Rainer Brüderle. Kommt da das Ergebnis der Bundestagswahl etwas ungelegen?

Raimund Brichta: Wir haben ihn ja mit Absicht nur mit der FDP genannt, keine Bezeichnung dahinter, warum sollte das jetzt ungelegen kommen? Wahlverlierer gibt es immer. Das Buch ist für Linke und Rechte, der Kabarettist HG Butzko, der auch im Klappentext steht, ist etwa ein Linker. Das Thema hat ja ein weites Spektrum, das hat nichts mit politischen Richtungen zu tun, auch wenn Herr Brüderle es gelesen hat und gut findet. Das kann man auch als Linker gut finden.

Herr Brüderle sollte ja eigentlich auch als Laudator zur Buchvorstellung nach Berlin kommen.

Ja, Herr Brüderle hat leider abgesagt, er hatte die Sorge, dass die Journalisten nur nach der FDP fragen. Die Gefahr wäre sicherlich da gewesen. Auf der andere Seite hat er die Zusage nun einmal gegeben – unter dem Vorbehalt möglicher Koalitionsverhandlungen. Aber die gibt es ja jetzt nicht. Aber gut, es war trotzdem eine schöne Buchpräsentation.

Kommen wir zu Ihrem Buch: „Die Wahrheit über Geld.“ Warum fällt es den Menschen so schwer, über das Wesen des Geldes nachzudenken? Wir benutzen es doch jeden Tag.

Das ist ja das Interessante und Spannende. Wir benutzen es jeden Tag, aber die wenigsten machen sich Gedanken darüber, wo es herkommt. Oder denken: Es ist einfach schon da. Wenn ich es vom Arbeitgeber kriege, hat er es und überweist es mir. Nehme ich einen Kredit auf, hat es die Bank und überweist es mir auch. Ich habe oft den Eindruck, dass die meisten Leute in Sachen Geld auf dem Stand des Klapperstorches sind. Aber das ist auch verständlich, weil viele es erstens nicht besser wissen, und zweitens nicht glauben, es zu brauchen. Aber wenn man verstehen will, was Geld bewirkt und wenn man n-tv.de und telebörse.de liest und n-tv im Fernsehen schaut und das ganze Gerede über Eurokrise, Schuldenkrise, Finanzkrise und so weiter verstehen will, braucht man das Rüstzeug, das in diesem Buch steckt.

Im Interview mit n-tv haben Sie gesagt „Wir werden über die Herkunft des Geldes im Unklaren gelassen, teilweise vielleicht auch mit Absicht um die Stabilität zu wahren.“ Ist es nicht eher so, dass sich die Mehrheit der Menschen nicht dafür interessiert und einfach nur zum Geldautomaten geht?

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Das kann ich nicht beurteilen, ob sie sich nicht dafür interessieren. Ich meine, wir werden im Unklaren gelassen und zwar aus folgendem Grund: Wenn alle wüssten, dass das Geld, das sie bei der Bank haben, nur zu weniger als zehn Prozent tatsächlich mit Zentralbankgeld unterlegt ist, könnte das destabilisierend wirken. Ein Dreivierteljahr nach der Lehman-Pleite wurde beispielsweise in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ veröffentlicht, dass tatsächlich Kunden schon Geld aus den Banken abgezogen haben. Die Bundesbank hat erst im Nachhinein Zahlen dazu veröffentlicht, acht Monate später, als alles vorbei war. Da konnte man sehen, dass in der Zeit der Lehman-Pleite die Bargeldabhebungen rasant gestiegen sind. Vor allen Dingen wurden viele 500-Euro-Scheine abgehoben. Das ist zwar nur ein Aspekt, aber ein wichtiger für die Stabilität. Deshalb meinen auch viele Politiker oft, dass es gut ist, dass die Leute nicht über Geld Bescheid wissen.

Außerdem ist das Thema Geld sehr kompliziert und wird häufig noch komplizierter gemacht. Selbst Banker wissen oft nicht, wie alles zusammenhängt. Der Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat kürzlich in einem Interview, das im Internet noch zu sehen ist, auf die Frage, ob die Deutsche Bank Geld macht, geantwortet: Nein. Die Deutsche Bank nehme Einlagen ein und vergebe auf der anderen Seite Kredite. Ob er es besser weiß, weiß ich nicht. Aber er sagt es zumindest nicht. Aber wenn er es wirklich nicht besser weiß, dann weiß er auch nicht, wie Geld entsteht. Denn auch durch seine Kreditvergabe entsteht ja Geld. Unser Ziel war, möglichst einfach und für jeden verständlich zu erklären: So und so funktioniert es. Es ist ein Aufklärungsbuch.

Nicht unbedingt die Kehrseite, aber die zweite Seite von Geld sind Schulden. Sie schreiben in Ihrem Buch: „Schulden, und damit auch Staatsschulden sind eine Voraussetzung für Vermögen.“ Jetzt gab es in Europa immer wieder Überlegungen, wie man der Schuldenkrise beikommen könnte. Was halten Sie von Ansätzen, etwa den Ländern der südlichen Euro-Peripherie die Schulden zu erlassen? Zum Beispiel ein Ablassjahr einzuführen, wie es etwa der Anthropologe und Vordenker der Occupy-Bewegung David Graeber vorschlägt?

Da Geld und Schulden auf Dauer nachhaltig wachsen – und zwar exponentiell – geht es gar nicht anders, als dass beide Seiten irgendwann gestrichen werden müssen, auf welchem Weg auch immer. Der Schuldenerlass ist eine Möglichkeit. Da werden auf der einen Seite Schulden erlassen, aber auf der anderen Seite auch Geldvermögen vernichtet. Das ist Griechenland ja passiert. Das war ein – halbfreiwilliger – Schuldenerlass und die Gläubiger mussten verzichten. Und nicht anders werden Schulden im großen Stile, vor allem auch Staatsschulden, abgebaut. Anders geht es nicht.

Graeber denkt aber nicht nur an einen Teilerlass, er will ein Ablassjahr wie in der Bibel einführen.

Dann würden praktisch also jegliche Schulden getilgt? Der jüdische Glaube sieht so etwas auch vor und zwar alle 7×7 Jahre ein vollkommener Schuldenerlass. Das ist ja heutzutage nicht machbar. Wenn jeder das wüsste, könnte er sich ein Jahr vorher schön Schulden aufhalsen, wenn er weiß, dass sie nächstes Jahr wieder weg sind. Da sprechen Eigentumsrechte und die Frage der Durchführbarkeit dagegen. Aber tatsächlich ist es nötig, man will es aber nicht auf einer freiwilligen Basis machen, weil es dann rechtliche und organisatorische Probleme gibt. Deshalb versucht man die Schulden so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, um dann zwangsweise Pleiten durchzuführen. Der Endeffekt ist aber der Gleiche.

In Ihrem Buch stellen Sie fest, die Schuldenbremse funktioniert nicht, der öffentlichen Hand bleibe auf lange Sicht nichts anderes übrig, als sogar immer mehr Schulden zu machen. Dennoch würden die Schulden nicht das Wirtschaftswachstum ankurbeln – das sollte doch aber eigentlich das Ziel staatlicher Schulden sein, oder?

Das Buch ist Börsenbuchverlag erschienen, hat 314 Seiten und kostet 24,90 Euro. Das Buch ist Börsenbuchverlag erschienen, hat 314 Seiten und kostet 24,90 Euro.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Das Geldsystem funktioniert von sich aus, wie es funktioniert. Und das erfordert eine ständige Steigerung der Schulden und des Geldes. Dann muss sozusagen die Wirtschaft wachsen, um dem Geldsystem einen plausiblen Rahmen zu geben. Wenn wir in der Frühphase einer Wirtschaft sind, wie etwa Deutschland nach dem Zweitem Weltkrieg, sind die Faktoren, die da wirken, die gleichen. Das macht aber keine Probleme, weil die Wirtschaft entsprechend mitwächst. Nur kommen wir irgendwann zu einer Sättigung des Wirtschaftswachstums, wie jetzt überall in den westlichen Ländern. Es gibt dann zwar noch Wachstum, aber man erreicht nicht mehr die Raten, wie beispielsweise jetzt in China. Aber die Geldmenge muss trotzdem weiter wachsen und das ist dann das Problem. Die wirtschaftliche Entwicklung und die Geldentwicklung driften auseinander und es entstehen Blasen.

Damit wären wir dann wieder am Anfang…

Genau. Dann gibt es kleine Korrekturen, wie jetzt die Finanzkrise, aber die haben am Geldmengenwachstum nichts geändert, sondern es noch befeuert, weil die Notenbanken jetzt eingesprungen sind.

Sie beschäftigen sich aber nicht nur mit der globalen Schuldenkrise, sondern auch mit der Euro-Krise. Sie schreiben: „Der Euro ist am Ende. Eine Euro-Austritt wird Ländern wie Griechenland Abwertungen ermöglichen, die die griechische Wirtschaft braucht, um wettbewerbsfähig zu werden.“ Aber was passiert dann mit den Schulden?

Erst einmal: Schuldenabbau durch Währungsabwertung ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die Abwertungen haben also nichts mit einem Schuldenabbau zu tun, sondern nur etwas mit der griechischen Wettbewerbsfähigkeit, also mit der Wirtschaftsentwicklung im Land. Der Schuldenabbau ist etwas ganz anderes. Wie ich auch im Buch geschrieben habe, macht ein alleiniger Austritt Griechenlands aus dem Euro ohne einen gleichzeitigen Schuldenschnitt, oder einen Staatsbankrott keinen Sinn. Der Schuldenstand muss deutlich runter. Nur die Drachme einführen und die hohen Schulden in Euro behalten, wo die Drachme doch abwertet, funktioniert nicht. Dann werden die Schulden immens! Das ist ganz wichtig.

Sie schreiben, dass das Konstrukt Euro auseinanderbrechen wird. Wann, lasse sich nicht prognostizieren, nur dass es passieren werde, sei so gut wie sicher, heißt es da. Gleichzeitig könnte es danach mit einer politischen Union zu einem neuen Anlauf für den Euro kommen und vielleicht einen Euro II geben. Könnte die politische Union aber nicht vorher zustande kommen und den Euro wieder auf die richtige Spur bringen?

Da müsste es aber rasch gehen! Sobald wir die Vereinigten Staaten von Europa sind, macht der Euro Sinn. Wenn man das noch schafft, bevor er auseinanderbricht, ja, selbstverständlich. Das ist aber auch eine politische Frage, die kann ich nicht entscheiden. Mein Gefühl ist, dass das nicht so schnell geht, dass wir die Vereinigten Staaten von Europa kriegen.

Jetzt wird es aber viele Freunde der DM überraschen, wenn sie bei Ihnen lesen, dass die Umstellung zurück zur DM gar nicht so einfach wird, sondern im Gegenteil erst einmal eine steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Exporte auf sie warten.

Das ist wie ein Weisheitszahn, den man sich ziehen lässt. Wir werden einige Tage, wenn nicht Jahre, mit dicker Backe im Bett liegen. Weil die DM dann urplötzlich aufwerten würde und das gerade dem Export erst einmal einen Schock versetzt. Das versucht etwa die AfD zu umgehen, indem sie alles langfristig vorbereiten will. Aber ich weiß nicht, ob das funktioniert, so ein langfristiger Austritt. Peu à peu wäre sehr schwierig.

Schwieriger, als der plötzliche Austritt?

Ich glaube, der plötzliche Austritt würde gezwungenermaßen kommen, aufgrund von schlimmen Umständen.

Sind Sie denn überzeugt, dass das Ende des Euros kommt?

Ja, aber es sind auch Übergangsphasen denkbar. Nordeuro, Südeuro zum Beispiel. Dann könnten die Schwachwährungsländer wenigstens eine Abwertung in eine Richtung vornehmen. Das wäre ja vielleicht schon mal ein Schritt, der kommen könnte. Aber ich glaube nicht, dass man sich politisch zu so etwas entscheiden wird. Denn man will ja in ganz Europa sagen, wir haben eine Währung und da gehören alle dazu. Das wird man wahrscheinlich bis zum bitteren Ende durchführen wollen. Um dann irgendwann einen Zerfall gegenüber zu stehen, der durch was-auch-immer ausgelöst wird.

Ich glaube, der wichtigste Indikator ist Frankreich. Ein Euro ohne Frankreich ist politisch nicht denkbar. Allerdings sind Deutschland und Frankreich währungsmäßig auf Dauer nicht kompatibel. Und das ist der Knackpunkt. Selbst wenn es einen Nordeuro geben würde, würden die Franzosen auf jeden Fall dabei sein wollen. Und damit wäre schon wieder der Zündstoff gelegt für den nächsten Krach innerhalb des Euros.

Sollte eines dieser Szenarien eintreten: Was sollen die Leute denn nun konkret mit ihrem Geld machen?

Die Entwicklung, die wir voraussehen, ist langfristig, wie gesagt, der Währungscrash, Geldcrash, diese Währungsreform. Was aber nichts mit dem Euro-Zerfall zu tun hat, das sind zwei verschiedene Dinge! Der Euro ist das eine Problem. Aber das Geldsystem, mit wachsenden Schulden und Geldvermögen muss irgendwann insgesamt korrigiert werden. Das kommt nicht heute und nicht morgen.

Trotzdem kann man sich in gewisser Weise darauf einstellen. Natürlich nicht, in dem man sagt, ich setze auf die Währungsreform in fünf oder sechs Jahren. Sondern in dem ich bei langfristigen Anlagen in „wahre Werte“ investiere, die Sachvermögen dahinter haben. Das wären Immobilien, Edelmetalle und Aktien. Vor allem Aktien von gesunden Unternehmen mit guter Marktstellung und niedriger Verschuldung. Das sind auch Sachwerte. Gleichzeitig sollte man bei der langfristigen Anlage Geldwerte meiden. Also Bankeinlagen, Schatzbriefe, Anleihen, Lebensversicherungen. Denn Lebensversicherungen basieren auch hauptsächlich auf Geldforderungen.

Das wird für viele Leser aber schwer einzusehen sein, schließlich gelten Lebensversicherungen als gute Absicherung.

Ja, aber Kapitallebensversicherungen sind ein Bestandteil des wachsenden Geldvermögens. Die Allianz hat erst kürzlich gemeldet, dass das weltweite Geldvermögen auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Den zweiten Teil hat die Allianz aber nicht verraten, dass nämlich auch die Schulden gewachsen sind. Da stand in den Berichten und Kommentaren darüber oft sogar „trotz Schuldenkrise“.

Risikolebensversicherungen sind hier natürlich ausgenommen, die kosten ja nur ein paar Euro im Monat und sind eine Absicherung, falls ein Unfall oder ähnliches passiert.

Für wen ist das Buch etwas?

Für viele Leute. Aber vor allem für diejenigen, die täglich mit Meldungen über die Euro, Schuldenkrise, Finanzkrise überhäuft werden, aber wenn sie ganz ehrlich sind, nur einen Bruchteil davon verstehen. Wenn sie richtig verstehen wollen, was dahinter steckt, dann ist das Buch zu empfehlen.

Die Fragen stellten Samira Lazarovic und Benjamin Feingold

„Die Wahrheit über Geld“ bei Amazon

Quelle: n-tv.de

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