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Wieso gibt es einen Wachstumszwang im Geldsystem?

6. Juni 2017 von in Allgemein | 6 Kommentare

Unserem aufmerksamen Leser Timm Gudehus ist es immer noch nicht klar, warum es einen Wachstumszwang im Geldsystem gibt. In meiner Antwort auf seine neueste Zuschrift versuche ich deshalb, dies ein weiteres Mal zu erklären. Ich bin gespannt, ob es nun verständlich genug ist.

Wenn nicht, bitte ich Sie, lieber Herr Gudehus, oder auch die anderen Leser dieses Blogs, noch einmal nachzufragen.

Aber der Reihe nach: Zunächst die Zuschrift von Herrn Gudehus und danach meine Antwort.

Timm Gudehus:

Lieber Herr Brichta,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort auf mein letztes e-mail. Ich habe über Ihre Ausführungen länger nachgedacht und stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Meine teilweise abweichende Beurteilung der Auswirkungen des heutigen Geldsystems ist vor allem auf den paradoxen Begriff „Giralgeld“ zurückzuführen:

Wir stimmen darin überein, dass „Giralgeld“ ein jederzeit einlösbares „Zahlungsversprechen“ der kontoführenden Bank zur Auszahlung von gesetzlichem Geld an den Girokontoinhaber ist und zugleich – durch Übertragung auf andere Konten – als allgemeines „Zahlungsmittel“ akzeptiert wird, ohne gesetzliches Geld zu sein. Kurz gesagt: Giralgeld ist sowohl Zahlungsmittel wie auch Zahlungsversprechen, also eine Forderung. Wer eine Schuld mit Giralgeld begleicht, löst ein Zahlungsversprechen durch ein anderes Zahlungsversprechen ab. Der Gläubiger erhält statt eines Zahlungsversprechens seines bisherigen Schuldners das Zahlungsversprechen einer Bank als neuen Schuldner.

Die Paradoxie der Doppeldeutigkeit, Ambivalenz oder Dualität des Giralgeldes ist die tiefere Ursache vieler Mißverständnisse und Fehlschlüsse bei Diskussionen über das bestehende Geldsystem. Sie verleitet zu Missbrauch und führt zu Rechtsunsicherheit, Ungewissheit, irrationalem Verhalten und Instabilität. Auch die Rechtsprechung kann dieses Paradoxon nicht lösen. Sie bezeichnet die Erfüllung einer Zahlungsverpflichtung durch Übertragung von Giralgeld als Gegenleistung „an Erfüllung statt“, läßt aber offen, ob es sich dabei um eine „Zahlung“ handelt oder nicht.

Mit den Paradoxien haben sich Philosophen, Logiker und Mathematiker schon seit Jahrhunderten beschäftigt. Sie haben ergründet, welche Probleme und Widersprüche aus einer Paradoxie resultieren können (s. WiKi „Paradoxa“). Das zeigt auch unsere Diskussion über das heutige Geldsystem. Betrachten Sie z.B. meine von Ihnen kritisierte Aussage:

„Beim Verkauf einer Immobilie oder anderer Sachwerte an eine Bank wird neues Giralgeld erzeugt ohne dass sich der Forderungsbestand ändert.“

Diese Aussage wäre richtig, wenn Giralgeld Zahlungsmittel und kein Zahlungsversprechen ist. Sie wäre falsch, wenn Giralgeld ein Zahlungsversprechen, d.h. Forderung an eine Bank, ist und kein Zahlungsmittel. Da Giralgeld sowohl Zahlungsmittel wie auch Forderung ist, ist die Aussage unentscheidbar. Sie haben also mit Ihrer Kritik recht und zugleich unrecht. Daher müssen wir wohl einige unserer Kontroversen auf sich beruhen lassen.

Abschließend noch meine Stellungnahme zu dem von Ihnen diagnostizierten „monetären Wachstumszwang“, d.h. dem anscheinend unaufhaltsamen Wachstum des Geldvermögens im heutigen Geldsystem. Wegen der nahezu unbegrenzten Möglichkeit der Geschäftsbanken zur der Giralgeldschöpfung erleichtert und verführt das heutige Geldsystem zur anhaltenden Kreditaufnahme, die wiederum zum permanenten Wachstum des Geldvermögens führt. Es zwingt aber niemanden, sich zu überschulden. In einem solide wirtschaftenden Gemeinwesen, wie die Schweiz oder derzeit auch Deutschland, in dem Unternehmen, Banken, Haushalte und Staat der Versuchung zur permanenten Neuverschuldung widerstehen, ist das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt und das heutige Geldsystem durchaus stabil.

Es ist auch selbstkorrigierend, wenn auch schmerzhaft, in Gemeinweisen, die sich endlos neu verschulden bis ihre Schuldentragfähigkeit überschritten ist Dann kommt es zu Forderungsausfällen und zur massiven Schrumpfung des Geldvermögens. Ein anderer Ausweg – insbesondere bei Überschuldung des Staates – ist die Schuldenverwässerung durch Geldentwertung, also ansteigende Inflation. Ob und wieweit Inflation durch die Zentralbank stimuliert werden kann, etwa duch QE, ist eine offene Frage. Diesbezüglich verweise ich auf meine Geldbroschüre.

Eine Zentralbank kann nicht Pleite gehen. Sie kann auch mit negativem Eigenkapital weiter bestehen. Eine gesetzliche Nachschußpflicht des Staates zur Auffüllung des Eigenkapitals der Zentralbank aus Steuergeldern gibt es nicht. So hatte die Zentralbank von Chile über viele Jahre ein negatives Eigenkapital.

Lieber Herr Brichta, ich danke Ihnen für den anregenden Gedankenaustausch, aus dem ich einiges gelernt habe.
Herzliche Grüße
Ihr
Timm Gudehus

Raimund Brichta:

Lieber Herr Gudehus,

es bereitet mir immer wieder Freude, mit Ihnen zu diskutieren. Auf hohem Niveau und dennoch so unverkrampft – das erlebe ich nicht oft. Und deshalb ist es mir auch jetzt ein Vergnügen, auf Ihre Anmerkungen zu antworten.

Über die Probleme, die aufgrund der Tatsache entstehen, dass unser heutiges Geld ein Schuldgeld ist, sind wir uns einig.

Widersprechen möchte ich Ihnen jedoch in der Einschätzung Ihrer folgenden Aussage:

„Beim Verkauf einer Immobilie oder anderer Sachwerte an eine Bank wird neues Giralgeld erzeugt, ohne dass sich der Forderungsbestand ändert.“

Sie argumentieren, diese Aussage wäre richtig, wenn Giralgeld
Zahlungsmittel und kein Zahlungsversprechen wäre. Dem entgegne ich, selbst wenn es so wäre, wäre die Aussage nicht richtig. Denn dann würde bei einem Verkauf einer Immobilie an eine Bank gar kein neues Giralgeld erzeugt.

Dies entsteht im gegenwärtigen System ja nur dadurch, dass die Bank die Immobilie in die Aktivseite ihrer Bilanz hineinnimmt und gleichzeitig in die Passivseite eine entsprechend hohe Verbindlichkeit einstellt, nämlich das neu erzeugte Giralgeld. Im Fachjargon wird dieser Vorgang Bilanzverlängerung genannt.

Würde die Einstellung der Verbindlichkeit auf der Passivseite entfallen, gäbe es auch kein neues Giralgeld. Es könnte sich dann allenfalls um einen Tausch auf der Aktivseite handeln, d.h. die Bank würde dort ihren Bestand an Zahlungsmitteln/Giralgeld reduzieren und den Bestand an Immobilien entsprechend erhöhen.

Und nun zum Wachstumszwang: Selbstverständlich trägt auch der von Ihnen genannte Faktor, die nahezu unbegrenzte Möglichkeit zur Giralgeldschöpfung, zum Wachstum bei. Das haben wir auch im Buch so beschrieben. Daneben gibt es aber einen ganz anderen wichtigen Sachverhalt. Um den zu erkennen, müssen Sie sich nur die Art und Weise der Geldschöpfung vor Augen halten und in Zusammenhang bringen mit der Tatsache, dass es das Bestreben nach Geldvermögensbildung gibt. Dann ergibt sich dieser Wachstumszwang schon rein denklogisch.

Aber der Reihe nach:

1.
Das Bestreben nach Vermögensbildung ist zunächst einmal ein generelles, es bezieht sich nicht nur auf Geld-, sondern auch auf Sachvermögen. Das Geldvermögen spielt dabei jedoch eine besondere Rolle. Denn Geldvermögen ist, sofern es sich um Zahlungsmittel handelt, die man anhäuft, jederzeit liquide. Und sofern es sich um Forderungen handelt, verspricht es sichere Zinserträge, zumindest in normalen Zeiten. Darüber hinaus ist Geldvermögen viel leichter vermehrbar als zum Beispiel Sachvermögen. Das alles sorgt dafür, dass Geldvermögen im Bestreben nach Vermögensbildung und -mehrung schon seit jeher eine dominierende Rolle einnimmt.

2.
Dies vorausgeschickt, betrachten wir die weiteren Zusammenhänge jetzt anhand der zusammengefassten Bilanz aller Banken, die wir auch im Buch schon beispielhaft verwendet haben. Anhand dieser lässt sich der Zwang nämlich sehr gut veranschaulichen. Zinszahlungen lassen wir zunächst außer Acht.

Sie wissen, dass das Giralgeld auf der rechten Bilanzseite hauptsächlich nur dadurch entsteht, dass die Banken Kredite gewähren. Deshalb stehen dem Giralgeld rechts in etwa gleich hohe Forderungen der Banken an ihre Schuldner auf der linken Bilanzseite gegenüber. Beides, Giralgeld und Forderungen der Banken, sind also nur zwei Seiten derselben Medaille. Werden Forderungen auf der linken Bilanzseite getilgt, verschwindet auch Giralgeld rechts in entsprechender Höhe.

Das Giralgeld wird nun munter zwischen den Konten der Millionen von Bankkunden auf der rechten Bilanzseite hin- und hergebucht. Es ist „in Umlauf“. Und das ist auch gut so. Denn so ist gewährleistet, dass es irgendwann – im Rahmen der wirtschaftlichen Tätigkeit – auf den Konten derjenigen Kunden landet, die die Forderungen der Banken zu bedienen haben. Diese brauchen das Giralgeld ja, um ihre Schulden tilgen zu können.

Und jetzt kommt die Geldhortung ins Spiel, die Sie auch Geldvermögensbildung nennen können: In dem Maße, wie Giralgeld auf den Konten der Geldvermögensbesitzer gehortet wird, kann dieses Geld – rein saldenmechanisch – nicht mehr auf die Konten der Schuldner gelangen. Denn durch die Hortung ist es dem Kreislauf – und damit den Schuldnern – entzogen. Es ist quasi stillgelegt.

Der Giralgeldbestand auf der rechten Bilanzseite teilt sich also auf in einen stillgelegtenTeil, der wächst, und einen Teil, der sich noch in Umlauf befindet, welcher schrumpft (ceteris paribus). Mit der Zeit entstünde so ein Ungleichgewicht zwischen dem Bestand an in Umlauf befindlichem Giralgeld, der abnimmt, auf der rechten Bilanzseite und den Forderungen links, die unverändert hoch bleiben. Da ein immer größer werdender Teil des bestehenden Giralgeldes blockiert wäre, stünde den Schuldnern immer weniger Geld zur Bedienung ihrer Schulden zur Verfügung. Sie hätten gar keine Chance mehr in den Besitz dieses Geldes zu kommen. Eine Pleitewelle wäre die Folge.

Diese Zusammenhänge ergeben sich aus der rein monetär-saldenmechanischen Betrachtung, unabhängig von realwirtschaftlichen Vorgängen. Und daraus ergibt sich auch der Wachstumszwang: Denn durch diesen Sachverhalt entsteht die unabdingbare Notwendigkeit, dass neues Geld in den Kreislauf gepumpt wird, um die stillgelegten Beträge zumindest auszugleichen, damit das System nicht kollabiert.

Genau dies geschieht in der Realität. Die Banken schöpfen durch zusätzliche Kreditvergaben zusätzliches Geld (und zusätzliche Schulden). Da die Kreditnehmer dieses Geld in der Regel zeitnah ausgeben, kommt es auch rasch in Umlauf. Im Lauf der Zeit werden im normalen wirtschaftlichen Kreislauf Teile dieses Geldes aber wieder gehortet, so dass der erneute Bedarf an zusätzlichem Geld entsteht, usw. usw.

All dies geschieht selbstverständlich nicht unter offenem Zwang, weshalb Sie sich möglicherweise so sehr gegen den Begriff Wachstumszwang wehren. Vielmehr tätigen die Wirtschaftssubjekte all diese Geschäfte freiwillig. Trotzdem besteht dieser Zwang im Hintergrund. Würde ihm nicht gefolgt, würde das System kollabieren.

Und genau deshalb beschreiben wir in unserem Buch den Druck, der von den wachsenden Geldvermögensbeständen auf der Passivseite der Bankbilanzen ausgeht.

3.
Dieser Druck wird durch Zins und Zinseszins verstärkt, weil auch Zinserträge niemals vollständig wieder ausgegeben und damit in den Kreislauf zurückgeführt werden. Sondern ein Teil der Zinserträge wird stets wieder angelegt und damit ebenfalls dem Kreislauf entzogen.

4.
Das, was Sie „Verführung zur Kreditaufnahme“ nennen, ist eine systembedingte Notwendigkeit, die ich oben beschrieben habe. Die einzelnen Individuen mögen zwar alle freiwillig handeln, fest steht aber, dass das System ins Wanken gerät, wenn sie nicht so handeln, wie es für den Systemerhalt erforderlich ist.

5.
Die steigenden Geldvermögen, die Sie lediglich als Folge der steigendenden Kreditaufnahme ansehen, sind viel mehr als eine bloße Folge. Sie sind auch eine Ursache und Triebfeder des Systems. Denn Geldvermögensbesitzer verzichten niemals freiwillig auf Ihr Geldvermögen und auch nicht darauf, dies zu vermehren. Sie können dazu nur gezwungen werden – und sei es mit Negativzinsen.

Selbstverständlich gibt es auch Phasen, in denen das Geldvermögenswachstum besonders stark von der Verschuldungsseite angetrieben wird. Aber anders als auf der Geldvermögensseite gibt es auf der Verschuldungsseite keinen systemimmanenten Wachstumszwang. Da stimme ich Ihnen sogar zu. Auf der Vermögensseite gibt es diesen jedoch, wie oben beschrieben.

6.
Vehement widersprechen möchte ich Ihnen auch in Ihrer Behauptung, dass sich in Deutschland das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt. Ich weiß, dass es hier an offiziellen Statistiken mangelt, weil die Bundesbank keine sauberen Geldvermögensstatistiken veröffentlicht. Aber im Buch haben wir in Anhang 8 den Nachweis erbracht, dass die Kontoeinlagen bei allen Banken in Deutschland seit 1948 um durchschnittlich 10,8 Prozent pro Jahr gewachsen sind.

Diese Kontoeinlagen stellen zwar nur einen Teil des gesamten Geldvermögens dar, aber unzweifelhaft einen bedeutenden Teil. Und das Wachstum dieses Teils (10,8% p.a.) betrug in den vergangenen Jahrzehnten weit mehr als das Doppelte des Wirtschaftswachstums. Da hätten die anderen Teile des Geldvermögens schon beträchtlich schrumpfen müssen, um das Wachstum der gesamten Geldvermögen auf die durchschnittliche Wirtschaftswachstumsrate zu reduzieren.

Das Gegenteil ist aber der Fall: Auch die anderen Bestandteile des Geldvermögens sind in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen.

Damit wird klar: Selbst in einem so stabilen Land wie Deutschland wachsen die Geldvermögen weitaus stärker als die Realwirtschaft. Wäre dies nicht der Fall, gäbe es auch eine Reihe der Probleme nicht, die Sie ebenfalls in den zurückliegenden Jahrzehnten beobachtet haben.

7.
Die langfristige Konsequenz aus all dem, die auch Sie ansprechen, nämlich Forderungsausfälle und damit Vernichtung von Geldvermögen, entspricht doch genau dem, was ich nicht müde werde zu wiederholen: Langfristig müssen die Geldvermögensbestände im Rahmen von Krisen immer wieder reduziert werden. Und das passiert ja auch von Zeit zu Zeit.

Die Inflation – und auch dies leite ich im Buch her – ist da keine Lösungsmöglichkeit. Selbst nach der Hyperinflation der 20er-Jahre war zur Bereinigung eine abschließende Währungsreform nötig. In einer solchen Währungsreform wird im Prinzip nichts anderes gemacht als das, was Sie mit Forderungsausfällen und Vernichtung von Geldvermögen beschreiben: Es werden sowohl Forderungen als auch Schulden gestrichen.

8.
Dass Sie am Ende noch locker behaupten, eine Zentralbank könne nicht pleite gehen, wundert mich schon sehr. Wieder einmal muss ich annehmen, dass Sie unser Buch in dieser Hinsicht nicht richtig gelesen haben. Denn dort leiten wir genau her, in welchen beiden Fällen eine Zentralbank sehr wohl pleite gehen kann.

Bitte lesen Sie also noch einmal das Kapitel „Gottesspieler oder Sagenhelden?“ ab S. 75 durch und prüfen die dort gebrachten Argumente. Wenn Sie dann selbst Argumente finden sollten, die unsere Argumente widerlegen, lassen Sie es mich bitte wissen. In diesem Fall würde ich das Kapitel auf jeden Fall überarbeiten! Bis jetzt sehe ich allerdings keine Veranlassung dazu.

Herzlicher Gruß
Raimund Brichta

6 Kommentare

  1. Lieber Herr Brichta,

    nachstehend meine Stellungnahme zu den Ausführungen Ihres letzten e-mails:

    1. Giralgeldentstehung bei Immobilienankauf durch eine Bank
    Beim Verkauf einer Immobilie an eine Bank wird unstrittig Giralgeld erzeugt. (s. meine Geldbroschüre S.4 unten). Darin sind wir uns einig. Wenn man das neu entstehende Giralgeld als Zahlungsmittel betrachet und dem liquiden Geldbestand zurechnet, erhöht sich der übrige Forderungsbestand nicht. Wenn man es dem Forderungsbestand zurechnet, erhöht sich dieser, während der Zahlungsmittelbestand, d.h. der liquide Geldbestand unverändert bleibt. Da aber das Giralgeld sowohl liquides Geld, d.h. Zahlungsmittel, als auch jederzeit fällige Forderung, also Kredit, ist, dreht sich unsere Diskusson im Kreis, ohne dass daraus neue Erkennntisse resultieren.

    2. Wachstumszwang durch Giralgeldschöpfung.
    Wenn den Schuldnern eines Währungsraums nicht aus Erwerbseinkommen, Kapitalerträgen, Renten und Transferzahlungen laufend ausreichend Geld zufließt, um die Tilgungen und Zinsen für ihre Schulden zahlen zu können, bestehen folgende Möglichkeiten:
    A. Die Gläubiger verzichten freiwillig oder zwangsweise auf den nicht mehr bedienbaren Teil ihrer Forderungen. Dann kommt es zu einem Absinken der Forderungsbestände.
    B. Die Gläubiger verlängern immer wieder die Laufzeit und vergeben Anschlußkredite zur Refinanzierung des permanent ansteigenden Forderungsbestands. Wenn die Gläubiger Banken sind, entsteht durch die ansteigende Nettokreditgewährung neues Giralgeld. Sind es Nichtbanken, steigt deren Forderungsbestand ohne dass neues Giralgeld entsteht.
    Beide Möglichkeiten finden laufend gleichzeitig statt. Welche davon dominiert, hängt von vielen Umständen ab, wie Verschuldungs- und Kreditvergabebereitschaft, Einkommens- und Ertragserwartungen, Verschuldungsgrad, Bürgschaften, Wirtschafts- und Finanzpolitik u.v.a. Daraus läßt sich jedoch kein allgemeiner „Wachstumszwang“ ableiten, auch wenn die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung eine ansteigende Spirale von Staatsverschuldung und Giralgeldschöpfung auslösen kann (s. dazu Abschnitt 4 „Geldschöpfung und Staatsverschuldung“ meiner Geldbroschüre) Das von Ihnen angeführte „Bestreben nach Geldvermögensbildung“ ist keine ausreichende Erklärung für einen Wachstumszwang, denn ein solches Bestreben kann nur soweit zum Erfolg führen, wie es die Umstände zulassen. Allein das Streben nach Reichtum macht noch nicht reich.

    3. Wachstum von Wirtschaft und Geldvermögen
    Ihre Angaben zur Geldvermögensentwicklung in Deutschland bezweifle ich nicht. So geht auch aus Abb. 4.1 meiner Geldbroschüre hervor, dass die Geldmenge M1 aus Bargeld und Giralgeld im Euroraum seit 2000 weitaus stärker angestiegen ist als das BIP. Ich kann mich jedoch nicht entsinnen, irgendwo geschrieben zu haben, „dass sich in Deutschland das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt“, denn ich habe den unklaren Begriff „Geldvermögen“ – außer in meiner Korrespondenz mit Ihnen – stets vermieden.

    4. Kann eine Zentralbank pleite gehen?
    In der Fußnote auf S. 79 Ihres Buchs schreiben Sie, dass eine „Zentralbank ihre Bilanz auch dadurch zum Ausgleich bringen kann, dass sie das fehlende Vermögen einfach mit dem Posten „Negatives Eigenkapital“ ersetzt“. Anders als Unternehmen oder Geschäftsbanken muss eine Zentralbank mit negativem Eigenkapital nicht Konkurs anmelden oder durch Nachschießen von Eigenkapital gerettet werden. Da sie in unbegrenzter Menge Bargeld und Buchgeld erzeugen kann, auch wenn das zu negativem Eigenkapital führt, kann eine Zentralbank nicht zahlungsunfähig werden und damit auch nicht „pleite gehen“. Sie kann vilemehr als „Zombibank“ ewig weiter bestehen. So hat die Zentralbank von Chile über 10 Jahre lang mit negativem Eigenkapital existiert. Wie sich ein solcher Zustand auf das Vertrauen in das Geld auswirkt und welche weiteren Konsequenzen er hat, sind Fragen, deren Erörterung hier zu weit führen würde.

    Nach Durchlesen unserer bisherigen Korrespondenz habe ich den Eindruck, dass wir uns in der Beurteilung des gegenwärtigen Geldsystems weitgehend einig sind, auch wenn wir die Ursachen und Konsequenzen einiger Phänomene unterschiedlich gewichten. Die meisten unserer Differenzen resultieren aus unterschiedlichen Begriffsinterpretationen.

    In meiner 2016 bei Springer unter dem Titel „Neue Geldordnung“ erschienenen Geldbroschüre habe ich versucht, die zentralen Begriffe der Geldordnung klar zu definieren und konsistent zu verwenden. Die Geldbroschüre enthält meine Erkenntnisse zum gegenwärtigen Geldsystem und seinen Problemen. Vor allem aber stellt sie mit dem Vorschlag einer Neuen Geldordnung ein Konzept zur Lösung der erkannten Probleme zur Diskussion. Die dargestellte „Neue Geldordnung“ beruht auf der Vollgeldordnung von Joseph Huber und ähnlichen Vorschlägen. Sie unterscheidet sich aber in einigen zentralen Punkten, wie die Bilanzierung des Geldes, und bietet neue Vorschläge z.B. für eine gleitende Einführung. Es würde mich freuen, dazu Ihre Meinung, Kritik und Gegenvorschläge zu erfahren.

    Herzliche Grüße
    Timm Gudehus

    • Hallo Herr Gudehus,

      1. Giralgeldentstehung bei Immobilienankauf durch eine Bank

      Hier drehen wir uns nur dann im Kreise, wenn Sie nicht erkennen, dass beim Imobilienankauf durch eine Bank gar kein Giralgeld entstehen könnte, wenn Giralgeld nur Zahlungsmittel und kein Zahlungsversprechen wäre.

      Denn die Bank kann dieses Geld nur deshalb schöpfen, weil sie damit ein Zahlungsversprechen, also eine Schuld, eingeht. Eine Schuld kann man selbstverständlich jederzeit eingehen. Wäre das Geld dagegen keine Schuld der Bank, sondern nur ein Zahlungsmittel und damit ein Vermögenswert (also das Gegenteil einer Schuld), könnten Geschäftsbanken dieses Geld nur dann schöpfen, wenn man ihnen dazu explizit das Recht einräumen würde. Damit erhielten sie aber die Möglichkeit, eigene Vermögenswerte aus dem Nichts zu zaubern.

      Welche wirtschaftliche Begründung könnte es dafür wohl geben? Mit welcher Begründung könnte es einer Bank ermöglicht werden, etwas aus dem Nichts per Knopfdruck zu schaffen, das nicht nur für andere, sondern auch für die Bank selbst werthaltig ist? Das wäre mehr als Alchemie, das wäre Zauberei! Ich bin gespannt, wie Sie mir eine solche Geldschöpfungsmöglichkeit privater Geschäftsbanken wirtschaftlich vernünftig erklären wollen ….

      2. Wachstumszwang durch Giralgeldschöpfung

      Sie mögen den Wachstumszwang zwar mit Worten negieren, inhaltlich haben Sie ihn aber längst bestätigt. Denn von Ihren genannten zwei Möglichkeiten kommt für den reibungslosen Fortbestand des Systems nur Möglichkeit B in Betracht. Mit dieser Möglichkeit beschreiben Sie nämlich, wie dieses Wachstum vonstatten geht. Jawohl, so funktioniert es!

      Möglichkeit A – und hier wiederhole ich mich zum x-ten Male – würde ja gerade einen Systemzusammenbruch bedeuten, wenn die zwangsweise Geldvermögensvernichtung größere Ausmaße annehmen würde. Das tut sie aber nicht, solange das System funktioniert. In dieser Zeit beschränkt sich Möglichkeit A vielmehr auf einzelne Ausfälle, die nicht systemrelevant sind.

      Es ist also falsch, wenn Sie sinngemäß schreiben, welche Möglichkeit dominiere, könne man nicht eindeutig sagen. Doch, man kann es: Es dominiert Möglichkeit B! Wenn dem nicht so wäre, wäre das System gestört.

      Ein solcher Fall hätte z. B. 2008 gedroht, wenn Regierung und Notenbanken nicht eingeschritten wären. Aber beide haben mit ihren Geldspritzen das Systemwachstum aufrecht erhalten und dadurch den Zusammenbruch verhindert. Mich wundert es, dass Sie diese Zusammenhänge immer noch ignorieren.

      Deshalb bleibt es dabei: Wenn das System reibungslos funktionieren soll, ist das Wachstum von Geldvermögen und Schulden nötig. Bleibt das Wachstum aus, ist das System gestört.

      Was das von mir angeführte „Bestreben nach Geldvermögensbildung“ anbelangt, so ist dies unzweifelhaft der wesentliche treibende Faktor, der hinter dem monetären Wachstumsdruck steht. Um sich diesen Sachverhalt zu vergegenwärtigen, brauchen Sie sich nur einmal gedanklichsicherstellen, dass niemand auf der Welt auch nur einen Cent an Geldvermögen bilden wollte. In diesem Fall würde jeder Cent möglichst rasch wieder ausgegeben. Sämtliches Geldvermögen wäre ständig in Umlauf, einen Wachstumsdruck gäbe es aus dieser Motivation heraus nicht. Aber das ist nicht die Realität.

      Und was Ihr Argument betrifft, das Bestreben nach Geldvermögensbildung könne nur soweit zum Erfolg führen, wie es die Umstände zulassen: Das Bunkern von Geld unter der Matratze reicht schon aus, um dieses Geld dem Zahlungskreislauf zu entziehen. Da dieses Geld aber per Kredit in die Welt gekommen ist, reicht somit das in Umlauf verbliebene Geld nicht mehr aus, um allen Schuldnern die Bedienung ihrer Schulden zu ermöglichen. Sofern nicht neues Geld in Umlauf kommt (was Wachstum bedeutet), ist das System gestört (siehe oben).

      3. Wachstum von Wirtschaft und Geldvermögen

      Sie schreiben:

      „Ich kann mich jedoch nicht entsinnen, irgendwo geschrieben zu haben, ‚dass sich in Deutschland das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt‘, …“

      Bei so viel Text, den wir inzwischen produziert haben, kann schon mal der Überblick verlorengehen 😉 Sie hatten dies aber tatsächlich in Ihrer letzten Antwort an mich geschrieben.

      Ich zitiere daraus:
      „In einem solide wirtschaftenden Gemeinwesen, wie die Schweiz oder derzeit auch Deutschland … ist das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt und das heutige Geldsystem durchaus stabil.“

      Alles nachzulesen … ich sauge mir das schließlich nicht aus den Fingern. Aber schön, dass wir uns in diesem Punkt offenbar doch einig sind 🙂

      4. Kann eine Zentralbank pleite gehen?

      Statt sich auf meine Fußnote auf S. 79 zu beschränken, hätten Sie doch lieber das ganze Kapitel über die „Gottesspieler“ lesen sollen. Denn:

      1. Wenn die Notenbank im AUSLAND überschuldet ist, nutzt ihr das ganze Gerede über die grenzenlos mögliche Gelderzeugung gar nix. Die ausländischen Gläubiger pfeifen nämlich auf das von dieser Notenbank erzeugte Geld. Es hat allenfalls eine Bedeutung im eigenen Land.

      In diesem Fall würde die Pleite (wegen Überschuldung) auch als solche bezeichnet. Und wie schon erwähnt, war dies sogar eine reale Gefahr 2007/2008 bei der isländischen Notenbank. Diese hatte damals nämlich einen großen Teil ihrer Schulden im Ausland.

      Dies ist also Pleitemöglichkeit Nr. 1 für eine Notenbank.

      Was die 2. Pleitemöglichkeit betrifft, müssen Sie schon etwas weiter denken – auch wenn das nicht Ihre Stärke zu sein scheint, wenn Sie schreiben:

      „Wie sich ein solcher Zustand auf das Vertrauen in das Geld auswirkt und welche weiteren Konsequenzen er hat, sind Fragen, deren Erörterung hier zu weit führen würde.“

      Nein, es führt nicht zu weit! Und genau deshalb halte ich es für unabdingbar, solche Entwicklungen in die Überlegungen einzubeziehen. Nur so kann man nämlich die zweite Pleitemöglichkeit erkennen. Sie können diese nur dann nicht erkennen, wenn Sie sich dem Weiterdenken verschließen. Und das wollen Sie doch nicht, oder?

      Denn wie in unserem Buch beschrieben, kann eine Notenbank IM INLAND selbstverständlich eine ganze Weile auch mit negativem Eigenkapital weiterarbeiten. Schließlich interessiert es den Metzger oder Bäcker an der Ecke in der Regel nicht, ob das Geld, das er akzeptiert, in der Notenbankbilanz auch mit ausreichendem Eigenkapital unterlegt ist.

      Dafür interessiert es andere, zum Beispiel Großspekulanten an den internationalen Finanzmärkten, um nur eine Gruppe zu nennen. Und früher oder später spricht es sich auch bis zum Bäcker oder Metzger rum, dass das Geld der Notenbank eventuell nicht den Wert verspricht, den es vorgibt zu repräsentieren. Hier sind wir genau bei jenem „Vertrauensverlust“, über den Sie gar nicht erst reden wollen. Warum eigentlich nicht? Ich halte diese Verweigerung für sträflich, gerade wenn es um Notenbankgeld geht, das nahezu ausschließlich vom Vertrauen abhängt.

      Wohin ein solcher Vertrauensverlust führen kann, hat die Währungsreform 1948 gezeigt. Soweit MUSS es nicht kommen, aber es KANN. Und nur darum geht es hier, also um die Möglichkeit.

      Und sollten Sie jetzt einwenden, dass eine Währungsreform keine Pleite ist, müsste ich Sie eines Besseren belehren. Bei einer solchen „Reform“ passiert in der Notenbankbilanz nämlich genau das, was in der Bilanz eines jeden Pleiteunternehmens passiert, sofern man diesem die Chance einer Fortführung geben will: Die Schulden auf der Passivseite werden so weit gestrichen, bis sie mit dem realistischen Wert der Vermögenswerte auf der Aktivseite wieder im Einklang stehen.

      Genau dies geschieht am Ende eines jeden Insolvenzverfahrens, wenn das Pleite-Unternehmen wieder auf gesündere Füße gestellt werden soll. Bei einer Währungsreform wird es nur anders genannt. Aber wir sollten uns doch nicht von beschönigend klingenden Begriffen vom Kern des Sachverhalts ablenken lassen, oder?

      Ihr Beispiel der chilenischen Zentralbank greift im Übrigen viel zu kurz. Denn dass eine Zentralbank mit negativem Eigenkapital weiter arbeiten kann – u. U. sogar über längere Zeit – ist doch unbestritten. Daraus aber den Trugschluss zu ziehen, eine Pleite sei gar nicht möglich, halte ich für einen schweren Fehler.

      Das ist genauso, als wenn Sie behaupten würden, auch bei Wirtschaftsunternehmen sei eine Pleite nicht möglich, und dafür als „Beweis“ Air Berlin ins Feld führen würden. Denn auch Air Berlin arbeitet bekanntlich schon seit Jahren mit negativem Eigenkapital. Pleite gehen kann die Airline trotzdem irgendwann.

      Und zum Schluss noch eine Anmerkung zum Begriff „Pleite“: Sie scheinen ihn gleichzusetzen mit „Zahlungsunfähigkeit“. Um dem zu widersprechen, erinnere ich Sie daran, dass es zwei Gründe für einen Konkurs geben kann: Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.

      Während die 1. Pleitemöglichkeit für Notenbanken auch in einer Zahlungsunfähigkeit (gegenüber dem Ausland) münden kann, wäre Pleitemöglichkeit 2 (die Währungsreform) wohl eher dem Konkursgrund Überschuldung zuzuordnen.

      Last but not least: Ihre „Neue Geldordung“ werde ich mir als Urlaubslektüre ins Gepäck legen. Versprochen!

      • Lieber Herr Brichta,

        es freut mich, dass Sie sich erneut die Mühe gemacht haben, auf meine Einwände zu antworten. Leider bleiben Sie dabei jedoch nicht immer sachlich sondern werden stellenweise polemisch, belehrend und persönlich abwertend, z.B. wenn Sie schreiben: „Was die 2. Pleitemöglichkeit betrifft, müssen Sie schon etwas weiter denken – auch wenn das nicht Ihre Stärke zu sein scheint, …“ Sie haben mich offenbar missverstanden, denn Ich hatte geschrieben : „…das … sind Fragen, deren Erörterung hier zu weit führen würde“ und mit „hier“ gemeint „in einem e-mail“. Solche und ähnliche Missverständnisse durchziehen unsere Korrespondenz und erschweren die Klärung der strittigen Sachverhalte.

        Ich schätze trotzdem Ihre Ausführungen, auch wenn ich Ihnen nicht in in allen Punkten und Schlussfolgerungen zustimme. Abgesehen von beiderseitigen Mißverständnissen und irreführenden Formulierungen resultieren unsere Differenzen aus unterschiedlichem Begriffsverständnis (z.B. Geldvermögen oder Pleite), aus der Widersprüchlichkeit des heutigen Geldsystems (wie der Ambivalenz des Giralgeldes) und aus unterschiedlichen Bewertungen und Erwartungen. Hinzu kommt unser begrenztes Wissen über Ursachen, Wirkungen und zukünftige Entwicklung des Geldsystems.

        Vielleicht erkennen Sie bei der Lektüre meiner Geldbroschüre, dass ich durchaus weiter gedacht habe, nämlich darüber, welche konstruktiven Auswege aus den Problemen und Gefahren des gegenwärtigen Geldsystems möglich sind. Dabei erhebe ich nicht den Anspruch, dass meine Vorschläge die „richtige“ oder die „endgültige“ Lösung sind. Dazu sind noch viele Fragen zu klären und Probleme zu lösen, auf die ich in der Geldbroschüre hingewiesen habe. Es würde mich freuen, wenn Sie bereit sind, meinen Überlegungen zu einer neuen Geldordnung zumindest im Ansatz zu folgen, auch wenn Sie diesen nicht unbedingt zustimmen.

        Freundliche Grüße
        Timm Gudehus

        • Sie haben recht, lieber Herr Gudehus.

          Manchmal geht das journalistisches Temperament mit mir durch. Dann formuliere ich manche Sätze noch provokanter als üblich. Für mich gehören solche Passagen aber zuweilen dazu, um die Auseinandersetzung nicht allzu trocken werden zu lassen 😉

          Das soll dann eher eine Einladung an mein Gegenüber sein, mit gleicher Waffe zurückzuschreiben. Ein bisschen darf man sich doch gegenseitig provozieren, oder? Auch ich bin schließlich einiges an verbalen Attacken aus dem Netz gewohnt, und glauben Sie mir: Ich kann Einiges aushalten.

          Trotzdem sollte natürlich immer der Inhalt dominieren, d. h. das Geplänkel darf nicht zum Selbstzweck werden. In Ihrem Fall war ich mir bei den entsprechenden Passagen durchaus bewusst, dass diese bei Ihnen nicht gut ankommen könnten. Ich habe mich aber trotzdem dafür entschieden, weil wir nun schon so lange über das Thema Wachstumszwang/Wachstumsdruck diskutieren, dass man m. E. auch mal etwas provokanter werden kann.

          Bitte nehmen Sie es nicht persönlich, sondern eher sportlich 😉

          Dass Sie mit „hier zu weit führen“ unsere Korrespondenz gemeint haben, war mir durchaus bewusst. Aber auch darin wollte ich Ihnen widersprechen und zeigen, dass man in einer solchen Korrespondenz sehr wohl den Vertrauensverlust und seine Folgen ansprechen kann – ja dass man dies m. E. sogar tun muss, wenn man über Notenbanken und ihr Geld diskutiert.

          Zum Begriffsverständnis:

          „Geldvermögen“ habe ich gleich am Anfang unserer Korrespondenz äußerst klar definiert (Zahlungsmittel und Forderungen auf Zahlungsmittel). Eindeutiger geht es nicht. Zu diesem Begriff kann es also kein unterschiedliches Verständnis zwischen uns geben, zumal Sie meiner Begriffsdefinition nichts entgegengesetzt haben.

          „Pleite“ ist dagegen tatsächlich ein nicht eindeutig von mir definierter Begriff, zumal er auch eher umgangssprachlich verwendet wird. Wenn ich hier also noch eine Definition nachliefern darf, würde ich sagen, dass mindestens eines der beiden folgenden Kriterien erfüllt sein muss, um von einer Pleite zu sprechen: Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.

          Was unser „begrenztes Wissen über Ursachen, Wirkungen und zukünftige Entwicklung des Geldsystems“ anbelangt, stimme ich Ihnen zu, sehe aber einen Vorteil darin, dass sich jeder von uns auf verschiedene Aspekte dieses Systems konzentriert. Somit können wir uns gut ergänzen, indem jeder sein „Spezialgebiet“ in die Diskussion einbringt.

          Dabei haben wir uns zunächst auf mein Spezialgebiet konzentriert, weil Ihre Rezension meines Buches der Ausgangspunkt war. Sie haben meine Erkenntnisse und Thesen kritisch hinterfragt, und ich habe jeweils meine Antworten darauf geschrieben. Nach meinem Dafürhalten ist es mir dabei ganz gut gelungen, meine Analysen gegen Ihre Kritik zu verteidigen und zu untermauern. Oder?

          Nun bin ich gespannt darauf, wie es umgekehrt sein wird, wenn ich mir Ihre Broschüre vorgenommen haben werde …

          Herzlicher Gruß
          Raimund Brichta

  2. Lieber Herr Brichta, lieber Herr Gudehus,

    Ich beschäftige mit dem Thema „Geld“ seit mehr als 30 Jahren: von Mitte der 1990 Jahre bis etwa 2007 – im Rahmen des seinerzeitigen Diskussionforum „newmoney“, von wo ich auch Robert Fischer kenne, und nun in der „Monetative“. In dieser Zeit hatte ich intensiven Gedankenaustausch mit H. Ch. Binswanger, Joseph Huber u.a. In Binswanger „Geld & Wachstum“ (1994) findet sich auch ein Beitrag von mir zu eben den Zusammenhang von Geld und den Zwang zum Wirtschaftswachstum.
    “Derzeit beschäftigen mich Ihre Bücher — „Die Wahrheit über Geld“ – das mich freut, weil ich darin eine Fortführung der newmoney-Diskussion sehe – bzw. „Neue Geldordnung“, wo manches klargestellt wird, was mir bei Huber fehlt.
    Nun bin ich aber auch auf den Blog „Die Wahrehit über Geld“ gestossen, wo mich dann besonders die Frage des Wachstumszwangs interessiert Dort schreibt Brichta ziemlich am Anfang:

    „2.
    Dies vorausgeschickt, betrachten wir die weiteren Zusammenhänge jetzt anhand der zusammengefassten Bilanz aller Banken, die wir auch im Buch schon beispielhaft verwendet haben. Anhand dieser lässt sich der Zwang nämlich sehr gut veranschaulichen. Zinszahlungen lassen wir zunächst außer Acht.
    Sie wissen, dass das Giralgeld auf der rechten Bilanzseite hauptsächlich nur dadurch entsteht, dass die Banken Kredite gewähren. Deshalb stehen dem Giralgeld rechts in etwa gleich hohe Forderungen der Banken an ihre Schuldner auf der linken Bilanzseite gegenüber. Beides, Giralgeld und Forderungen der Banken, sind also nur zwei Seiten derselben Medaille. Werden Forderungen auf der linken Bilanzseite getilgt, verschwindet auch Giralgeld rechts in entsprechender Höhe.
    Das Giralgeld wird nun munter zwischen den Konten der Millionen von Bankkunden auf der rechten Bilanzseite hin- und hergebucht. Es ist „in Umlauf“. Und das ist auch gut so. Denn so ist gewährleistet, dass es irgendwann – im Rahmen der wirtschaftlichen Tätigkeit – auf den Konten derjenigen Kunden landet, die die Forderungen der Banken zu bedienen haben. Diese brauchen das Giralgeld ja, um ihre Schulden tilgen zu können.
    Und jetzt kommt die Geldhortung ins Spiel, die Sie auch Geldvermögensbildung nennen können: In dem Maße, wie Giralgeld auf den Konten der Geldvermögensbesitzer gehortet wird, kann dieses Geld – rein saldenmechanisch – nicht mehr auf die Konten der Schuldner gelangen. Denn durch die Hortung ist es dem Kreislauf – und damit den Schuldnern – entzogen. Es ist quasi stillgelegt.
    Der Giralgeldbestand auf der rechten Bilanzseite teilt sich also auf in einen stillgelegtenTeil, der wächst, und einen Teil, der sich noch in Umlauf befindet, welcher schrumpft (ceteris paribus). Mit der Zeit entstünde so ein Ungleichgewicht zwischen dem Bestand an in Umlauf befindlichem Giralgeld, der abnimmt, auf der rechten Bilanzseite und den Forderungen links, die unverändert hoch bleiben. Da ein immer größer werdender Teil des bestehenden Giralgeldes blockiert wäre, stünde den Schuldnern immer weniger Geld zur Bedienung ihrer Schulden zur Verfügung. Sie hätten gar keine Chance mehr in den Besitz dieses Geldes zu kommen. Eine Pleitewelle wäre die Folge.
    Diese Zusammenhänge ergeben sich aus der rein monetär-saldenmechanischen Betrachtung, unabhängig von realwirtschaftlichen Vorgängen. Und daraus ergibt sich auch der Wachstumszwang: Denn durch diesen Sachverhalt entsteht die unabdingbare Notwendigkeit, dass neues Geld in den Kreislauf gepumpt wird, um die stillgelegten Beträge zumindest auszugleichen, damit das System nicht kollabiert.
    Genau dies geschieht in der Realität. Die Banken schöpfen durch zusätzliche Kreditvergaben zusätzliches Geld (und zusätzliche Schulden). Da die Kreditnehmer dieses Geld in der Regel zeitnah ausgeben, kommt es auch rasch in Umlauf. Im Lauf der Zeit werden im normalen wirtschaftlichen Kreislauf Teile dieses Geldes aber wieder gehortet, so dass der erneute Bedarf an zusätzlichem Geld entsteht, usw. usw.
    All dies geschieht selbstverständlich nicht unter offenem Zwang, weshalb Sie sich möglicherweise so sehr gegen den Begriff Wachstumszwang wehren. Vielmehr tätigen die Wirtschaftssubjekte all diese Geschäfte freiwillig. Trotzdem besteht dieser Zwang im Hintergrund. Würde ihm nicht gefolgt, würde das System kollabieren.
    Und genau deshalb beschreiben wir in unserem Buch den Druck, der von den wachsenden Geldvermögensbeständen auf der Passivseite der Bankbilanzen ausgeht.
    3.
    Zu diesem Thema habe ich mich schon vor Jahren geäußert. Ich möchte deshalb nicht direkt in Ihre Debatte einsteigen, sondern meine Meinung damit äußern. Den Text finden Sie auch unter http://www.aktegeld5.blogspot.co.at

    Basar-ökonomisches Denken
    und industriewirtschaftliche Realität**

    Kreditgeld wird meist nur fast verstanden

    Michael schreibt von einer „unheimlichen Stille“, die auf der newmoney-Liste derzeit herrscht. Aber, so die Frage: Ist nicht schon alles — mehrfach — gesagt? Und nichts verstanden? Nichts verstanden, weil nur fast verstanden. Denn: Entweder ist etwas ganz verstanden, oder gar nicht.

    Beispiel gefällig?

    In „Vision eines regionalen Aufbruchs“, herausgegeben vom Katholischen Sozialwerk, stellen  die Verfasser Günter Hoffmann, Heiko Kastner, Dieter Petschow, Joachim Sikora die Frage „Woher kommt das Geld“ und geben darauf folgende Antwort:
    „Wer diese einfache Frage stellt, betritt den Bereich der Magie. Geld wird buchstäblich aus dem Nichts geschaffen.  ……. Jeder Dollar, jeder Euro und jede andere in Umlauf befindliche nationale Währung hat als Bankdarlehen begonnen. Wenn Sie beispielsweise zum Kauf eines Hauses eine Hypothek über € 100.000.- erhalten, so überweist Ihre Bank diesen Kredit auf ihr Konto, und schafft diese hundertausend Euro buchstäblich aus dem Nichts. Dieses Geld zirkuliert so lange, bis eines Tages jemand das Darlehen zurückbezahlt. Dann verschwindet das Geld, kehrt wieder in Nichts zurück, aus dem es geschaffen wurde. (Seite 34/35).
    Das ist fast richtig, aber eben nur „fast“ — und darum ist das zur Gänze nicht verstanden,

    Die letzten beiden Sätze stammen nahezu wortwörtlich aus Bernard A.Lietaer, „Das Geld der Zukunft“: Dort heißt es: „ …; und so zirkuliert das Geld so lange, bis eines Tages jemand ein Darlehen zurückzahlt. Dann verschwindet das Geld wieder ……“ (S. 127)

    Dieser Fehler zeigt uns, dass die Verfasser der „Vision“ auch nur einen ersten Blick auf das Thema „Kreditgeld“ geworfen, aber nicht weiter nachgedacht haben. So mancher täte es sich wohl wünschen, dass eines Tages das Darlehen, das er aufgenommen hat, von jemandem zurückbezahlt wird. Aber wer ist schon so dumm? Und darf dabei nicht einmal allgemeines Lob erwarten , lässt er doch mit seiner Tat noch dazu das Geld verschwinden. Vernichtet dieses!

    Aber auch Lietaer streift das Thema des Kreditgeldes nur. Auch in seinem Buch hört das Thema schon wieder auf, ehe es noch so recht angedacht wurde. Die Zusammenhänge zwischen dem Kreditgeld und der Struktur unserer Wirtschaft sind für ihn kein Thema. So bleibt auch für ihn Kreditgeld in einer Tauschwirtschaft angesiedelt, in der es sich bei genauerem Hinschauen rasch als Fremdkörper zeigen würde. Und will umgekehrt ein Tauschgeld in eine Kredit- und Investitionswirtschaft als Komplementärgeld einpflanzen.
    Ein grundsätzlicher Irrtum. Das Warum hierfür sehe ich dabei in dem von Keynes apostrophierten Schwierigkeiten, die im Loskommen von den alten Gedanken – hier dem so genannten „Geldkreislauf“ – liegen. Die Neoklassik holt allzu viele immer wieder ein. So heißt es etwa in einem Paper.

    “Wir müssen die Betrachtungsweise erweitern. Güter sind nicht einfach vorhanden, sondern müssen produziert werden. Geld ist Voraussetzung, dass Güter produziert werden können.. Wirtschaft ist ein Investitionsprozess. Zuerst muss produziert, dann erst kann verkauft werden. Um zu produzieren, muss Geld verfügbar sein und ausgegeben werden (Bezahlung von Arbeit, Anschaffung von Betriebs- und Produktionsmittel, Bezahlung von …. Steuern usw.) Dann wird produziert und erst danach verkauft. Wenn aber nur soviel Geld zurückflösse als investiert wird, können gerade mal die  Produktionskosten (Geldvorschuss) abgedeckt werden. Um einen Gewinn realisieren zu können, muss inzwischen weiteres Geld in die Wirtschaft eingeschossen worden sein. Daher verlangt der Wirtschaftsprozess als Investitionsprozess immer die Erweiterung der Geldmenge.“
    Ja, bis hierher richtig. Fast.
    Ich gehe hier vom Wort „zurückflösse“ aus, und versuche diese Ausführungen  näher zu erklären: In der Tat ist es ja so, dass Geld zurück  fließt – im Sinne von rückwärts fließen (<<>>) und – später dann – zurück (<<<) fließen . Wenn Verkauf und Lieferung der Produkte, die aktuell gerade vom Unternehmen A hergestellt werden, später nach Fertigstellung an B ( oder die Bs) erfolgt, so fließt das Geld, das sich A über einen Kredit beschafft hat, schon vorher an Z (oder die Zs), der (die) A  Vorprodukte und Arbeit gegen Geld liefert(-en). Die Produkte fließen also vorwärts zu B, das Geld fließt zurück zu Z. So wie das Geld aus dem Kredit des B erst später zu A zurückfließt.

    In diesem „vorher" und „später", der Zeitdifferenz, begründet sich aber erst der Kredit und die Kreditwirtschaft. Nicht aber die Tauschwirtschaft.

    Nun heißt es weiter im Paper:
    „Um auf den Kreditvorgang noch einmal zu sprechen zu kommen: Der Kredit schafft neues Geld. Die Bank gibt A Bargeld oder bucht Geld auf dessen Konto. A kauft und zahlt an B, und B an C. Geld ist im Umlauf.“

    Wenn hier nun von A zu B zu C vorwärts bedeutet, dann kommt man mit obigen Überlegungen, dass zuerst produziert, und dann erst verkauft werden kann, in einer hierarchisch aufgestellten Arbeitsteilung (von der Rohstoffgewinnung bis hin zum Einzelhandel) in  Widerspruch. Damit das Geld so laufen könnte, müssten die damit eingetauschten Produkte bei B und C schon vorhanden sein.
    Tatsächlich aber läuft das Geld  nicht immer weiter vorwärts um. Es ist nie zu B geflossen. Es läuft jetzt vielmehr von A zu Z. Und später vom B aus einem neuen Kredit zum A (zurück),  der damit eine weitere Produktion aufnimmt, oder aber damit seine Kreditschulden zurückzahlt.i
    Das ist die Beobachtung dessen, was vor unseren Augen abläuft, keine Theorie. Die Theorie, die Voraussagen auf zukünftige Beobachtungsergebnisse ermöglichen soll, baut erst auf diesen Beobachtungen auf.
    Da nun aber die neue Produktion  mit einem höheren Geldaufwand,  einem gleichbleibenden, oder aber auch mit einem geringeren Geldaufwand durchgeführt werden kann, gibt es eine zusätzliche Netto-Kredit-Aufnahme, oder eine Null, oder aber auch eine Netto-Kredit-Rückzahlung. Das aber heißt, dass die Wieder-Investition des zurückgeflossenen Geldes keinem Automatismus folgt, sondern diese eine offene Neu-Entscheidung des Unternehmens darstellt.  Generalisiert  heißt das: Wir schließen gedanklich das alte Geschäft mit der Tilgung des alten Brutto-Kredites mittels dem zurückgeflossenen Geld ab (Geld wird vernichtet) und beginnen ein neues Geschäft mit einem neuen Brutto-Kredit  (Geld wird geschöpft), dessen Höhe dann nur indirekt von der Höhe der zurück geflossenen Geldmenge abhängig ist.
    Wenn somit die neuen Investitionen niedriger als die vorher getätigten sind, dann legen Unternehmen Geld nichts still, horten es nicht, sondern reduzieren einfach die Kredite, die aufgenommen werden.

    Damit sollte aber auch klar werden, dass eine Umlaufsicherung des Geldes bei den Unternehmen ins Leere geht. Was nicht vorhanden ist, kann weder schnell noch langsam umlaufen.
    Deutlich wird nun aber auch, dass sich mit der Vorstellung eines Geldumlaufes das Wesen von Lohnarbeit und von Lohneinkommen nur schwer verbinden lässt. Hier wird ja immer darauf gewartet, das eigene Produkt gegen Geld tauschen zu können, mit dem dann selbst weiter etwas unternommen wird. Das kommt dem nahe, was wir heute unter den Ich-AGs verstehen. Vorfinanzierung von vertraglich gesicherter Lohnarbeit kommt somit dort, wo der Tausch am Anfang steht, nur als gedankliches Implantat vor.
    Dagegen ist dort, wo die Sache mit der Produktion begonnen wird, Vorfinanzierung und damit Lohnarbeit integraler Bestandteil. Und damit wird auch klar, dass die Menge der Lohnarbeit nicht von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes abhängt, sondern von der Höhe der getätigten Vorfinanzierung. Das aber ist eine Entscheidung der Unternehmen, wie aus obiger Generalisierung deutlich wird.

    Verkürzt gesagt: Nur in der Produktion gibt es Arbeitsplätze, nicht aber beim Tausch. Die Vorstellung eines Geldumlaufes entspringt aus einer Basar-Ökonomie, entspricht aber nicht einer Industrie-Ökonomie. Die Unterschiede zwischen beiden werden bei einem Besuch in den Suks von Fez real erlebbar. Wie dort etwa Leder vorindustriell gegerbt wird, wie dort die Handwerker ihre Drechselbänke antreiben.

    In der obigen strukturierten Gegen-Darstellung treten die Konturen deutlich hervor: Es gibt jeden Moment in Summe nur das Geld, das die Investoren in diesem Moment selbst schaffen. Im zitierten Paper bleibt dagegen alles wolkig: „Woher hat die Bank das Geld? Geld wird ans Publikum ausgegeben (Kredit, Zinszahlungen an Kunden), Geld fließt zurück (Ersparnisse bei der Bank, Zinsen für Kredite). Das ist ein ewiges Gehen und Kommen, …“ Geld ist hier wiederum einfach „da“, so wie das Wasser im Aquarium der Goldfische.
    Die Vorstellung eines Geldumlaufes von A zu B zu C zu ….. X zu Y zu Z  zu A, das ewige Gehen und Kommen als eine Art Überereignis, ist Schimäre. Auch dort, wo die Haushalte mit ins Spiel kommen. Auch dort laufen die aus der Vorfinanzierung bezahlten Lohneinkommen (auf Umwegen) nicht um, sondern zurück zu den Produzenten und Händlern der Konsumgütern, die bereits vorher  erzeugt worden sind.  Auch sie tilgen ihre Kredite und vernichten damit Geld. Und entscheiden mit ihrer Neuverschuldung mit über die Höhe der Geldmenge und des Volkseinkommens.
    Und es gibt auch keinen umgekehrten Geldumlauf von A zu Z zu Y zu X zu …. zu B zu A . Da Z vor dem A produzieren muss, und Y vor dem Z, und X vor dem Y, kommt jeder nur über einen Kredit zu Geld, und nicht aus dem Umlauf. Letzteres ist unmöglich.   
    Also braucht es eine Vorfinanzierung.
    Und wo es Vorfinanzierung gibt, muss es auch "Rück"-Finanzierung, also Schuldentilgung, geben. Diese Rückfinanzierung muss nun aber in dem Medium erfolgen, die im Schuldvertrag, im Kreditvertrag, vereinbart wurde. Aktuell also in Euro, und nicht etwa in Regio.
    Grundsätzlich gilt für den Taxos das genau so. Der Taxos versucht diese Schwierigkeit nun aber dadurch zu meistern, dass der Staat bzw. die Gemeinde ihre Steuer- und Abgabenforderungen in Taxos akzeptiert, womit in der Bilanz der Unternehmen Taxos-Verbindlichkeiten den Taxos-Forderungen gegenüberstehen können. Diese Taxos-Forderungen können die Unternehmen wiederum durch Lieferung an den Staat (die Gemeinde) erwerben. Ein in sich geschlossener Verechnungs-Kreislauf vom Staat (Gemeinde) zurück zum Staat (Gemeinde) wird so hergestellt.
    Leider sind diese Einsicht offensichtlich schwer zu vermitteln. Die Mehrheit der "Geldreformer " sind Bastler, die sich in technokratischen und abwicklungsmäßigen Details verstricken, dabei aber an gängigen Mythen hängen, die Beobachtung der realen Zusammenhänge und die Lehren daraus jedoch kategorisch ablehnen. Sie verstehen alles nur "fast".
    So aber landen die Geldrefomer genau so auf Spielwiesen wie die Umweltschützer, die sich für den Schutz der Gelbbauchunken stark machen, aber die Frage, warum denn unsere Wirtschaft ständig auf Kosten von Natur und Umwelt wachsen muss, außen vor zu lassen.
    Ernst Dorfner, 24,05.06
    ** siehe dazu auch meinen Beitrag: “Geld und seiLieber Herr Brichta, lieber Herr Gudehus,
    ne Disziplinierungskraft”

    • Vielen Dank für Ihren umfangreichen Beitrag, lieber Herr Dorfner.

      Noch erschließt sich mir aber nicht, worauf Sie damit hinauswollen. Den einzigen Ansatzpunkt, den ich erkennen könnte (allerdings erst gegen Ende Ihres Textes), wäre, dass Sie der Feststellung widersprechen wollen, Geld befinde sich im Umlauf. Dem würde ich allerdings widersprechen, weil es nur allzu offensichtlich ist, dass es einen solchen Geldumlauf gibt.

      Oder was ist es sonst, auf das Sie hinauswollen?

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