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Gratulation zu diesem Buch

28. Mai 2017 von in Gastbeitrag | 1 Kommentar

Sehr geehrter Herr Brichta,
hiermit möchte ich Ihnen ein kleines Feedback zu Ihrem Buch „Die Wahrheit über Geld“ geben.

Ich möchte Ihnen und Ihrem Kollegen zuerst einmal zu diesem Buch gratulieren, es ist eine der Finanzlektüren, die einen im täglichen Rätseln über die Zusammenhänge in unserem Geldsystem weiterbringen.

In den ersten Abschnitten zeigen Sie (wenn ich Sie schreibe, meine ich auch Ihren Kollegen) anschaulich und Stück für Stück die jeweiligen notwendigen Buchungsvorgänge auf, damit auch ein nicht fachkundiger Leser nachvollziehen kann, wie das Geld auf die Welt kommt und wie es wieder verschwindet. Ich habe mir die Mühe gemacht und mein verstaubtes Rechnungswesen-Buch nochmals aus dem Keller geholt, welches ich Mitte der 90er Jahre während meiner Banklehre zur Verfügung hatte. Das Nachvollziehen der Buchungssätze bzw. der Bilanzierungen (Sie haben die Buchungsvorgänge gleich direkt in der Bilanz aktiviert bzw. passiviert) war für mich eine wohltuende Auffrischung.

Wenn der Leser es verstanden hat, wie das Geld kommt und wie es wieder geht, dann ist die Basis für die von Ihnen sehr gut vermittelten Hauptprobleme unseres Geldsystems gelegt.

Die drei Hauptprobleme (Leichtigkeit der Geldherstellung, systembedingter Wachstumsdruck des Geldes und damit der Schulden und Vermögen und das mit Ihren Worten beschriebene Bruchteil- Bankengeschäft) kann man anschaulicher und besser nicht mehr beschreiben. In keiner anderen Fachliteratur habe ich es bisher in ähnlich guter Qualität nachvollziehen können.

Jetzt muss ich sagen, dass ich das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt habe (Banklehre inkl. berufsbegleitendem Studium zum Dipl. Betriebswirt (FH) mit Fachrichtung Bankwirtschaft) und nach meiner Zeit bei der Bank auch sieben Jahre für einen US-Hedgefonds in der Kreditabwicklung tätig war. Und genau vor diesem Hintergrund habe ich auch immer die Probleme gesehen, die Sie in Ihrem Buch „nur“ als Symptome werten.

Man neigt einfach dazu, nicht das Geldsystem als solches zu betrachten, sondern die Probleme – sagen wir mal – betriebswirtschaftlich anzugehen. Nach dem Motto, wenn man nur solide genug wirtschaftet, dann gibt es keine bzw. weniger Probleme mit unserem Finanzsystem.

Latent war mir zwar immer klar, dass in unserer Welt ein extremes Ungleichgewicht der Schulden und Vermögen besteht (was die Schulden der großen Masse sind, ist das Vermögen der wenigen Reichen), dass aber genau hierin einer der Grundübel für das Geldsystem steckt, ist mir erst wirklich durch Ihr Buch bewusst geworden. Das „stillgelegte“ Geld sowie der Zins- und Zinseszins, machen es notwendig, auf Teufel komm raus neue Schuldner zu erfinden. Und wenn sich keine Passenden mehr finden lassen, dann muss (und die Betonung liegt auf muss) das System sich eben mit schlechten Schuldnern arrangieren, will es nicht zusammenbrechen.

Über diesen Schatten der Gedanken muss man als ehemaliger Kreditsanierer einer Kreditabteilung der Bank erst einmal springen. Das ist mir aber gelungen und dafür möchte ich Ihnen danken.

Auch finde ich es ganz toll, dass Sie sich gezielt nicht auf Zitate oder Thesen von „Autoritäten“ beziehen, sondern Ihre Gedanken und Erklärungen vollständig selber erarbeitet haben. Das ist ein weiterer nennenswerter Unterschied zu den restlichen Fachbüchern. Da merkt man, dass es Ihnen um die Sache geht und Sie mit Herzblut dabei sind.

Wann es tatsächlich zu einem unvermeidbaren Zusammenbruch des Geldsystems kommt, kann niemand vorhersagen. Über die Tatsache, ob es am Ende zu einem großen Finale kommt oder der große Showdown aus diversen Gründen ausbleibt, gehen die Meinungen auseinander. Hier gibt es

viele Ansätze, die alle zutreffen können oder auch nicht. Auch das haben Sie zutreffend beschrieben und nicht den Eindruck vermittelt, es gebe eine einfache Lösung für dieses ultra-komplexe Geldsystem.

Letztlich ist es auf jeden Fall wert, sich über dieses Thema in Zukunft viele und noch mehr Gedanken zu machen, um vielleicht doch irgendwann in der Zukunft positive Korrekturen vornehmen zu können. Ich jedenfalls habe mir vor ein paar Tagen aufgrund Ihres Buches weitere Literatur bestellt (Prof. BinswangerVollgeldreform, Thomas Mayer und Roman HuberVollgeld), um mich mit den möglichen Alternativen auseinanderzusetzen (auch wenn ich spontan schon viele Nachteile eines Vollgeldsystems im Kopf habe, möchte ich es genau wissen). Und mit Alternativen meine ich nicht nur das Vollgeld oder der fast schon inflationär erwähnte Goldstandard.

Auf weiterhin spannende Auseinandersetzungen!

Grüße

Rainer Kraushaar

p. s.: Ich hätte für Sie zwei kleine Korrekturvorschläge, die Sie ggf. bei einer Neuauflage beachten können.

Seite 45 bis 49 („Wozu Banken Einlagen brauchen“) habe ich einen kleinen Verbesserungsvorschlag für Sie.

Sie stellen die Gründe, warum Banken die Spareinlagen von Nichtbanken einwerben wie folgt dar:

– um an Zentralbankgeld zu kommen

– um die Fristenabstimmung in der Bilanz vorzunehmen

Bei der Begründung, warum die Geschäftsbank Zentralbankgeld benötigt, haben Sie unter dem Stichwort „um den Zahlungsverkehr etc. zu sichern“ indirekt das Liquiditätsrisiko angesprochen. Damit haben Sie das allgemeine Liquiditätsrisiko als Risikofaktor genannt.

Allerdings erklären Sie die Fristenabstimmung erneut und ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Liquiditätsrisikos. Da liegen Sie m. E. nicht richtig bzw. bedarf es einer Ergänzung. Das Risiko der Fristentransformation liegt im Bereich des Zinsänderungsrisikos.

Zusammenfassend sind die Gründe für das Beschaffen von Zentralbankgeld:

o Das Liquiditätsrisiko zu minimieren (die Refinanzierung sicherzustellen)

o Das Zinsänderungsrisiko zu minimieren (Fristentransformation)
Die unterschiedlichen Zinssätze aus den unterschiedlichen Fristen sprechen Sie auf Seite 47 zwar an,

aber ausschließlich positiv, als Chance der Banken.

Wenn die kurzfristigen Zinsen steigen und die Aktiva aber durch langfristige Darlehensverträge fixiert ist, dann kann es passieren, dass die Margen negativ werden (die Bank zahlt höhere Zinsen als sie bekommt). Und zwar auch dann, wenn die Bank ohne Probleme die Refinanzierung sicherstellen kann, also gar kein Liquiditätsproblem hat. Beim Liquiditätsrisiko durch ausbleibende Refinanzierungsmöglichkeiten z. B. via Kundeneinlagen (=Zentralbankgeld) könnte die Zentralbank notfalls die Refinanzierung übernehmen. Bei strukturellen Bilanzproblemen kann die Zentralbank nicht mehr direkt eingreifen.

Ihre Folgerung des Liquiditätsrisikos aufgrund unterschiedlicher Fristen wäre richtig, wenn die Sicherung des Zentralbankgeldes noch nicht unter dem ersten Gesichtspunkt abgehandelt worden wäre, wie es eine Geschäftsbank i. d. R. generell macht. In diesem Falle würden der Fristentransformation beide Risikofaktoren zufallen, nämlich die Liquiditätssicherung als auch das Zinsänderungsrisiko (zum Beispiel bei einer Pfandbriefbank, die keinen Zahlungsverkehr anbietet).

Seite 56

Ihre Aussage: „… Dein Hauskredit wird zum Beispiel von Deiner Bank mit anderen Krediten zusammen in ein Wertpapier verpackt. Danach geht Deine Bank zur Zentralbank oder einer anderen Bank und hinterlegt dieses Wertpapier als Sicherheit für Deinen Kredit, den sie dort aufnimmt …“.

Rechtlich und wirtschaftlich findet nur ein Gläubigerwechsel statt. Die geldschöpfende Bank gibt zum einen die für sie bestellen Sicherheiten auf bzw. durch Abtretung weiter (z. B. Grundpfandrechte auf die Immobilien etc.) und erhält im Gegenzug von der aufkaufenden Bank (oder wer auch immer die Forderung kauft) die nominelle Kreditforderung (aus dem mit dem Kunden abgeschlossenen Darlehensvertrag) zzgl. einem Einmalbetrag des Käufers (= Gewinn der verkaufenden Bank).

Damit ist die ursprünglich finanzierende Bank die Forderung gegen den Kunden sowie das Kreditrisiko los. Die Bilanz ist bereinigt.

Ich bin der Meinung, dass durch Kreditverkäufe kein zusätzliches Geld geschöpft wird.

Auch bei Ihrem Beispiel der Staatsanleihe würde sich eine genauere Betrachtung lohnen. Ich würde sagen, dass Sie durch die Abtretung der Staatsanleihe nur weitere Geldschöpfung dahingehend bejahen könne, als dass Sie Buchgeld gegen Zentralbankgeld eintauschen und damit Ihre Mindestreservemöglichkeit erhöhen.

Gerne bin ich zu einer Diskussion hierüber bereit.

1 Kommentar

  1. Vielen Dank, lieber Herr Kraushaar, für Ihre ausführliche Buchkritik.

    1.
    Was Ihren ersten Korrekturvorschlag anbelangt (S. 45-49), verstehe ich momentan noch nicht genau, worauf Sie hinauswollen. Wenn wir schreiben, Einlagen können zum einen der Beschaffung von Zentralbankgeld dienen und zum anderen dabei helfen, die Fristen auf beiden Seiten der Bilanz besser aufeinander abzustimmen, sprechen wir das Zinsänderungsrisiko gar nicht an. Zumindest war das nicht unsere Intention dabei.

    Die unterschiedlichen Fristen auf der Aktiv- und Passivseite adressieren wir in diesem Zusammenhang eher im Zusammenhang mit dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit und weniger im Zusammenhang mit dem Zinsänderungsrisiko. Denn das ist doch klar: Wenn eine Bank kurzfristig eine Verbindlichkeit auf der Passivseite zu begleichen hat, auf der Aktivseite aber nur langfristig fällig werdende Forderungen stehen, kann sie nicht zahlen. Genau dies war ja das Problem bei der HRE, die wir in diesem Zusammenhang auch ansprechen. Das betrifft also das Zahlungsunfähigkeitsrisiko.

    Das Zinsänderungsrisiko sprechen wir in diesem Zusammenhang nicht an, weil man damit eine neues Fass aufmachen müsste: Dann müsste man auch Annahmen treffen über die Höhe der festgelegten Einlagenzinsen im Vergleich zur Höhe der vereinbarten Forderungszinsen. Dies tun wir an dieser Stelle aber nicht. Ich glaube auch, es würde den geneigten Leser an dieser Stelle verwirren.

    Oder wollen Sie auf etwas Anderes hinaus?

    2.
    Und was das Verpacken von Krediten in ein Wertpapier betrifft, so spreche ich in dieser Passage den möglichen VERKAUF dieses Wertpapiers – und damit den von Ihnen genannten Gläubigerwechsel – gar nicht an. In dieser Passage beschreibe ich nur die Möglichkeit, dieses Wertpapier als Sicherheit für Kredite bei anderen Banken oder bei der Zentralbank zu hinterlegen, ohne dass der Eigentümer des Wertpapiers den Besitzer wechselt. Dieser Eigentümerwechsel fände dann nur statt, wenn die Bank ihren Kredit nicht mehr bedienen könnte und sich die kreditgebende Bank an der hinterlegten Sicherheit schadlos halten müsste.

    Herzlicher Gruß
    Raimund Brichta

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