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Geld bekommt keine Kinder

20. Dezember 2017 von in Gastbeitrag | 1 Kommentar

Sprach man noch vor enigen Jahren bei wirtschaftspolitischen Diskursen das Thema „Geld“ an, galt man sofort als Exote. Geld spielt keine Rolle, ist neutral. Nun wird viel über Geld geschrieben und debattiert. Aber so wie früher nur über die Realwirtschaft gesprochen wurde, redet man nun nur über das Geld. Die Frage des Zwangs zum Wirtschaftwachstum wird allein im Geldsystem gesucht. Die Ursachen hierfür werden aber nur gefunden, wenn die ganze GELDWIRTSCHAFT, – also die reale und die monetäre Seite in ihrem Zusammnspiel – untersucht wird.

Raimund Brichta und Anton Voglmaier setzen sich nur mit dem Geld auseinander. Und sie verorten den Wachstumszwang noch immer im Zinseszins-System. So als
ob das Geld sich von sich aus vermehren könnte.

Brichta schreibt: „Fasst man nun diese Masse der kleinen Erparnisse und das große Kapital auf den Bankkonten zusammen, erhält man gedanklich einen gigantischen Geldspeicher, der sich auf Grund von Zins und Zinseszins sowie zusätzlich gesparter Beträge unaufhörlich füllt.“ (S. 102)
Das heißt, dass Geld Kinder bekommt, auf den Bankkonten Zinsen gebiert. Geld, das zur bestenden Gesamtsumme der Bankkonten wundersam zuwächst.

Brichta dann weiter:
„Die Kontoeinlagen setzen sich vor allem aus Giro-, Tagesgeld-, Termingeld und Sparguthaben zusammen, wie sie jeder kennt. Bei den Giroguthaben ist zwar auch Geld dabei, das nicht gehortet wird, sondern dazu dient, laufende Ausgaben zu decken. Da sich dieser Teil nicht eindeutig vom gebunkerten Geldbeständen trennen lässt, muss er mit erfasst werden.“ (S. 103)
Das heißt nun: Alles Geld ist in den Kontoeinlagen vorhanden, gebunkertes und nicht-gebunkertes. Aber: Auch wenn ich das ganze nicht-gebunkerte Geld zum gebunkerten dazuschlage, wird es in Summe nicht mehr. Auch wenn man mit vorhandenem Geld Bankanleihen und Sparkassenobligationen erwirbt. (S. 103) So also kann der Geldspeicher nicht wachsen, auch wenn nicht gebunkertes Geld in Bankanleihen verwandelt wird. Das nicht gebunkerte Geld wandert nur vom Anleihekäufer zum Anleihebegeber, der es ausgibt.

„Wichtig ist nur, dass der gesamte Speicherinhalt über Jahre und Jahrzehnte wächst und nicht schrumpft.“ (S. 103). Aber wie wächst er?
Bisher beschäftigt sich Brichte nur mit der rechten Waagschale, der Schale der Passiven, der Verbindlichkeiten der Bank. Den Forderungen der Bankkunden., die über Zins und Zinseszins angewachsen sind.
Nun erst kommt er zur linken, der Schale der Aktiva, der Forderungen der Bank. Hier heißt es nun „Selbstverständlich müssen diese Schulden auf der Aktivseite Vermögenswerte in entsprechender Höhe gegenüberstehen, damit die Bilanz ausgeglichen ist.“ (S. 104)
Das „Müssen“ impliziert irgendwie die Vorstellung, dass es nun nach dem automatischen Wachsen der rechten Seite der Bilanz Aufgabe der Banken ist, Vermögenswerte aufzutreiben, die sie in die linke Schale ihrer Bilanzenwaage legen können. Das aber läuft so nicht. Die beiden Seiten der Bilanz werden nicht nacheinander gebucht, sondern gleichzeitig, uno actu. Und: Die Bank sucht nicht nach einem Gläubiger, sondern einem Schuldner: den Kreditnehmer, der damit auch Schuldner der Bank wird und bleibt, auch wenn das mit dem Kredit geschöpfte Geld auf ein Konto eines anderen bei der gleichen oder einer anderen Bank überwiesen wird. Und nun Gläubiger der Bank ist. Die rechte und linke Seite der Bilanz werden gleichzeitig gebucht – uno actu -, wenn sich ein Kreditnehmer gefunden hat.
Es gilt:
Niemand außer den Banken kann Geld machen, aber alle können Schulden machen. Soferne sie die Tilgung dieser durch entsprechende Sicherheiten gewähleisten können. Das aber zwingt den Kreditnehmer, den Kredit nicht zu verkonsumieren, sondern zu investieren. Um dann mit dem Verkaufserlös die Schulden zu tilgen. Damit er aber dabei auch Zinsen und Gewinn lukrieren zu kann, muss ihm der Käufer dafür mehr zahlen, als er investiert hat – also sich noch höher verschulden. Hier liegt der Zwang zum Wachtum!

Brichta aber stolpert hier in seine eigene didaktische Falle, die er ganz am Anfang selbst einbaut: Die zeitliche Trennung der beiden Waagschalen einer Bilanz: „zuerst die rechte Schale….“ (S.18), Danach die linke ..“ (S. 20) . Was vorerst als didaktisches Hilfsmittel zum einfacheren Verstehen der Buchungsvorgänge erscheinen mag, stellt sich später dann als Falle heraus, wenn er sagt:
„Das Geldvernögen rechts kann nur existieren, sofern die Banken über entsprechend hohe Forderungen aus Krediten und Wertpapieren verfügen. Dies Forderungen stellen wiederum die Schulden anderer dar – derjenigen, die Kredite aufgenommen und die Werrpapiere ausgegeben haben.“ (S. 105)
Es kann aber nur solange das Geldvermögen darstellen, wie die Schulden nicht getilgt sind. Dann nämlich kommt das zum Tragen, was Brichta auf Seitr 24 schreibt; „Jede Tilgung eines Bankkredits führt dazu, dass Geld vernichtet wird. Geld kommt mit einer Kreditvergabe und verschwindet wieder mit der Kreditrückzahlung. Das Geldvermögen mus sich dann neue Schuldner finden. Darum bemüht sich die Bank.

Es ist möglich, dass Brichta es nicht so gemeint hat. Aber so wie er es darstellt, ist der Missinterpretation die Tür geöffnet. Das ist schade, denn sein Buch mit seiner flott geschriebenen Diktion könnte bei einem breiten Publikum zur Aufklärung über unser Geldsystem beitragen. So aber hinterlässt es einenGeruch von Verschwörungstheorie. .

Ernst Dorfner

1 Kommentar

  1. Danke, dass Sie sich so viel Mühe gemacht haben, lieber Herr Dorfner. Aber leider verkennen Sie wichtige Zusammenhänge, so dass ich Ihnen als Autor in allen Punkten widersprechen muss:

    1. Sie schreiben:
    “Raimund Brichta und Anton Voglmaier setzen sich nur mit dem Geld auseinander. Und sie verorten den Wachstumszwang noch immer im Zinseszins-System. So als ob das Geld sich von sich aus vermehren könnte.“

    Offenbar haben Sie – trotz aller Mühe – das Buch nicht vollständig gelesen. Sonst hätten Sie unsere Analyse bemerkt, nach der der Zinseszins den Wachstumszwang zwar verstärkt, aber nicht dessen Hauptursache darstellt. Wir stellen vielmehr eindeutig fest, dass die Geldhortung der wesentliche Faktor für den Wachstumsdruck ist und dass der Zinseszins den Druck lediglich verstärkt. Und bei letzterem, also dem Zinseszins, ist die Herleitung des Wachstumsdrucks weitaus diffiziler, als Sie es sich mit Ihrer naiven Formulierung „als ob Geld sich von sich aus vermehren könnte“ offenbar vorstellen können. Der Zinseszins verstärkt nämlich den Wachstumsdruck, obwohl sich Geld nicht von sich aus vermehren kann. Genauer gehe ich darauf weiter unten ein.

    2. Sie schreiben weiter:
    „Brichta schreibt: „Fasst man nun diese Masse der kleinen Erparnisse und das große Kapital auf den Bankkonten zusammen, erhält man gedanklich einen gigantischen Geldspeicher, der sich auf Grund von Zins und Zinseszins sowie zusätzlich gesparter Beträge unaufhörlich füllt.“ (S. 102)
    Das heißt, dass Geld Kinder bekommt, auf den Bankkonten Zinsen gebiert. Geld, das zur bestenden Gesamtsumme der Bankkonten wundersam zuwächst.“

    Zu kurz gedacht, lieber Herr Dorfner. Wenn sich Geldspeicher (= Konten) füllen, heißt es eben nicht, dass Geld Kinder bekommt. Oder hat etwa Onkel Dagoberts Geld Kinder bekommen? Mitnichten! Dagobert hat seinen Geldspeicher gefüllt, indem er vorhandenes Geld darin gehortet hat, das ihm zugeflossen ist – durch alle möglichen Einnahmen, zu denen vermutlich auch Zins und Zinseszins gehört haben. Genauso füllen sich die Geldspeicher-Konten bei den Banken. Sie interpretieren etwas in meinen Text etwas hinein, was nicht darin steht.

    3. Sie schreiben weiter:
    „Brichta dann weiter:
    „Die Kontoeinlagen setzen sich vor allem aus Giro-, Tagesgeld-, Termingeld und Sparguthaben zusammen, wie sie jeder kennt. Bei den Giroguthaben ist zwar auch Geld dabei, das nicht gehortet wird, sondern dazu dient, laufende Ausgaben zu decken. Da sich dieser Teil nicht eindeutig vom gebunkerten Geldbeständen trennen lässt, muss er mit erfasst werden.“ (S. 103) Das heißt nun: Alles Geld ist in den Kontoeinlagen vorhanden, gebunkertes und nicht-gebunkertes. Aber: Auch wenn ich das ganze nicht-gebunkerte Geld zum gebunkerten dazuschlage, wird es in Summe nicht mehr. Auch wenn man mit vorhandenem Geld Bankanleihen und Sparkassenobligationen erwirbt. (S. 103) So also kann der Geldspeicher nicht wachsen, auch wenn nicht gebunkertes Geld in Bankanleihen verwandelt wird. Das nicht gebunkerte Geld wandert nur vom Anleihekäufer zum Anleihebegeber, der es ausgibt.“

    Hier habe ich nur erklärt, dass sich gebunkertes von nicht gebunkertem Geld beim Blick auf die Gesamtbestände nicht unterscheiden lässt, mehr nicht. Mit Ihrer Bemerkung zur „Wanderung“ des Geldes sind Sie aber zumindest auf dem richtigen Weg 😉 Mehr dazu gleich.

    4. Sie schreiben weiter:
    „ „Wichtig ist nur, dass der gesamte Speicherinhalt über Jahre und Jahrzehnte wächst und nicht schrumpft.“ (S. 103). Aber wie wächst er? Bisher beschäftigt sich Brichte nur mit der rechten Waagschale, der Schale der Passiven, der Verbindlichkeiten der Bank. Den Forderungen der Bankkunden., die über Zins und Zinseszins angewachsen sind. Nun erst kommt er zur linken, der Schale der Aktiva, der Forderungen der Bank. Hier heißt es nun „Selbstverständlich müssen diese Schulden auf der Aktivseite Vermögenswerte in entsprechender Höhe gegenüberstehen, damit die Bilanz ausgeglichen ist.“ (S. 104)
    Das „Müssen“ impliziert irgendwie die Vorstellung, dass es nun nach dem automatischen Wachsen der rechten Seite der Bilanz Aufgabe der Banken ist, Vermögenswerte aufzutreiben, die sie in die linke Schale ihrer Bilanzenwaage legen können. Das aber läuft so nicht. Die beiden Seiten der Bilanz werden nicht nacheinander gebucht, sondern gleichzeitig, uno actu. Und: Die Bank sucht nicht nach einem Gläubiger, sondern einem Schuldner: den Kreditnehmer, der damit auch Schuldner der Bank wird und bleibt, auch wenn das mit dem Kredit geschöpfte Geld auf ein Konto eines anderen bei der gleichen oder einer anderen Bank überwiesen wird. Und nun Gläubiger der Bank ist. Die rechte und linke Seite der Bilanz werden gleichzeitig gebucht – uno actu -, wenn sich ein Kreditnehmer gefunden hat.“

    Nun kommen wir langsam zum Kern, nämlich zum Druck, der von der Passivseite der Bankbilanzen ausgeht und den Sie nicht erkennen. Lassen Sie mich ein einfaches Beispiel wählen, mit dem der Druck auch Ihnen deutlich werden dürfte:

    Nehmen wir an, jemand nimmt 100.000 EUR Kredit auf, um damit eine Immobilie zu erwerben. Mit der Kreditaufnahme ist bei der kreditgebenden Bank neues Geld entstanden. Nun wandert das Geld von der kreditgebenden Bank zur Hausbank des Immobilienverkäufers, der es auf sein dort geführtes Konto überwiesen bekommt. In diesem Moment wächst die Bilanz der Hausbank um 100.000 EUR: Rechts um die Kontoeinlage des Immobilienverkäufers, links um Zentralbankgeld (= Kontoguthaben bei der Bundesbank).

    Nehmen wir weiter an, dass der Immobilienverkäufer das Geld auf seinem Konto bunkert. Dadurch ist der bei dieser Bank geführte Geldspeicher um 100.000 EUR gewachsen. Denn es handelt sich um eine Einlage, die bei der Hausbank nun langfristig liegen wird und für die der Sparer Zinsen haben will. Finanziert ist diese Einlage aber erst einmal nur kurzfristig, nämlich durch ein Guthaben bei der Notenbank. Und genau daraus entsteht der Druck für die Hausbank, diesen kurzfristigen Vermögenswert durch einen ebenfalls langfristigen zu ersetzen. Denn zum einen muss sie eine Fristenkongruenz herstellen, und zum anderen muss sie für ausreichende Zinserträge sorgen, um die Zinsforderungen des Geldbunkerers bedienen zu können.

    Also wird sie danach trachten, ihrerseits einen Kreditnehmer zu finden. Wenn sie ihn findet, wächst der Geldbestand. Und genau das ist ein Beispiel für den Wachstumsdruck, der vom Geldbunkern ausgeht. Er wird von der Hausbank allerdings nicht als Druck oder Zwang empfunden, weil es schließlich zu ihrem Geschäftsmodell gehört, Einlagen anzunehmen und Kredite herauszulegen.

    Zins und Zinseszins verstärken diesen Duck: Denn wenn der Geldbunkerer den Zins wiederum anlegt, wachsen die langfristigen Einlagen bei dieser Bank allein dadurch. Je öfter sich dies wiederholt und je mehr Geldbunkerer so verfahren, desto größer wird wieder der Druck auf die Banken, auch diese langfristigen Einlagen mit langfristigen Kreditforderungen zu finanzieren.

    Sie sehen also: Man muss hinter das Offensichtliche blicken, das Sie erwähnen (Buchungen finden immer auf beiden Bilanzseiten gleichzeitig statt), um den tatsächlichen Zusammenhängen auf die Spur zu kommen.

    5. Sie schreiben weiter:
    “Es gilt:
    Niemand außer den Banken kann Geld machen, aber alle können Schulden machen. Soferne sie die Tilgung dieser durch entsprechende Sicherheiten gewähleisten können. Das aber zwingt den Kreditnehmer, den Kredit nicht zu verkonsumieren, sondern zu investieren. Um dann mit dem Verkaufserlös die Schulden zu tilgen. Damit er aber dabei auch Zinsen und Gewinn lukrieren zu kann, muss ihm der Käufer dafür mehr zahlen, als er investiert hat – also sich noch höher verschulden. Hier liegt der Zwang zum Wachtum!“

    Steile These, die aber schon in sich unschlüssig ist: Zuerst behaupten Sie, der Kreditnehmer müsse investieren, nicht konsumieren. Dann behaupten Sie, der Käufer, also der Konsument, müsse sich höher verschulden. Offensichtlich verschulden sich also beide. Damit stimmt aber Ihre Ausgangbehauptung nicht, der Kreditnehmer müsse investieren und nicht konsumieren. Vielleicht ordnen Sie das erst einmal für sich selbst.

    Dass Sie dabei außerdem monetäre und realwirtschaftliche Vorgänge vermengen, ist ein weiterer Knackpunkt. Natürlich können Sie dies gerne versuchen, damit verkomplizieren Sie die Analyse aber nicht nur, sondern Sie erkennen so den Wachstumszwang auch nicht als ein rein monetäres Phänomen. Nach meiner Analyse gibt es dieses rein monetäre Phönomen aber. Das heißt, es gibt einen Wachstumsdruck, der ausschließlich auf Vorgängen auf der monetären Ebene basiert. Und genau auf diesen konzentrieren wir uns in unserem Buch.

    6. Sie schreiben weiter:
    “Brichta aber stolpert hier in seine eigene didaktische Falle, die er ganz am Anfang selbst einbaut: Die zeitliche Trennung der beiden Waagschalen einer Bilanz: „zuerst die rechte Schale….“ (S.18), Danach die linke ..“ (S. 20) . Was vorerst als didaktisches Hilfsmittel zum einfacheren Verstehen der Buchungsvorgänge erscheinen mag, stellt sich später dann als Falle heraus, wenn er sagt:
    „Das Geldvernögen rechts kann nur existieren, sofern die Banken über entsprechend hohe Forderungen aus Krediten und Wertpapieren verfügen. Dies Forderungen stellen wiederum die Schulden anderer dar – derjenigen, die Kredite aufgenommen und die Werrpapiere ausgegeben haben.“ (S. 105)

    Wieso sollte ich hier über igendetwas „gestolpert“ sein? Wenn ich schreibe, dass das Geldvermögen rechts nur existieren kann, sofern die Banken über entsprechend hohe Forderungen aus Krediten und Wertpapieren verfügen, ist das nur die Feststellung eines unbestrittenen Sachverhalts. Oder wollen Sie mir da widersprechen?

    Anders als Sie richte ich mein Augenmerk aber auf beide Seiten der Bilanz, um Wirkungszusammenhänge zu analysieren. Am Anfang des Buches erkläre ich, wie mit einer Kreditvergabe Geld entsteht. Dabei geht die Initiative hauptsächlich von der Aktivseite der Bankbilanz aus. Denn eine Kreditvergabe erscheint augenscheinlich schuldnergetrieben zu sein: Jemand geht zur Bank und will einen Kredit. Dass es diesen Zusammenhang gibt, ist unbestritten und wird im Buch auch ausführlich unter dem Schlagwort ‘Leichtigkeit der Geldherstellung’ beschrieben.

    Später wende ich mich aber auch dem anderen Phänomen zu: Dass nämlich von den bestehenden Geldbeständen, wenn sie als Geldvermögen gehortet werden, ebenfalls ein Wachstumsdruck ausgeht. Dieser ist sogar in der Konstruktionsweise unseres Geldsystems angelegt und lässt sich rein gedankenlogisch nicht abschaffen, solange das Geldssystem so funktioniert, wie es funktioniert.

    Sie sollten sich den Satz ‘Geldvernögen rechts kann nur existieren, sofern die Banken über entsprechend hohe Forderungen aus Krediten und Wertpapieren verfügen‘ deshalb noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: Was würde denn passieren, wenn den Geldvermögen nicht mehr ausreichend Forderungen aus Krediten und Wertpapieren gegenüberstünden? Richtig, die Schulden der Banken wären größer als ihre Vermögen, sie würden zusammenbrechen und die Geldvermögen ihrer Kunden wären futsch. Somit müssen die Banken alles daran setzen, neue Schuldner zu finden, um die wachsenden Geldvermögen zu finanzieren.

    Über ein anderes Phänomen, das auch im Buch beschrieben wird, haben wir dabei noch gar nicht gesprochen. Das Phänomen nämlich, dass das Geld, welches gehortet wird, nicht mehr zirkuliert und damit nicht mehr in den Besitz jener gelangen kann, die Schulden haben und an Geld kommen müssen, um ihre Schulden zu bedienen. Somit muss also auch aus Interesse der Schuldner, neues Geld durch neue Schulden in Umlauf gebracht werden, damit das System nicht zusammenbricht. Auch dieser Wachstumszwang ist auf die Geldhortung und damit auf die Passivseite der Bankbilanzen zurückzuführen.

    7. Sie schreiben weiter:
    “Es kann aber nur solange das Geldvermögen darstellen, wie die Schulden nicht getilgt sind. Dann nämlich kommt das zum Tragen, was Brichta auf Seitr 24 schreibt; „Jede Tilgung eines Bankkredits führt dazu, dass Geld vernichtet wird. Geld kommt mit einer Kreditvergabe und verschwindet wieder mit der Kreditrückzahlung. Das Geldvermögen mus sich dann neue Schuldner finden. Darum bemüht sich die Bank.“

    Am Ende Ihres Aufsatzes beginnen Sie sogar, den von mir beschriebenen Wachstumszwang zu verstehen 😉 Denn ja, es ist richtig, dass die Bank neue Schuldner finden MUSS. Denn die Kredittilgung und damit Geldvernichtung ist nur mit jenem Teil des vorhandenen Geldbestandes möglich, der nicht gehortet ist. Im Klartext: Wenn Sie 100.000 Euro in einer Bankeinlage gehortet haben, können diese von niemandem mehr zur Kredittilgung verwendet werden. Da diese 100.000 Euro aber mit großer Wahrscheinlichkeit per Kredit in Umlauf gekommen sind, steht irgendwo ein Schuldner damit noch in der Kreide. (Wenn nicht, gäbe es die 100.000 ja nicht mehr.) Folglich kann er seine Schulden nur dann tilgen, wenn durch neue Kreditvergabe neue 100.000 in Umlauf kommen.

    8. Sie schreiben weiter:
    “Es ist möglich, dass Brichta es nicht so gemeint hat. Aber so wie er es darstellt, ist der Missinterpretation die Tür geöffnet. Das ist schade, denn sein Buch mit seiner flott geschriebenen Diktion könnte bei einem breiten Publikum zur Aufklärung über unser Geldsystem beitragen. So aber hinterlässt es einenGeruch von Verschwörungstheorie.“

    Ups, wie kommen Sie jetzt auch noch auf Verschwörungstheorie? Davon ist in keiner Silbe des Buches die Rede, wenn wir den Wachstumszwang beschreiben. Im Gegenteil: Alles fußt auf den tatsächlichen Wirkungszusammenhängen, wie sie sich aus der Konstruktion unseres Geldsystems herleiten lassen. In diesem Sinne bietet das Buch also tatsächlich eine Aufklärung über die Hintergründe unseres Geldsystems.

    Herzlicher Gruß
    Raimund Brichta

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