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Die Ursachen des Geldwachstums

13. Juni 2017 von in Gastbeitrag | 17 Kommentare

Sehr geehrter Herr Brichta,

dem Lob einiger Ihrer Leser über Ihr Buch „Die Wahrheit über Geld“ möchte ich mich anschließen. Das Buch habe ich inzwischen 2 Mal gelesen und es hat mir einige sehr wichtige Erkenntnisse über das existierende Geld- und Wirtschafssystem gebracht. Wirtschaftsnachrichten interpretiere ich inzwischen aus einem neuen Blickwinkel. Mir ist klar geworden, dass die „Mutter aller Finanz- und Vermögensblasen“ unser Geldsystem ist. Ihr Buch ist didaktisch sehr gut aufgebaut, die wesentlichen Zusammenhänge werden auch für Laien verständlich dargestellt und logisch hergeleitet.

Im Grunde kann ich den Kernaussagen Ihres Buches zustimmen. In der Einschätzung bestimmter Sachverhalte, habe ich jedoch teilweise eine abweichende Meinung, die ich Ihnen gerne darstellen möchte.

An vielen Stellen Ihres Buches und auch in mehreren Beiträgen Ihres Blogs nennen Sie 2 Ursachen für den Wachstumszwang des Geldsystems: (1) Das Bestreben nach Vermögensbildung und die damit verbundene Geldhortung (2) Die Geldschöpfung in Form von Krediten, die mit Zinsen belegt werden (Zinseszins). Wenn ich Sie korrekt verstehe, betrachten Sie die Geldhortung als den wesentlichen Faktor für den Wachstumszwang der Geld- und Schuldenmenge. Dieser Gewichtung der Ursachen für das Geldwachstum kann ich nicht zustimmen. Nach meiner Einschätzung ist der Zinseszins der eigentliche Motor, während die Folgen durch das Horten von Geld mittelfristig vernachlässigbar und beherrschbar sind. Das möchte ich begründen.

Nehmen wir an Geld würde nicht gehortet werden und es würde permanent dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden. Das heißt, die Ursache (1) für Geldwachstum würde nicht bestehen. Selbst dann hätte man zwingend ein exponentielles Wachstum der Geldmenge, denn für jede Geldschöpfung durch Kreditvergabe, muss der Kreditnehmer in der Zukunft den Kredit plus Zinsen zurückzahlen. Das heißt, der Kreditnehmer muss eine größere Geldmenge an die Bank zurückbezahlen als durch die Kreditvergabe geschöpft wurde. Damit eine ausreichende Geldmenge zur Tilgung plus Zinszahlung zur Verfügung steht, muss rechtzeitig weiteres Geld geschöpft werden. Dies geschieht wiederum in Form eines verzinsten Kredites. Das erzeugt wiederum den Zwang einer weiteren Geldschöpfung. Der Schneeball rollt….

Nehmen wir jetzt an, der Zins bei der Kreditvergabe wäre 0 (was heute fast Realität ist). Ich stimme zu, dass das Bestreben nach Geldhortung ebenfalls die Schöpfung weiterer Geldmengen nach sich ziehen würde. Jedoch ist dieses Wachstum nicht exponentiell sondern in extremsten Fall linear. Weiterhin könnte der Staat durch Steuern gehortetes Vermögen teilweise umverteilen und es Menschen geben, die es ausgeben und dem Wirtschaftskreislauf wieder zuführen würden. Das bedeutet, der Staat könnte die lineare Wachstumskurve nochmals signifikant abflachen. In solch einem Szenario würden die Menschen für den Vermögensaufbau in alternative Vermögenswerte flüchten, zum Beispiel in Aktien. Dadurch würde das Geld dem Wirtschaftskreislauf vermehrt zur Verfügung stehen und die Geldhortung würde sich weiter verlangsamen. Im Vergleich zum exponentiellen Wachstum, welches durch den Zinseszins verursacht wird, ist das Geldmengenwachstum, welches durch die Geldhortung entsteht, aufgrund der geringen Wachstumsgeschwindigkeit in mittleren Zeiträumen vernachlässigbar.

Für mich ist die „Mutter aller Finanz- und Vermögensblasen“ ausschließlich der Zins, welcher den Schneeball nährt.

Weiterhin möchte ich einen Hinweis zum Kapitel Ihres Buches “Weitermachen oder therapieren?“ geben, in welchem Sie Vorschläge über alternativen Geldsysteme vorstellen. Sie beschreiben die Alternativen „Vollgeld“, „Schwundgeld“ und „Goldgeld“. Das Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ von Thomas Meyer beschreibt eine weitere Alternative, welche er als „Aktivgeld“ bezeichnet. Eine bemerkenswerte Aussage von Thomas Meyer ist, dass eine Transformation vom aktuellen Geldsystem in ein Aktiv-Geldsystem ohne Währungsreform und ohne Vernichtung von Geldvermögen in einem evolutionären Prozess möglich wäre.

Wenn ein renommierter Wirtschaftsexperte wie Thomas Meier solch eine Transformation des Geldsystems für möglich hält, dann frage ich mich, warum macht man es nicht einfach? Diese Frage diskutiert Thomas Meier ebenfalls in seinem Buch.

Wir sitzen in einem Schnellzug und rasen mit einer wahnsinnigen Beschleunigung auf einen Abgrund zu. Die Notenbanken und Regierungen versuchen lediglich die Zunahme der Beschleunigung zu verringern und hoffen den Absturz solange zu verzögern, dass es sie selbst nicht mehr trifft. Man könnte auch versuchen den Schnellzug umzulenken…

Mit netten Grüßen
A. Papapostolou

17 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für Ihre interessanten Anmerkungen, liebe(r) Frau/Herr Papapostolou.

    Anfänglich habe auch ich Zins und Zinseszins als Hauptfaktor hinter dem Wachstumsdruck im Geldsystem vermutet. Allerdings habe ich dann weiter gedacht und bin zu der anderen Erkenntnis gelangt, die Ihnen bekannt ist. Meine Erkenntnis ergibt sich sogar aus der von Ihnen getroffenen hypothetischen Annahme.

    Nehmen wir an, Geld würde tatsächlich nicht gehortet, sondern permanent dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. Dann gälte diese Annahme auch für den Zins! Auch dieser würde dann nämlich nicht gehortet, sondern ständig dem Kreislauf zugeführt. Dämmert es Ihnen jetzt? Richtig: Dann müsste – im Gegensatz zu Ihrer Vermutung – KEIN weiteres Geld geschöpft werden, um eine ausreichende Geldmenge zur Tilgung plus Zinszahlung zur Verfügung zu haben.

    Stellen Sie sich einmal das idealtypische Beispiel vor, dass Sie einen Bankkredit aufnehmen, bei dem der gezahlte Zins immer wieder vollständig an Sie auf Ihr Konto zurückfließt (etwa, weil Sie mit der Bank einen Beratervertrag haben, der ein Honorar genau in Höhe des Zinses vorsieht). Wenn Sie gleichzeitig das Kreditgeld auf ihrem Konto liegen lassen, wird dort also (mit kurzen Unterbrechungen) stets der gesamte Kreditbetrag verfügbar sein. Und nun stellen Sie sich vor, Sie könnten nach der letzten Zinszahlung und der anschließenden Honorareinnahme den Kredit tilgen. Sie hätten dafür den vollen Betrag zur Verfügung, und Ihre Schuld wäre anschließend verschwunden (das Geld auch).

    Sie sehen also, dass in diesem idealtypischen Fall das Geld für die Zinsen nicht erschaffen werden muss, und das System trotzdem funktioniert. Aufs Große und Ganze übertragen heißt das grob gesagt: Sofern sämtliche Kreditzinsen an die Schuldner der Banken wieder zur Bedienung ihrer Schulden zurückflössen (und die Kreditbeträge auch) müsste das Geld für die Zinszahlungen nicht zusätzlich geschaffen werden. Wir alle wissen natürlich, dass dies nicht realistisch ist. Im Gegenteil: Es fehlt in der Regel nicht nur das Geld für die Zinsen, sondern auch für einen Teil der Tilgungen, da Geld durch das Sparen anderer diesem Kreislauf entzogen wird. Um das System am Laufen zu halten, muss also ständig neues Geld durch neue Kredite geschaffen werden.

    Es ist aber primär nicht ein Problem des Zinses, sondern ein Problem der Hortung des Zinses. Das heißt, es ist das Problem, dass der gezahlte Zins – zumindest zum Teil – nicht in den Kreislauf zurückfließt. Dem System ist es sogar egal, ob es sich bei dem entzogenen Geld um Zinserträge oder um sonstige Erträge wie Löhne, Mieten oder sonst etwas handelt. Entscheidend ist nur, DASS entzogen wird.

    Klar ist aber auch, dass der Zins den Wachstumsdruck verstärkt. Und zwar ganz einfach dadurch, dass er eine zusätzliche Gelegenheit bietet, zugeflossene Zahlungen dem Kreislauf zu entziehen. Eine Gelegenheit, die es ohne den Zins nicht gäbe.

    Und soweit wir über den Zinseszins reden, ist die Sache ohnehin klar: Zinseszins kann nur dadurch entstehen, dass Geld gehortet wird. Ohne Hortung gäbe es keinen Zinseszins. Der Zinseszins ist also ein Problem, dass zu hundert Prozent auf die Hortung zurückzuführen ist.

    Was die Rolle des Aktivgeldes anbelangt, so finden Sie dazu meine Einschätzungen in der Diskussion mit Herrn Gudehus in diesem Blog. Er vertritt nämlich auch die Auffassung, damit einen Großteil des Problems zu lösen. Ich habe ihm widersprochen und begründet, warum der Wachstumsdruck m. E. dennoch bestehen bliebe. Bitte lesen Sie dort noch einmal nach.

    Falls Sie dazu noch Anmerkungen haben, zögern Sie bitte nicht, diese zu machen.

  2. Sehr geehrter Herr Brichta,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

    Ich habe gründlich über Ihr Beispiel nachgedacht, in dem die gezahlten Zinsen zum Kreditnehmer zur Bedienung der Schulden zurückfließen. Auf den ersten Blick hört es sich plausibel an. Auf den zweiten Blick erscheint Ihr Beispiel jedoch wie ein „Perpetuum mobile“, was bekanntermaßen nicht existieren kann. Ob der von Ihnen beschriebene Kreislauf ohne zusätzliche Geldschöpfung funktioniert, kann man herausfinden, indem man eine kleine Simulation durchführt.

    Nehmen wir an Person P nimmt bei der Bank B einen Kredit in Höhe von 1000 € auf. Der Kredit wird mit 10% p.a. verzinst. Um das von Ihnen beschriebene Szenario simulieren zu können, nehmen wir weiterhin an, dass eine 2 jährige Laufzeit vereinbart wurde. Nach einem Jahr soll die 1. Rate mit Zins und Tilgung geleistet werden, wobei 500 € getilgt werden sollen. Nach zwei Jahren ist die 2. und letzte Rate fällig. Ich habe 2 Jahre Laufzeit gewählt, damit zwischen der ersten Zinszahlung und der letzten Tilgung, die Möglichkeit entsteht, dass die Person A ein Honorar von der Bank B für Beratungsleistungen erhalten kann.

    Die Simulation beginnt:
    Nach einem Jahr bezahlt Person P an die Bank 600 € (500 € Tilgung plus 100 € Zinsen). Da wir ohne zusätzliche Geldschöpfung auskommen wollen, bezahlt die Person P die 600 € von dem Geld, welches sie über den Kredit erhalten hat. Zu diesem Zeitpunkt existieren folgende Geldbeträge:
    Die Bank besitzt 100 € (die 500 € aus der Tilgung existieren nicht mehr, da die Tilgung das Geld wieder vernichtet hat). Person P besitzt noch 400 €. Im Laufe des 2. Jahres, schließt Person P einen Beratervertrag mit der Bank B und erhält daraus ein Honorar. Da wir immer noch ohne zusätzliche Geldschöpfung auskommen wollen, ist der maximale Betrag, den die Bank bezahlen kann 100 €.
    Jetzt besitzt die Person P 400 € + 100 € = 500 €. Am Ende des 2. Jahres ist Zahltag. Person P muss 500 € tilgen und 50 € Zinsen bezahlen, was in der Summe einen Betrag von 550 € ausmacht. Er besitzt jedoch nur 500 €! Sie sehen, die Bettdecke ist zu kurz. Es ist nicht genügend Geld vorhanden, um den Kreislauf am Leben zu halten. Die fehlenden 50 € können nur über eine zusätzliche Geldschöpfung bedient werden.

    Es wäre eine mathematische Unmöglichkeit einen höheren Betrag zurückzuzahlen, als geschaffen wurde. Um das noch deutlicher zu machen, möchte ich folgendes Gedanken-Experiment durchführen.

    Gehen wir gedanklich zurück zum Zeitpunkt Null, als das Geldsystem geboren wurde. Es existiert noch kein Geld. Der erste Kreditnehmer geht zur Bank und nimmt einen Kredit in Höhe von 1000 Talern auf. Der Zins beträgt 10 %. Das bedeutet, der Kreditnehmer muss in einem Jahr 1100 Taler zurückbezahlen. Im ganzen System existieren jedoch nur 1000 Taler. Woher sollen die zusätzlichen 100 Taler kommen? Das funktioniert nur, wenn bevor das Jahr endet, weiteres Geld geschöpft wird und zwar mindestens 100 Taler. Die weitere Geldschöpfung erzeugt wieder eine neue Zinsforderung und das Rad dreht sich weiter.

    Die Beispiele zeigen, dass ohne Geldhortung, allein durch den Zins ein Geldwachstum entsteht.

    Was den Begriff „Zinseszins“ betrifft, den habe ich eventuell nicht korrekt verwendet. Ich wollte damit ausdrücken, dass der Zins dafür verantwortlich ist, dass zusätzliches Geld geschöpft werden muss. Dieses zusätzliche Geld erzeugt wieder neue Zinsforderungen, so dass sich die Zinsforderungen wie eine Lawine aufbauen. Ich weiß, dass Sie diese Sichtweise nicht teilen. Ich versuche Sie ja gerade davon zu überzeugen:-)

    Da ich kein Experte bin, kann ich leider nicht selbständig beurteilen, ob das sogenannte Aktivgeldsystem das Problem des Wachstumsdrucks lösen könnte oder nicht. Da selbst ausgewiesene Experten hier keine Einigkeit haben, bleibt mir nur übrig den Diskussionen der Experten zu folgen und zu versuchen mir eine Meinung zu bilden. Ich habe diesen Hinweis deswegen gemacht, da Sie in Ihrem Buch den Zusammenbruch als unausweichlich halten, obwohl es durchaus Vorschläge gibt, wie der Zusammenbruch vermieden werden könnte, indem man das aktuelle Geldsystem ablöst. Da stimme ich dem Kommentar von Herrn Timm Gudehus zu: „Das ist ungewöhnlich resignierend, denn es gibt diskussionswürdige Lösungsvorschläge“. Da das aktuelle Geldsystem unausweichlich zum Zusammenbruch führt (da stimme ich Ihnen zu), hat man eigentlich nichts zu verlieren und die Einführung eines neuen Geldsystems könnte ein lohnenswerter Versuch sein.

    Was jedoch die Ursachen des Geldwachstums betrifft, bin ich immer noch von meinem ursprünglichen Standpunkt überzeugt. Sollte meine Argumentation einen logischen Fehler enthalten, dann bin ich gerne bereit mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

    Mit netten Grüßen

    A. Papapostolou

    • Gerne weise ich Sie auf den logischen Fehler Ihrer Argumentation hin, lieber Herr Papapostolou:

      Am einfachsten zu vermitteln ist dieser anhand Ihres Zeitpunkt-Null-Beispiels:

      Nehmen Sie an, dass der Kreditnehmer einen Beratervertrag mit der Bank hat, der ihm im ersten Jahr ein Honorar von 100 Talern garantiert. In diesem Fall passiert genau das, was ich schon in meiner ersten Antwort geschrieben habe: Der Zins fließt zu hundert Prozent ins System zurück, Zins- und Honorarforderung können gegeneinander verrechnet werden. Das System kommt in diesem Fall also trotz des Zinses ohne Aufschuldung mit den ursprünglich geschöpften 1.000 Talern aus.

      Sofern die Bank aber nur einen Taler bunkert und beispielsweise nur 99 Taler Honorar zahlt, muss dieser eine Taler aufgeschuldet werden.

      In ähnlicher Weise lässt sich das für Ihr anderes Beispiel herleiten. Sofern dabei die Zeitpunkte der jeweiligen Zahlungen in die eine oder andere Richtung nicht übereinstimmen, ist auch dies weniger bedeutend, weil sich in der Praxis ja unzählige Zahlungsvogänge überlagern. Außerdem können Zahlungen gestundet und damit aufgeschoben werden, bis es wieder passt.

      Wichtig ist mir also, noch einmal zu betonen, dass der Zins selbst nicht zwangsläufig aufgeschuldet werden muss. Denn er ist in unserem System wie jede andere Zahlung auch zu bewerten.

      Stellen Sie sich beispielsweise vor, im Zeitpunkt-Null-Beispiel bekäme der Kreditnehmer den Kredit zu null Prozent Zins. Er müsste aber 100 Taler Miete an seinen Vermieter abdrücken. Wenn dieser seine Mieteinnahme bunkert und nicht ins System zurückfließen lässt, haben wir das gleiche Problem: Die 100 Taler fehlen im System.

      Soll heißen: Es ist egal, welchen Anlass die Zahlungen haben. Es kommt nur darauf an, ob sie gebunkert werden oder nicht.

  3. Sehr geehrter Herr Brichta,

    vorab möchte ich betonen, dass ich an keiner Stelle bezweifelt habe, dass das Horten von Geldvermögen dem Geldkreislauf Geld entzieht und als Folge weitere Geldschöpfungen notwendig macht, um das System am Laufen zu halten. In Ihrer Antwort führen Sie diese Aussage mehrmals an, um zu beweisen, dass der Zins nicht die zwingende Ursache des Geldwachstums ist.

    Ich möchte meine Aussage hier zusammenfassend wiederholen: Sowohl das Horten von Geld als auch den Zins, sehe ich als Ursachen für das Geldwachstum. Die Geldhortung als Ursache, halte ich jedoch für vernachlässigbar und beherrschbar. Hingegen halte ich den Zins als die dem System innewohnende und unvermeidbare Ursache des Geldwachstums, die auch ohne die Geldhortung bestehen würde.

    Aus diesem Grunde, kann die Tatsache, dass die Geldhortung Geldwachstum verursacht, nicht als Beweis verwendet werden, dass der Zins NICHT die eigentliche Ursache für das Geldwachstum ist. Beide Ursachen existieren nebenläufig.

    In Ihrem Beispiel, bei dem der Zins in Form eines Berater-Honorars zum Kreditnehmer zurückfließt, führt Ihre „Beweisführung“ nur deswegen zu dem von Ihnen beschriebenen Ergebnis, weil die Honorarforderung gestundet wird, bis sie mit der finalen Zinszahlung verrechnet werden kann. Was Sie hier beschreiben ist Tauschwirtschaft. Die Dienstleistung „Kreditvergabe“, deren Wert sich in der Zinsforderung widerspiegelt, wird mit der Dienstleistung „Beratung“ getauscht. Innerhalb einer Geldwirtschaft, in der Dienstleistungen und Waren gegen Geld getauscht werden, lässt sich dieses Ergebnis nicht erreichen.

    Wie sich meine Aussage widerlegen lässt, indem man die Zeitpunkte der Zahlungen in die eine oder andere Richtung verschiebt ist nicht klar, da Sie diesen Zusammenhang nicht klar zeigen. Auch die Erhöhung der Anzahl der Zahlungsvorgänge, ändert nach meiner Ansicht nichts am von mir dargestellten Prinzip.

    Um an dieser Stelle zu einem Konsens zu kommen, wäre es notwendig, dass Sie analog zu meinem Simulationsbeispiel eine Variante an einem konkreten Beispiel beschreiben, die zeigt, wie man ohne zusätzliche Geldschöpfung auskommt. Wichtig bei dem Beispiel wäre, die Prämissen der Geldwirtschaft streng einzuhalten: Dienstleistungen und Waren werden gegen Geld getauscht.

    Mit netten Grüßen

    A. Papapostolou

    • Gerne würde ich Ihnen ein entsprechendes Beispiel konstruieren, lieber Herr Papapostolou. Mir fehlt nur leider die Zeit dazu. Angesichts meiner vielfältigen anderen Aufgaben bitte ich dafür um Verständnis.

      Zumal ich gar nicht das Ziel habe, Sie davon zu überzeugen, dass die Geldvermögensbildung der hauptsächliche Wachstumstreiber unseres Geldsystem ist. Herr Gudehus will nicht akzeptieren, dass es überhaupt einen Wachstumsdruck in unserem System gibt. Sie erkennen diesen Wachstumsdruck immerhin an, führen ihn – fälschlicherweise – aber hauptsächlich auf den Zins zurück.

      Mögen Sie, mag Herr Gudehus, mögen alle anderen Ihre Ansichten doch behalten. Diejenigen, die unser Geldsystem besser durchschauen, haben aus meiner Sicht einen klaren Erkenntnisvorsprung. Damit lässt es sich gut leben, ohne dass man andere überzeugen muss.

      Das schließt nicht aus, dass man miteinander diskutiert, so wie wir beide das tun. Und deshalb lassen Sie mich noch ein paar kurze Anmerkungen zu Ihren Zeilen machen:

      1.
      Ich halte es für müßig, darüber zu diskutieren, ob die Honorarforderung gestundet wird oder die Zinszahlung oder beide oder keine von beiden. Zum Beispiel könnte vereinbart werden, dass der Zins nicht als Einmalzahlung am Ende des Jahres zu leisten ist, sondern anteilig vierteljährlich oder monatlich. Dann müsste weder Zins noch Honorar gestundet werden. Ich selbst habe schon Hypotheken-Kredite gehabt, bei denen ich den Zins monatlich zu zahlen hatte.

      Außerdem kann die Bank dem Kreditnehmer sein Beratungshonorar auf dem Konto auch dann schon gutschreiben, wenn die gegenläufige Zinszahlung noch gar nicht eingetroffen ist. Sie ist nämlich in der Lage, auch per Honorarzahlung Geld zu schöpfen. Dies wäre allerdings nur eine vorübergehende Geldschöpfung, weil mit der Abbuchung des Zinsbetrages beim Schuldner dieses zusätzliche Geld wieder vernichtet würde.

      Selbst bilanztechnisch wäre dies darstellbar: Die Bank könnte beispielsweise dem geschöpften Honorargeld, welches auf der Passivseite steht, eine Forderung an den Kreditnehmer über den bisher aufgelaufenen Zins gegenüberstellen (auf der Aktivseite). Somit wäre die Bilanz auch unterjährig ausgeglichen.

      Deshalb wiederhole ich hier noch einmal, dass unterschiedliche Fristigkeiten für unsere Fragestellung keine Rolle spielen.

      2.
      Nun zur Anzahl der Zahlungsvorgänge: Diese spielt selbstverständlich insofern eine Rolle, als der Kreditnehmer in der Realität nicht auf das Honorar der Bank angewiesen ist, um seine Zinsen plus Tilgung zu zahlen, sondern von x-beliebiger Seite für eine x-beliebige Leistung Zahlungen bekommen kann. Umgekehrt muss auch nicht die Bank auf diese eine Zinszahlung warten, um Honorar bezahlen zu können, sondern sie kann auf eine Vielzahl von Zahlungseingängen zurückgreifen.

      Dies lässt das Problem der Fristigkeiten noch unbedeutender werden.

      3.
      In Sachen „Tauschwirtschaft“ sind Sie m. E. auf dem Holzweg. Abgesehen von Schenkungen oder sonstigen Übertragungen ohne Gegenleistung basiert jedweder Zahlungsvorgang auf einer solchen Leistung. Dass die Leistungen hier direkt zwischen Bank und Kreditnehmer ausgetauscht werden, ist ja nur der Einfachheit des Beispiels geschuldet.

      Selbstverständlich können Sie gedanklich unzählige Zwischenschritte einbauen, und schon findet kein direkter Leistungsaustausch mehr statt. Nehmen wir nur einen weiteren Schritt dazu: Das Beratungshonorar erhält ein dritter, der wiederum beim Kreditnehmer Gesangsunterricht nimmt. Schon ist Ihre „Tauschwirtschaft“ passé, aber das Beispiel funktioniert immer noch. Und genauso wie den einen Schritt können Sie unzählige weitere einbauen, ohne dass die Gültigkeit verloren geht.

      4.
      Ihre Zeilen sollten Ihnen aber noch in anderer Hinsicht die Augen öffnen:

      Sie bezeichnen nämlich selbst den Zins als Entgelt für die Dienstleistung „Kreditvergabe“. Damit machen Sie sehr schön deutlich, dass dieses Entgelt gleichzusetzen ist mit dem Entgelt für jede andere Leistung, etwa für Dienstleistung „Beratung“. Warum aber sollte nur das Entgelt für die Leistung Kreditvergabe eine „dem System innewohnende und unvermeidbare Ursache des Geldwachstums“ sein, jedes andere Entgelt für jede andere Leistung aber nicht?

      Ich sage dagegen: Ein gehortetes Zinsentgelt ist in gleichem Maße Ursache des Geldwachstums wie ein gehortetes Beratungsentgelt. Und umgekehrt: Ein nicht gehortetes Zinsentgeld ist genauso wenig Ursache des Geldwachstums wie ein nicht gehortetes Beratungsentgelt. Da gibt es keinen Unterschied.

      Vielleicht denken Sie darüber einmal nach?

      Herzlicher Gruß
      Raimund Brichta

  4. Sehr geehrter Herr Brichta,

    wenn Jeder seine Ansichten behalten würde, würde das Zusammenleben der Menschen nicht mehr funktionieren. Deswegen ist es ungemein wichtig, Ansichten auszutauschen und sich zu bemühen einen Konsens zu erreichen. Es ist schade, dass Sie sich nicht die Mühe machen möchten, ein konkretes Beispiel durchzuspielen, denn das würde dazu beitragen, festzustellen, worin unsere Meinungsunterschiede begründet sind.

    Auch wenn ich nicht mehr an einen Konsens zwischen unseren Standpunkten glaube, möchte ich zu Ihren letzten Aussagen meine Anmerkungen machen, ohne auf jeden einzelnen Satz einzeln eingehen zu wollen.

    Als treuer Leser Ihres Buches (ich habe es 2-mal gelesen!) bin ich erstaunt darüber, dass Sie behaupten, die Bank könnte zur Begleichung Ihrer eigenen Honorarschulden einfach Geld schöpfen. Diese Art der Geldschöpfung ist in Ihrem Buch nicht beschrieben. Nach diesem Prinzip könnte die Bank beliebig Geld schöpfen, um eigene Rechnungen zu bezahlen, zum Beispiel um dem Vorstands-Vorsitzenden einen Geschäftswagen zu kaufen. Daran fehlt mir allein der Glaube, den dann bräuchte die Bank keine weiteren Geschäfte mehr tätigen. Sie könnte sich darauf beschränken, Geld zu schöpfen, um Rechnungen zu bezahlen. Zumindest gestehen Sie hier ein, dass eine Geldschöpfung notwendig ist, um den Kreislauf in Gang zu halten. Warum sollte die Zinszahlung die Geldschöpfung wieder vernichten? Die Zinszahlung steht in keinem Zusammenhang zu dieser Geldschöpfung (sofern sie möglich ist). Nach Ihrem Buch, dessen Aussagen ich in der Mehrheit großen Glauben schenke, kann nur eine Tilgung geschöpftes Geld vernichten.

    Ihre Aussage, dass die Erhöhung der Anzahl der Zinszahlungen (z.B. monatlich oder vierteljährlich) das Problem lösen würde, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Sie sich die Mühe machen würden, ein Beispiel mit einer höheren Anzahl an Zinszahlungen durchzuspielen, werden Sie feststellen, dass der Zins, der bei der letzten Tilgung fällig wird, nicht mehr bedient werden kann, da die Geldmenge nicht mehr ausreicht. Auch das Hinzuziehen einer dritten Partei in diesem Kreislauf ändert nichts an diesem Prinzip. Das macht die Simulation etwas aufwendiger, kommt jedoch zum selben Ergebnis.

    Ich bin kein Volkswirt und kein Wirtschaftsexperte und ich muss eingestehen, dass ich nicht alle Zusammenhänge durchschaue und bei dieser Diskussion in bestimmten Bereichen sicherlich einen Wissensnachteil Ihnen gegenüber habe. Ich glaube jedoch, ein gewisses logisches und mathematisches Verständnis zu besitzen. Der „magische“ Kreislauf, den Sie beschreiben, der wie ein „Perpetuum mobile“ sich selbständig am Leben hält, ist mathematisch und logisch nicht darstellbar. Sie können das nur lösen, indem Sie Fristigkeiten ignorieren, die nach meiner Ansicht im realen Kreislauf durchaus relevant sind.

    Auch wenn wir am Ende nicht zusammenkommen, fand ich die Diskussion sehr bereichernd und mein Urteil über Ihr Buch halte ich nach wie vor aufrecht. Ich finde immer noch, dass es sich aus den meisten Büchern, die zu diesem Thema existieren, hervorhebt.

    Mit netten Grüßen

    A. Papapostolou

    • Lieber Herr Papapostolou,

      Sie scheinen eine falsche Vorstellung zu haben vom Zeitaufwand, den es bedeutet, in Blogs mit Lesern so intensiv zu diskutieren, wie ich es tue. Und das auch noch obendrauf zu allen anderen Engagements, die ich habe. Vielleicht haben Sie festgestellt, dass ich mich mit fast jeder Zuschrift sehr ausführlich auseinandersetze. Ein solches Engagement dürfte nicht allzu oft finden sein im Netz.

      Dafür will ich wahrlich kein Lob, weil es für mich eine Selbstverständlichkeit ist. Es irritiert mich aber schon, wenn Sie die Sachlage ins Gegenteil verkehren und schreiben, dass ich mir „nicht die Mühe machen“ möchte, ein konkretes Beispiel durchzuspielen. Ein solches Beispiel wäre vielleicht etwas für ein nächstes Buch bzw. für den Anhang eines solchen. Jetzt fehlt mir definitiv die Zeit dazu.

      Außerdem haben selbst Sie (zu Recht) auf das Zeitpunkt-Null-Beispiel zurückgegriffen, anhand dessen sich in einfacher Weise das Prinzip sehr gut erklären lässt. Ich habe dieses Beispiel aufgegriffen und gezeigt, wie das System funktioniert, wenn sämtlicher Zins zurück ins System geschleust würde. An diesem Prinzip ändert sich auch dann nichts, wenn Sie das Beispiel komplizierter machen. Dann verringert sich allenfalls die Lesbarkeit.

      Darüber hinaus bin ich auf alle Ihre verbalen Einwände ausführlich eingegangen.

      Nun zu Ihren neuen inhaltlichen Anmerkungen:

      Was die Geldschöpfung per Honorarzahlung anbelangt, so war diese Möglichkeit lediglich eine weitere Ergänzung zu meinen vorangegangenen Argumenten, die zeigen sollten, dass der Zins selbst noch keinen Aufschuldungszwang erzeugt. Im Sinne von: Selbst wenn alle Stricke reißen, gäbe es noch diese Möglichkeit.

      Im Buch habe ich die Geldschöpfung per Honorar nicht erwähnt, weil sie in der Praxis keine Rolle spielt. Sie ist in meinem Beispiel auch nur eine vorübergehende Geldschöpfung, die kurzfristig wieder rückgängig gemacht wird. Das Prinzip dürfte aber auch Ihnen verständlich sein: Buchung des Honorarbetrags als Einlage des Beraters auf der Passivseite der Bilanz und Buchung der (bis dato) aufgelaufenen Zinsforderung gegen den Kreditnehmer auf der Aktivseite. Damit ist die Bilanz ausgeglichen. (Aber wie gesagt, in der Praxis wird das gar nicht benötigt, um den Zins vollständig zurückfließen zu lassen.)

      Dass der damit geschöpfte Geldbetrag mit der Zinszahlung wieder vernichtet wird ist eigentlich logisch und ergibt sich aus der reinen bilanziellen Saldenmechanik: Bei der Zinszahlung wird in der Bilanz rechts der Zinsbetrag vom Konto des Kreditnehmers ausgebucht (aber nicht auf ein anderes Konto überwiesen), und links verschwindet gleichzeitig die aktivierte Zinsforderung. Mit der Ausbuchung ist das Geld verschwunden. Ist doch ganz einfach, oder?

      Im Übrigen haben wir auch im Buch beschrieben, dass Zinszahlungen der Kreditnehmer tendenziell Geld vernichten, sofern sie nicht auf Konten anderer umgebucht werden. Lesen Sie das bitte noch mal im Kapitel „Zins und Zins ist Zweierlei“ nach.

      In diesem Beispiel wäre das alles aber sowieso nur eine vorgezogene Umbuchung, weil ich unterstellte, dass das Honorar schon bezahlt wurde, der Zins aber noch nicht. Damit wollte ich zeigen, dass selbst in eine solchen Fall die hundertprozentige Rückführung des Zinses funktionieren würde.

      Dass diese Art der Geldschöpfung auf der anderen Seite aber kein Selbstläufer werden kann, wie Sie unterstellen, ergibt sich aus den bilanziellen Erfordernissen: Die Geldschöpfung, die sich auf der rechten Bilanzseite zeigt, ist schließlich nur eine Schuld aus Sicht der Bank. Eine Bank kann aber nicht unbegrenzt Schulden machen, das ist doch klar, oder?

      Zudem wäre in meinem Beispiel die Schuld auch noch hundertprozentig unterlegt mit einer entsprechenden (Zins-)Forderung auf der Aktivseite der Bilanz. Auch solche Forderungen lassen sich nicht beliebig vermehren.

      Sie schreiben weiter:
      „Ihre Aussage, dass die Erhöhung der Anzahl der Zinszahlungen (z.B. monatlich oder vierteljährlich) das Problem lösen würde, kann ich nicht nachvollziehen.“

      Dabei ging es um Ihren Einwand, dass mein Beispiel nur funktionieren würde, wenn das Honorar gestundet würde, bis es mit der Zinszahlung verrechnet werden könne. Wenn aber der Zins anteilig pro Monat fällig wird, so fließt der Bank auch monatlich ein Betrag zu. Das Honorar kann in diesem Fall auch monatlich gezahlt werden und muss nicht gestundet werden. Ist doch logisch, oder?

      Sie wiederholen dagegen stets nur ihr Mantra, dass „der Zins, der bei der letzten Tilgung fällig wird, nicht mehr bedient werden kann, da die Geldmenge nicht mehr ausreicht.“ Pardon, aber nach meinem Empfinden ist das auf dem Niveau diverser Internet-Filmchen und Beiträge, die es zu diesem Thema gibt. Wenn der Zins zum Schuldner als Zahlung zurückfließt, reicht die Geldmenge aus. Das haben wir doch ausreichend ausführlich besprochen. Ihre Beispiele gehen aber immer davon aus, dass der Zins nicht zurückfließt, sondern gehortet wird. In diesem Fall – ich wiederhole mich – ist es aber in erster Linie ein Problem der Hortung und nicht des Zinses.

      Ich kann durchaus verstehen, dass es noch etwas dauern wird, bis Sie das Umdenken aus der alten, Ihnen vertrauten Sichtweise vollbringen können. Glauben Sie mir: Bei mir hat es auch eine Zeitlang gedauert. Aber das Interessante im Leben ist ja, dass man ständig dazu lernen kann 😉

  5. Sehr geehrter Herr Brichta,

    ich stimme Ihnen ausdrücklich zu, wenn Sie sagen, dass Sie mit großem Engagement auf die Beiträge in Ihrem Blog eingehen und es lag mir fern, das in Frage zu stellen. Sollte es anders rübergekommen sein, dann bitte ich um Entschuldigung.

    Mit meiner Aussage wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ein konkretes Beispiel, welches Ihre These unterstützen würde, unsere Meinungsverschiedenheit möglicherweise hätte aus dem Weg räumen können. In der Mathematik würde das als „Widerspruchsbeweis“ gelten.

    Da ich kein ausgebildeter Volkswirt bin, kann ich Ihren Ausführungen, ob die Bank Geld schöpfen kann, um Rechnungen zu begleichen, weder zustimmen noch widersprechen. Das kann ich aus eigenem Wissen nicht beurteilen. Sie müssen jedoch zugeben, dass das seltsam erscheint.

    Zuletzt möchte ich erwähnen, dass ich nicht wirklich zu 100% sicher bin, dass meine These richtig ist. Ich schließe nicht vollständig aus, dass Sie Recht haben könnten. Wenn ich jedoch alle Argumente abwäge, neige ich dazu, meine Argumente als plausibler einzustufen. Im Besonderen unterstützt mein Simulationsbeispiel meine These. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich meine These nicht aus Internet-Filmchen bezogen habe, sondern durch angestrengtes Nachdenken und logischer Folgerung entstanden ist, basierend auf dem Wissen, welches ich aus Ihrem Buch erworben habe.

    Mein Ziel ist es nicht, Recht zu behalten. Mein Ziel ist, „Die Wahrheit über Geld“ zu erfahren. Ihre Argumente werde ich mir weiter durch den Kopf gehen lassen und sollten Sie Zeit finden, ein Beispiel zu beschreiben, welches Ihre These stützt, wäre ich daran interessiert.

    Mit netten Grüßen
    A. Papapostolou

    • Lieber Herr Papapostolou,

      ich habe einen Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn Sie bei Gelegenheit selbst Ihr Beispiel noch einmal alternativ durchrechnen würden – und zwar unter der Annahme, dass der gezahlte Zins vollständig zu den Kreditnehmern zurückfließt? Dann posten Sie mir dies, und wir diskutieren nochmal drüber.

      Herzlicher Gruß
      R. Brichta

  6. Sehr geehrter Herr Brichta,

    das ist gerade der Knackpunkt. Mir ist nicht klar wie der Zins vollständig VOR der letzten Tilgung zurückfließen soll. Der letzte Zins fließt immer erst mit der letzten Rate und ich bin immer noch der Meinung, dass man Fristigkeiten nicht ignorieren kann.

    Beim Durchspielen von Beispielen, habe ich jedoch eine Feststellung gemacht: Wenn man die Anzahl der Zinszahlungen weiter erhöht, dann wird die Höhe der letzten Zinszahlung immer kleiner und damit auch der Betrag immer kleiner der am Ende fehlt. Der Fehlbetrag wird jedoch niemals Null. Das ist reine Mathematik.

    Mit netten Grüßen
    A. Papapostolou

    • Stellen Sie sich doch einfach mal vor, der Zins würde monatlich gezahlt, und zur gleichen Zeit würde monatlich ein Beratungshonorar an den Kreditnehmer in gleicher Höhe zurückfließen. Honorar- und Zinszahlungen beginnen im selben Monat.

      Dann ist die letzte Zinszahlung genauso wie alle vorherigen zu behandeln. Es gibt keinen Unterschied. Der letzte Zins kann mit dem letzten Honorar bezahlt werden. Es ist keine größere Geldmenge erforderlich.

  7. Sehr geehrter Herr Brichta, sehr geehrter Herr Papapostolou,

    Sehr gespannt habe ich ihre Diskussion verfolgt und hoffe ein paar hilfreiche Ergänzungen und Anregungen geben zu können.
    Herr Brichta, ich bin ein sehr begeisterter Leser ihres Buches und bewundere Ihre Fähigkeit komplizierte bzw. komplexe Sachverhalte didaktisch aufzubereiten. In dieser Diskussion kann ich aber die Problematik, die Herr Papapostolou anspricht gut nachvollziehen. Genauso wie Sie, bin ich lange Zeit davon ausgegangen, dass der Zins(Zinseszins)-Effekt ursächlich für den systemischen Wachstumszwang ist. Dieses vereinfachte Bild des Wachstumszwanges wird ja auch in einer Vielzahl in den von Ihnen genannten „Internet-Filmchen“ propagiert. Ich finde es wichtig, dass die Wachstumsproblematik thematisiert wird, allerdings gibt es ja auch bekanntlich für jedes komplexe Problem eine Antwort, die klar, einfach verständlich und falsch ist.
    Ich glaube es ist möglich in dieser Diskussion tatsächlich einen Konsens zu finden. Dafür würde ich Herr Papapostolou bitten, sich mit dem Begriff der ‚Umlaufgeschwindigkeit‘ des Geldes vertraut zu machen. Stark vereinfach und abstrahiert würde ich gerne folgendes Beispiel ausführen:
    Sollten uns drei Personen zusammen 1000 € zur Verfügung stehen (gleich verteilt) ist es einfach möglich einen beliebigen Betrag auszugeben (z.B. 10.000€), solange wir untereinander immer wieder irgendeinen Austausch von Waren oder Dienstleistungen erbringen.
    Gleiches trifft auch auf das von Ihnen Herr Papapostolou, konstruierte Beispiel zu. Die Bank fordert eine Zinsleistung, der sie sofort eine Beratungsleistung gegenüberstellen.
    Ich habe mir die Mühe gemacht und versucht ihre Simulation so darzustellen, sodass daraus hervorgeht, dass die initiale Geldmenge von 1000€ ausreichend ist.
    Ich freue mich auf Ihr Feedback und hoffe, dass das Beispiel mehr Klarheit schafft,

    mit besten Grüßen,

  8. Sehr geehrter Herr Brichta,

    ich habe mir die Mühe gemacht, das von Ihnen beschriebene Szenario zu simulieren.

    Folgende Annahmen liegen zugrunde:
    Die Kreditsumme beträgt 1000,00 € und der Zins beträgt 10% p.a..
    Ich habe 4 Ratenzahlungen angenommen, die immer nach einem Jahr getätigt werden.
    Die jährlichen Ratenzahlungen habe ich gewählt, weil es einfacher zu rechnen ist, das Prinzip wäre jedoch bei monatlichen Zahlungen identisch.
    Wichtig ist, dass die Bank die Honorarzahlungen erst leisten kann, NACHDEM der Zins geflossen ist. Diese Reihenfolge ist entscheidend.

    Die Simulation beginnt:

    Zeitpunkt 0:
    Geldmenge=Schuldenmenge=1000,00 €
    Geldvermögen Bank=0,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=1000,00 €

    Zeitpunkt 1 [1. Ratenzahlung 250,00 € Tilgung + 100,00 € Zins]:
    Geldmenge=Schuldenmenge=750,00 €
    Geldvermögen Bank=100,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=650,00 €

    Zeitpunkt 2 [1. Honorarzahlung in Höhe von 100,00 €]:
    Geldmenge=Schuldenmenge=750,00 €
    Geldvermögen Bank=0,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=750,00 €

    Zeitpunkt 3 [2. Ratenzahlung 250,00 € Tilgung + 75,00 € Zins]:
    Geldmenge=Schuldenmenge=500,00 €
    Geldvermögen Bank=75,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=425,00 €

    Zeitpunkt 4 [2. Honorarzahlung in Höhe von 75,00 €]:
    Geldmenge=Schuldenmenge=500,00 €
    Geldvermögen Bank=0,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=500,00 €

    Zeitpunkt 5 [3. Ratenzahlung 250,00 € Tilgung + 50,00 € Zins]:
    Geldmenge=Schuldenmenge=250,00 €
    Geldvermögen Bank=50,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=200,00 €

    Zeitpunkt 6 [3. Honorarzahlung in Höhe von 50,00 €]:
    Geldmenge=Schuldenmenge=250,00 €
    Geldvermögen Bank=0,00 €
    Geldvermögen Kreditnehmer=250,00 €

    Zeitpunkt 7 [4. und letzte Ratenzahlung 250,00 € Tilgung + 25,00 € Zins]:

    Jetzt kommt das Problem zum Vorschein. Der Kreditnehmer müsste 275,00 € an die Bank bezahlen, er besitzt jedoch nur 250,00 €. Es fehlen 25,00 €! Den Betrag von 25,00 € kann er nur bedienen, wenn er zusätzlich geschöpft wurde und der Kreditnehmer diesen Betrag erwirtschaften konnte.

    Ich würde zustimmen, wenn Sie sagen, dass die Erhöhung der Anzahl der Zahlungen, den fehlenden Geldbetrag bei der letzten Ratenzahlung verkleinert. Es wird jedoch immer ein Fehlbetrag übrig bleiben, der letztendlich durch den Zins verursacht wurde.

    Mathematisch, lässt sich Ihre These stützen, wenn man die Anzahl der Ratenzahlungen gegen unendlich laufen lässt. Dann hätte der Fehlbetrag der letzten Kreditzahlung den Grenzwert von 0. Da in einer endlichen Welt nur eine endliche Anzahl von Zahlungen möglich ist, wird der Fehlbetrag jedoch immer größer 0 bleiben.

    Ich würde folgende Kompromiss-These formulieren wollen:
    Der Zins ist die Ursache des Geldwachstums, während das Maß in dem der Zins gehortet wird, die Wachstumsgeschwindigkeit beeinflusst. Das Herunterfahren der Hortung auf den Wert 0 kann jedoch nicht das durch den Zins verursachte Geldwachstum vollständig eliminieren.

    Mit netten Grüßen
    A. Papapostolou

    • Sorry, lieber Herr Papapostolou aber dieses Beispiel führt von vorneherein in die Irre. In Ihrer Ausgangsthese sind sie davon ausgegangen, dass AM ENDE der Laufzeit nicht genügend Geld für Tilgung (1.000) und Zins (100) im System wäre und deshalb aufgeschuldet werden müsste. Nun unterstellen Sie aber, dass während der Laufzeit auch getilgt werden müsste. Das ist etwas Anderes.

      Deshalb machen wir es doch bitte nicht so kompliziert, denn schließlich wollte ich Ihnen nur das PRINZIP erklären. Also: Nehmen wir einfach an, dass Zins und Tilgung gemeinsam am Ende der einjährigen Laufzeit fällig werden, und dass das Honorar von 100 ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt fällig wird. Dann ist es offensichtlich, dass die 1.000 Taler, die im System vorhanden sind, ausreichen, da sich Zins- und Honorarforderung gegenseitig aufheben.

      Ich wiederhole, dass dieses einfache Beispiel nur das Prinzip erklärt, nachdem ein zu hundert Prozent ins System zurückgeführter Zins KEINEN Aufschuldungszwang verursacht. Aber genau dies war von Ihnen bestritten und anhand des „Zeitpunkt-Null-Beispiel“ untermauert worden. Ich wiederum habe genau dieses Beispiel bereitwillig aufgegriffen, weil sich anhand der einfachsten Beispiele nach meiner Erfahrung am besten demonstrieren lässt, ob etwas funktioniert oder nicht. Sie sehen daran, DASS es in diesem Fall funktioniert.

      Aber immerhin sind ja auch Sie mittlerweile zu der Erkenntnis gelangt, dass selbst nach Ihren Berechnungen am Ende nur noch ein verschwindend kleiner Betrag fehlt. Im Vergleich zu Ihrer Ausgangsthese, wonach der Zins VOLLKOMMEN fehle und deshalb der wichtigste Faktor für den Aufschuldungszwang sei, ist das schon ein wesentlicher Erkenntnisfortschritt. Finden Sie nicht?

  9. Sehr geehrter Herr Brichta,

    meine beiden Beispiele zeigen dasselbe Prinzip. Sie unterscheiden sich nur in der Anzahl der Ratenzahlungen und Honorarzahlungen. Am Ende bleibt immer eine letzte Zinszahlung übrig, die ohne neue Geldschöpfung nicht bedient werden kann. Im Übrigen spiegeln meine Beispiele den realen Prozess einer Kreditzahlung adäquat wieder.

    Sie versuchen das Problem immer zu lösen, indem sie eine „Gleichzeitigkeit“ der Honorarzahlung und der Zinszahlung annehmen. In der realen Welt finden Zahlungen sequentiell auf dem Zeitstrahl statt. Eine „Gleichzeitigkeit“ zweier Zahlungen, die sich sozusagen „gegenseitig“ bezahlen, gibt es nicht. Wenn Sie Sequentialität der Zahlungen als Tatsache akzeptieren, müssen Sie zwingend zum selben Ergebnis kommen wie ich.

    Nach der ganzen Diskussion, möchte ich mich letztendlich aber Ihrer Grundthese anschließen. Ich räume ein, dass das Gewicht des Zinses als Ursache für das Geldwachstum nicht so groß ist, wie ich es zu Beginn postuliert habe. Da in der Realität sehr viele Tilgungs- und Zinszahlungen stattfinden (meistens monatlich), ist die fehlende Geldmenge am Ende bei der letzten Ratenzahlung tatsächlich so gering, dass sie in der Gesamtbetrachtung nicht die große Rolle spielt. Die Größenordnung des gehorteten Geldes scheint tatsächlich die entscheidende Größe zu sein.

    Das heißt, ich gebe Ihnen in der Grundaussage Recht, jedoch bin ich der Ansicht, dass Sie Ihre These nicht korrekt begründet haben, weswegen mein Erkenntnisgewinn so lange gedauert hat;-)

    Mit netten Grüßen
    A. Papapostolou

    • Diese Schuld nehme ich gerne auf mich, lieber Herr Papapostolou, denn schließlich kommt es in der Hauptsache aufs Ergebnis an 😉

      Weshalb ich auf die Fristen und Zeitpunkte von Zahlungen keinen Wert gelegt habe, liegt übrigens genau darin begründet, was Sie so formulieren: „Da in der Realität sehr viele Tilgungs- und Zinszahlungen stattfinden (meistens monatlich), …“ Soll heißen, es kommt in der Realität überhaupt nicht darauf an, ob in unserem Zeitpunkt-Null-Beispiel der Zins zuerst gezahlt wird oder das Honorar. In der Realität überlappen sich so viele Zahlungen, dass auf jeden Fall genügend Geld dafür da ist. Denn ob die Bank das Honorar genau aus der Zinszahlung des Zeitpunt-Null-Kreditnehmers bezahlt oder aus der – vorangegangenen – Zinszahlung eines anderen, spielt überhaupt keine Rolle. Das Ergebnis ist entscheidend.

      Und genau aus diesem Grund ist es der Einfachheit halber das beste, man unterstellt die Gleichzeitigkeit.

      Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich Ihre Argumente in dieser Hinsicht nicht gelten lassen wollte.

      Herzlicher Gruß
      Raimund Brichta

  10. Sehr geehrter Herr Ziegler,

    vielen Dank für Ihre Hinweise und Ihr Beispiel.

    Wie ich auch gegenüber Herrn Brichta geäußert habe, mich stört an Ihren Beispielen und Begründungen die Gleichzeitigkeit der Zahlungen die in der Realität nacheinander stattfinden. Wenn man anerkennt dass Zahlungen nacheinander stattfinden und für eine Zahlung das Geld bereits auf dem Konto (oder als Bargeld) existieren muss, dann kommt es tatsächlich am Ende zu einer fehlenden Geldmenge, wie meine Beispiele zeigen.

    Wie ich mühevoll gelernt habe, wird jedoch die Fehlmenge vernachlässigbar klein, wenn in unserem konstruierten Beispiel die Anzahl der Zins- und Honorarzahlungen ausreichend groß ist. Vermutlich repräsentieren die Anzahl der Zahlungsvorgänge die „Umlaufgeschwindigkeit“ des Geldes, die Sie ins Spiel gebracht haben.

    Ich möchte für eine andere Begründung der These plädieren, warum der Zins als Wachstumsursache vernachlässigbar ist.

    Mit netten Grüßen
    A. Papapostolou

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