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Erster Praxistest: So machen Banken Geld

2. November 2015 von in Allgemein | Keine Kommentare

Wie Banken Geld produzieren, beschreiben wir in unserem Buch detailliert. Dabei machen wir den Produktionsprozess mit Hilfe von Bilanz-Beispielen Schritt für Schritt sichtbar. Nun hat Professor Richard Werner in einem Selbstversuch erstmals den empirischen Nachweis dazu geliefert.

 

Hier lesen Sie seine konkrete Beschreibung des Versuchs. Den Link zum vollständigen Artikel des Professors finden Sie am Ende.

„Die praktische Durchführung der empirischen Überprüfung

Die Gestaltung der empirischen Prüfung erfolgt in Form des Abschlusses eines echten Kreditvertrages durch den Forscher. Die Bank gewährt den Kredit und legt alle relevanten Aufzeichnungen der internen Buchhaltung offen. Mehrere Banken in Großbritannien und Deutschland wurden angesprochen und gebeten, an einer wissenschaftlichen Studie über die Kreditvergabe von Banken mitzuarbeiten. Die großen Banken haben eine Mitarbeit abgelehnt. Als Begründung wurde in der Regel zweierlei angegeben: die erforderliche Offenlegung der internen Buchhaltung würde das Bankgeheimnis oder die IT-Sicherheitsregeln verletzen; zweitens wären die Transaktionsvolumen der Bank so groß, dass die geplante Überprüfung sehr schwierig durchzuführen wäre, wenn es um angemessene Geldbeträge geht, die nicht mit den internen Risikomanagementregeln der Bank in Konflikt stehen. Denn in diesem Fall wäre eine einzelne Transaktion im IT-System der Bank sehr schwer zu isolieren. Trotz verschiedener Diskussionen mit einer Reihe von Banken, haben die Banken am Ende die Bitte wegen derh angeführten Gründe abgewiesen und außerdem ausgeführt, dass die Kosten für den Betrieb ihrer Systeme und die Kontrolle anderer möglicher Transaktionen nicht tragbar wären. Es wurde daher beschlossen, sich an kleinere Banken zu wenden, von denen es in Deutschland viele gibt (es gibt etwa 1700 lokale, meist kleine Banken in Deutschland). Jede besitzt eine Vollbanklizenz und ist als Universalbank tätig, sie bieten für die breite Öffentlichkeit alle wesentlichen Bankdienstleistungen, einschließlich dem Handel mit Aktien und Währungen. Es wurde bei einer lokalen Bank mit einer Bilanzsumme von rund € 3 Milliarden angefragt, ebenso bei einer Bank mit einer Bilanzsumme von ungefähr € 700 Millionen. Beide haben aus denselben Gründen wie die größeren Banken abgelehnt, aber es wurde eingebracht, dass eine viel kleinere Bank sich bereit erklären könnte, mit Hinweis auf den Vorteil, dass es dort weniger Transaktionen während eines Tages geben würde, sodass eine klare Identifizierung der Transaktion im Rahmen der empirischen Überprüfung leichter möglich sein würde. Gleichzeitig würde der Wert der empirischen Informationen nicht geschmälert, weil alle Banken in der EU nach den gleichen europäischen Vorschriften arbeiten. So wurde man bei der Raiffeisenbank Wildenberg e.G. vorstellig, ansässig in einer kleinen Stadt in Niederbayern. Die Bank hat acht Vollzeit-Mitarbeiter und ist eine Genossenschaftsbank im Rahmen von Raiffeisen und des genossenschaftlichen Bankenverbands. Die beiden Direktoren der Geschäftsführung, Herr Michael Betzenbichler und Herr Marco Rebl stimmten beide der Untersuchung zu, ebenso wie die verfügbaren internen Aufzeichungen der Buchhaltung und Dokumentationen der Abläufe weiterzugeben. Es wurde eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet, die bestätigt, dass die geplanten Transaktionen Teil einer wissenschaftlichen empirischen Untersuchung sind und dass sich der Forscher nicht mit den Mitteln davonmacht, wenn diese auf sein persönliches Konto überwiesen werden und dass der Kredit unmittelbar nach Abschluss der Untersuchung wieder getilgt wird.

 

Einschränkung zu den Aufzeichnungen der Buchhaltung, welche bei Banken recht üblich ist, ist die Auslagerung der IT an ein spezialisiertes Banken-IT-Unternehmen, welche ihre eigenen Regeln betreffend Vertraulichkeit und Sicherheit von Daten hat. Das IT-Unternehmen bedient die Mehrheit der 1100 Genossenschaftsbanken in Deutschland, sie verwendet die gleiche Software und interne Systeme und Buchhaltungsvorschriften, sodass die Untersuchung repräsentativ ist für mehr als 15% der Bankeinlagen in Deutschland. Es wurde vereinbart, dass der Forscher persönlich einen Kredit über € 200 000 bei der Bank nimmt. Die Transaktion wurde am 7. August 2013 in den Geschäftsräumen der Bank in Wildenberg in Bayern durchgeführt. Abgesehen von den beiden (einzigen) Direktoren der Geschäftsführung war auch der Leiter (und einziger Mitarbeiter) der Kreditabteilung Herr Ludwig Keil anwesend. Die Direktoren waren unbeteiligte Zuschauer. Herr Keil war der einzige Vertreter der Bank, der in den Ablauf der Kreditvergabe involviert war: am Anfang, bei der Kundendokumentation, beim Unterzeichnen des Kreditvertrages und der Buchung des Kreditbetrages auf das Konto des Kreditnehmers am Schluss. Die gesamte Transaktion, einschließlich der manuellen Eingaben von Herrn Keil, wurden gefilmt. Es wurden auch die Bildschirme des bankinternen IT-Terminals fotografiert. Darüber hinaus war ein Team von der BBC (Reporter Alistair Fee und ein Kameramann) vor Ort und filmte den Hauptteil des empirischen Bankkredit-Experiments. Die Bank legte den internen Standardablauf ihres Kreditvergabeverfahrens offen. Die Reihenfolge der wesentlichsten Schritte ist in Beilage 1 dargestellt. Wie man sehen kann, sind die letzten beiden Schritte die Unterzeichnung der „Kreditunterlagen“ durch den Kreditnehmer (den Forscher) und schließlich die Buchung des Kreditbetrages zum Valutatag.{31}

Die vereinbarten Kreditbedingungen: der Forscher würde einen Kredit über € 200 000 zum Bestzins (der Zinssatz für die besten Kunden) nehmen. Zur Unterstützung des wissenschaftlichen Forschungsprojekts verzichtete die Bank in diesem Fall auf die tatsächlichen Zinserträge. Als der Kreditvertrag sowohl von der Bank als auch dem Kreditnehmer am 7. August 2013 unterzeichnet wurde, ist der Kreditbetrag unverzüglich auf das Kreditkonto bei der Bank gebucht worden, so wie das im Kreditvertrag vereinbart wurde. Beilage 2 im Online-Anhang 2 zeigt den ursprünglichen Kreditkontostand bei der Raiffeisenbank Wildenberg. Die wesentlichen Informationen aus dem Kontoübersichtstabelle werden [hier auf Englisch] in Tabelle 4 wiederholt. [Anmerkung der Übersetzer: für die deutsche Fassung ist hier direkt die Tabelle aus dem Originaldokument eingefügt.]

Tabelle 4. Neues Bankkonto des empirischen Forschers. Bank: Raiffeisenbank Wilden e.G. Kunde: Richard Werner Datum: 7. August 2013

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Die Bank erstellte auch nachfolgende Übersicht, welche ein Standard T-Konto der Transaktion aus der Sicht des Kreditnehmers zeigt (Tabelle 5). [Anmerkung der Übersetzer: für die deutsche Fassung ist hier direkt die Tabelle aus dem Originaldokument eingefügt.]

Tabelle 5. Neues Bankkonto des empirischen Forschers.

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Der Kreditnehmer bestätigt, dass sein neues Girokonto bei der Bank nun einen Saldo von € 200 000 zeigt, der für Ausgaben verfügbar waren. (Eine Erweiterung des Experiments, über die gesondert berichtet werde soll, verwendete den Kreditbetrag für eine bestimmte Transaktion außerhalb des Bankinstituts. Dabei wurde der Betrag auf ein anderes Konto des Forschers, das er bei einer anderen Bank hatte, überwiesen; die Überweisung wurde ordnungsgemäß durchgeführt, womit gezeigt wurde, dass die Geldmittel für echte Transaktionen verwendet werden konnten.) Wir kommen nun auf die empirische Überprüfung der Theorien. Die entscheidende Frage ist: Woher hat die Raiffeisenbank Wildenberg e.G. die Mittel erhalten, die dem Kreditnehmer (dem Forscher) gutgeschrieben (und am nächsten Tag ordnungsgemäß aus der Bank wegüberwiesen) wurden? Als der Forscher entsprechend der Teilreserve-Theorie nach Reserveguthaben der Bank fragte, erklärte Direktor Marco Rebl, dass die Bank ihre Reserven bei der zentralen Organisation der Genossenschaftsbanken hält, welche wiederum ein Konto bei der Zentralbank hält. Diese Reserven beliefen sich auf einen Betrag von € 350 000, welcher sich während des Beobachtungszeitraums nicht verändert hat. In Bezug auf das Kreditvergabeverfahren versuchte der Forscher die Herkunft der als Kredit zur Verfügung gestellen Mittel zu verifizieren. Erstens bestätigte der Forscher, dass die in dieser Untersuchung involvierten Bankangestellten gegenwärtig waren, wobei zwei von ihnen (die Direktoren) nur beobachteten und weder Zugang zu Computer-Terminals hatten noch irgendwelche Anweisungen gaben. Der Kundenbetreuer (Leiter der Kreditabteilung, Herr Keil) war der einzige Akteur, der bei der Kreditvergabe aktiv involviert war. Seine Handlungen wurden gefilmt. Es wurde festgestellt und bestätigt, dass keiner der Bankmitarbeiter zusätzliche Aktivitäten durchführte, wie zum Beispiel die Ermittlung der verfügbaren Einlagen oder Gelder innerhalb der Bank – oder Anweisungen zu geben, Mittel aus anderweitigen Quellen auf das Konto des Kreditnehmers zu überweisen (beispielsweise durch das Kontaktieren der bankinternen Finanzierungsabteilung um bankexterne Interbankenfinanzierungsquellen zu kontaktieren). Es wurden auch keine Anweisungen gegeben, Reserven zu reduzieren oder sich Reserven leihen, weder bei der Zentralbank, noch bei der Zentrale der Genossenschaftsbanken oder bei einer anderen Bank oder Organisation. Mit anderen Worten: Es war offensichtlich, dass nach der Unterzeichnung des Kreditvertrags durch beide Parteien sofort die Mittel auf das Kreditkonto gebucht wurden, ohne weitere Kontrolle oder Anweisungen, um Mittel zu transferieren. Es gab keine Verzögerungen oder Beratungen oder andere Buchungen. Der Kreditnehmer sah im Moment der Kreditvergabe die Erhöhung seines Kreditkontostandes. Die gesamte Prozedur der Kreditvergabe, von Anfang bis Ende, bis die Mittel auf dem Kreditkonto verfügbar waren, dauerte ungefähr 35 Minuten (und wurde durch das Filmen und die häufigen Fragen des Forschers deutlich gebremst). Zweitens befragte der Forscher fragte die drei anwesenden Mitarbeiter der Bank, ob sie vor oder nach der Unterzeichnung des Kreditvertrags und vor der Buchung auf das Kreditnehmerkonto Auskünfte von irgendwelchen Dritten innerhalb oder außerhalb der Bank eingeholt hätten; weiters ob sie den Stand der verfügbaren Einlagen geprüft hätten oder in Verbindung mit dem Kreditvertrag Buchungen irgendeiner Art oder Überweisungen durchgeführt haben. Sie alle bestätigten, dass sie keine solche Tätigkeiten durchgeführt haben. Sie bestätigten auch, dass nach der Unterzeichnung des Kreditvertrags sofort auf das Konto des Kreditnehmers gebucht wurde, ohne irgendwelche der genannten Schritte. Drittens erhielt der Forscher die internen Tagesbilanzen der Bank. Diese werden nur einmal täglich nach Geschäftsschluss erstellt. Da die Bank klein ist, wurde gehofft, dass es möglich sein würde, die Auswirkungen der Kredittransaktion über € 200 000 und eine Gestalt der Bilanz entsprechend einer der drei Hypothesen erkennen zu können.

4. Ergebnisse

Beilage 3 im Online-Anhang 3 zeigt den Scan der Tagesbilanz der Bank am Ende des 6. August 2013, dem Tag bevor die Transaktion für die empirische Untersuchung durchgeführt wurde. Beilage 4 in Online-Anhang 3 zeigt die Tagesbilanz des folgenden Tages. In Tabelle 6 sind die wichtigsten Vermögenspositionen zusammengefasst, jeweils am Ende des Tages vor dem Kreditvergabe-Experiment und nach Ende des Tages, an dem der Forscher Kredit genommen hat. Tabelle 7 zeigt die wichtigsten Passivpositionen für die gleichen Zeiträume:

Tabelle 6. Raiffeisenbank Wildenberg e.G.: Tagesbilanz Vermögenswerte. 6. August 2013, 22:46 im Vergleich zu 7. August 2013, 22:56.

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Ausgehend von der Analyse der Informationen über die Passiva (Tabelle 7), erkennen wir, dass die Kundeneinlagen Teil der Bilanz des Kreditinstituts sind. Dies widerspricht der Finanzintermediär-Theorie, die davon ausgeht, dass Banken gegenüber anderen Finanzinstituten, die keine Banken sind, nicht besonders sind und dass Banken eigentlich nicht von diesen Finanzinstituten, die ihre Kundeneinlagen außerhalb der Bilanz halten müssen, unterscheidbar sind. Tatsächlich behandelt eine Bank ihre Kundeneinlagen deutlich anders als Finanzinstitutionen, die keine Banken sind, welche ihre Kundeneinlagen außerhalb der Bilanz aufzeichnen. Stattdessen erkennen wir, dass die Bank Kundeneinlagen wie Kredite an die Bank behandelt, aufgezeichnet unter der Kategorie „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“, die Kunden wiederum erhalten von der Bank die Buchung ihrer Kredite („Einlagen“ genannt) auf das, was man „Kontoauszug“ nennt. Dies kann nur mit der Kreditschöpfungstheorie oder der Teilreserve-Theorie in Einklang gebracht werden. Wir sehen, dass ein Betrag, nicht viel unter dem Kreditsaldo (ca. € 190 000) bei der Bank eingelegt wurde. Das entspricht beinahe der Erhöhung der Gesamtverbindlichkeiten (und Forderungen). Da die Teilreserve-Hypothese eine solche Erhöhung der Einlagen als Voraussetzung für die Möglichkeit einer Kreditvergabe fordert, d.h. dass diese Einlagenerhöhung der Kreditvergabe vorangehen muss, ist es schwierig, diese Beobachtung mit der Teilreserve-Theorie in Einklang zu bringen. Darüber hinaus bestätigte der Forscher, dass auf seinem eigenen Bankkonto der Kreditsaldo von € 200 000 am gleichen Tag ausgewiesen wurde. Das bedeutet, dass der Anstieg der Verbindlichkeiten durch die Zunahme der täglichen Verbindlichkeiten um € 200 000 (Position 2B BA in Tabelle 7) verursacht wurde. So kann die gesamte Zunahme der Verbindlichkeiten ihre Ursache nicht in einem zufälligen Anstieg der Kundeneinlagen am Tag der Kreditvergabe haben. Die Passivseite der Bilanz scheint nur mit der Kreditschöpfungstheorie im vollkommenen Einklang zu stehen. Wenn wir uns der Aktiva-Seite zuwenden, bemerken wir, dass wir die Kategorie, unter der wir unseren Kredit finden, die Position 4 (Forderungen an Kunden) ist – zum Glück die einzige Positionen an dem Tag mit einer Fälligkeit von unter 4 Jahren und daher in der Bilanz klar zu identifizieren. Scheinbar haben Kunden auch Kurzzeitkredite (sehr wahrscheinlich Überziehungen) in der Höhe von € 35 071.88, was einen Gesamtkreditsaldo von € 235 071.88 ergibt. Um die Analyse so einfach wie möglich zu halten, lassen Sie uns hier davon ausgehen, dass unser Test-Kredit sich auf diesen Gesamtkreditbetrag (€ 235 071.88) belief. So interessiert uns auf der Aktiva-Seite die Bilanzposition ΔA4, der Anstieg der Kredite (Forderungen an Kunden) in der Höhe von € 235 071.88. Wir möchten nun die Bilanz analysieren, um zu sehen, ob dieser neue Kredit in der Höhe von € 235 071.88 von anderen Konten der Bank abgezogen oder ob der Kredit sonst irgendwie finanziert wurde. Zuerst beginnen wir mit der Betrachtung der Aktivität auf der Aktiva-Seite. Die Beträge jeweils in Tausend angegeben, können wir die Veränderung in der Bilanz im Beobachtungszeitraum im Rahmen der Bilanzvorschriften wie folgt zusammenfassen:

ΔAktiva = ΔA1(Kassenbestand) + ΔA3(Forderungen an Kreditinstitute) + ΔA4(Forderungen an Kunden) + ΔA14(sonstige Vermögensgegenstände) (1)

Zahlenmäßig sind das, gerundet auf tausend Euro:

178 = 158 – 219 + 235 + 4 (2)

Die Teilreserve-Theorie besagt, dass der Kreditbetrag von den Reserven bezahlt werden muss. Diese können entweder Barguthaben oder Reserven bei anderen Banken (einschließlich der Zentralbank) sein. Die Einlagen (Forderungen) bei anderen Finanzinstituten (die auch die Reserven der Bank bei der Zentralbank umfasst) sind deutlich zurückgegangen, nämlich um € 219 000. Zur gleichen Zeit haben sich die Bargeldreserven deutlich erhöht. Es kann sein, dass die Bank gesetzliche Zahlungsmittel von der Genossenschaftsbank abgezogen hat, was die Erhöhung der Bargeldreserven und die Abnahme der Guthaben bei anderen Finanzinstituten erklärt. Da die Theorien nicht zwischen diesen Kategorien unterscheiden, können wir A1 und A3, die Bankguthaben und die Reserven aggregieren. Um zu vereinfachen, aggregieren wir auch A14 (sonstige Vemögensgegenstände) mit A4 (Forderungen an Kunden) und erhalten:

178 (ΔAktiva) = −61 (ΔReserven) + 239 (ΔForderungen an Kunden , sonstige Vemögensgegenstände) (3)

Wir beobachten, dass die Reserven weniger wurden, während die Forderungen an Kunden deutlich stiegen. Darüber hinaus stieg auch die Bilanzsumme um einen Betrag, nicht unähnlich dem unseres Kreditsaldos. Kann diese Informationen mit einer der drei Theorien vereinbart werden? Entsprechend der Finanzintermediär-Hypothese würden wir einen Rückgang der Reserven (Guthaben bei anderen Finanzinstituten und Barmittel) erwarten – um denselben Betrag wie der Betrag an Kundenkrediten gestiegen ist. Die Reserven haben aber um weit weniger abgenommen. Zur gleichen Zeit wurde die Bilanz durch eine deutliche Zunahme der Forderungen an Kunden verlängert. Wenn die Bank sich, entsprechend der Finanzintermediär-Theorie, Geld von anderen Banken geliehen hätte, um den Kredit zu finanzieren (was den Gesamtbetrag der Forderungen an andere Banken reduziert), sollte sich weder der Kassenbestand erhöht, noch die Bilanz verlängert haben. Wir beobachten jedoch einen signifikanten Anstieg des Bargeldbestandes und eine Verlängerung der Gesamtbilanz (gesamte Aktiva und gesamte Passiva) zusammen um € 178 000. Dies kann nicht mit der Finanzintermediär-Theorie in Einklang gebracht werden, weswegen wir diese Theorie verwerfen müssen. Wenn wir die Teilreserve-Theorie betrachten, wissen wir durch die Befragung von Herrn Keil von der Kreditabteilung als auch der Direktoren, dass keiner von ihnen vor der Unterzeichnung des Kreditvertrags die Höhe der Reserven oder Guthaben bei anderen Banken überprüft hat, um für den Kreditnehmer Mittel verfügbar zu machen (siehe Original-Brief in der Beilage). Darüber hinaus scheint es keine Beweise dafür zu geben, dass die Reserven (Bargeld und Forderungen gegenüber anderen Finanzinstituten) in einem der Kreditvergabe entsprechenden Maß zurückgegangen wären. Schließlich kann die beobachtete Ausweitung der Bilanz auch nicht mit der Standardbeschreibung der Teilreserve-Theorie in Einklang gebracht werden. Daher müssen wir auch diese verwerfen. Damit verbleibt nur mehr die Kreditschöpfungstheorie. Können wir die beobachtete Aktiva-Seite der Bilanz mit ihr in Einklang bringen? Die Transaktionen sind miteinander über den Buchhaltungsidentitäten der Bilanz verknüpft (Gleichungen (1), (2) und (3)). Wir können also die Frage stellen, was mit der Gesamtsumme der Aktiva geschehen wäre, wenn wir für einen Moment annehmen, dass keine andere Transaktion neben der Kreditvergabe (235) stattgefunden hat. Wir können die Veränderungen der einzelnen Aktiva-Positionen auf Null setzen (außer ΔA4, unseren Kredit), wenn wir denselben Betrag der von Gesamtsumme der Aktiva-Änderungen subtrahieren. Die neue Gesamtbetrag der Aktiva in diesem hypothetischen Szenario wäre:

235 = 178 – 158 + 219 – 4 (4)

oder allgemein:

ΔA4(Forderungen an Kunden) = ΔAktiva − ΔA1(Kassenbestand) − ΔA3(Forderungen an Kreditinstitute) − ΔA14(Sonstige Vemögensgegenstände) (5)

Mit anderen Worten: Wenn die anderen Transaktionen nicht stattgefunden hätten, hätte sich die Bilanz der Bank um den gleichen Betrag verlängert, wie Kredite vergeben wurden. Diese Feststellung stimmt nur mit der Kreditschöpfungstheorie überein. Der Beweis ist nicht so leicht erbringbar, wie man sich das wünschen würde, da es in der Praxis nicht möglich ist, alle anderen Transaktionen der Bank auszuschalten, die von Bankkunden (die heute via Internet-Banking auch an Feiertagen Transaktionen tätigen können) initiiert werden. Aber die vorliegenden Buchhaltungsdaten können nicht mit der Teilreserve- oder der Finanzintermediär-Hypothese in Einklang gebracht werden.

…….

… Aufgabe dieser Arbeit war es, über die erste empirische Studie zu berichten, welche die drei Hypothesen überprüft. Diese wurden erfolgreich in der realen Welt unter realen Bedingungen überprüft: durch eine Kreditaufnahme bei einer Bank und der Untersuchung der tatsächlichen internen Bankbuchhaltung in einer unkontrollierten realen Umgebung. Es wurde untersucht, ob in dem Prozess, dem Kreditnehmer Geld zur Verfügung zu stellen, die Bank diese Mittel von anderen Konten (innerhalb oder außerhalb der Bank) überweist. Es wurde festgestellt, dass in dem Prozess, durch den das Geld auf dem Konto des Kreditnehmers verfügbar gemacht wird, die Bank dieses Geld nicht von anderen internen oder externen Konten überwiesen hat, was dazu geführt hat, dass sowohl die Teilreserve-Theorie als auch die Finanzintermediär-Theorie verworfen werden musste. Statt dessen wurde festgestellt, dass die Bank diese Mittel neu „erfunden“ hat, indem sie diese als Einlage auf das Konto des Kreditnehmers gebucht hat, obwohl eine solche Einlage nicht stattgefunden hat. Dies steht im Einklang mit den Behauptungen der Kreditschöpfungstheorie. Damit kann es jetzt – möglicherweise in den 5000 Jahren der Geschichte des Bankwesens – mit Zuversicht gesagt werden, dass es ist empirisch nachgewiesen ist, dass jede einzelne Bank Kredit und Geld aus dem Nichts schafft, wenn sie das vergibt, was man „Bankkredit“ nennt. Die Bank verleiht kein bereits existierendes Geld, sondern erzeugt stattdessen neues Geld. Die Geldmenge wird „wie durch Zauberei“ von den Banken aus dem Nichts erschaffen.{32} Die Auswirkungen sind weitreichend.“

Zum vollständige Artikel (inkl. Quellenverweise) geht es hier:

http://www.vollgeld-initiative.ch/fa/img/Texte_Dokumente_deutsch/Koennen_einzelne_Banken_Geld_aus_dem_Nichts_schaffen__mit_allen_Beilagen_.pdf

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